15.02.2012

Predigt zum 7. Sonntag im Jahreskreis B -- 19.02.2012

(Fortsetzung)

Es hat sich schnell im Ort herum-
gesprochen, dass Jesus wieder da ist. Vielleicht ist es das Haus des Simon Petrus, in dem er sich jetzt aufhält. Drinnen und draußen vor der Tür wimmelt es nur so von Menschen. Jesus verkündet allen die Frohe Botschaft vom Reich Gottes.
Allen? -- Nein, eben nicht allen! Da ist einer, den lassen sie erst gar nicht an Jesus heran. Es ist ein Gelähmter, von vier Männern getragen. Niemand möchte freiwillig seinen guten Platz räumen, um den Mann auf seiner sperrigen Tragbahre vorzulassen. Immer schön der Reihe nach – hier gibt es keinen Behinderten-Rabatt! Der Mann mit seinen Trägern hätte schließlich auch früher kommen können, also selber schuld!
Über den Gelähmten wissen wir so gut wie nichts; kein Name wird genannt. Auch über die Helfer und ihre Motivation, ihm beizustehen, erfahren wir über-
haupt nichts. Wahrscheinlich sind sie seine Freunde, die schnell reagiert haben, als sie von Jesu Ankunft gehört hatten. Es liegt nahe, dass der Ge-
lähmte nicht immer gelähmt war. Seine Freunde kennen ihn sicher anders – aktiv und lebenslustig. Aus dieser Zeit sind sie ihm treue Freunde und Helfer geblieben, ein seltenes Glück für jemand, der an den Rand der Gesellschaft gedrückt wurde. Gelähmt ist er. Da alle Initiative von seinen Freunden ausgeht, dürfen wir annehmen, dass er nicht nur körperlich gelähmt war. Er war insgesamt wie gelähmt, mittlerweile ohne jeden Mumm, kraftlos und hoffnungslos.
Für seine Freunde ist das ein Trauerspiel, mit ansehen zu müs-
sen, was im Laufe der Zeit aus ihm geworden ist. Wir kennen das auch, z.B. bei Menschen, die immer tiefer in Depressionen ver-
sinken, aus denen sie allein nicht mehr herausfinden. - Oder wir sagen von jemand: Der war wie gelähmt, starr vor Schreck!
In diesem Fall gehorchen einem z.B. die Beine einfach nicht mehr, so sehr man sich auch anstrengt. Man hat keine Gewalt mehr über sich selbst.
Der Gelähmte hier hat Glück im Unglück. Seine Freunde stehen treu zu ihm und lassen ihn nicht im Stich. Sicher mussten sie ihn zu dieser Aktion sogar noch überreden. Er selbst hat sich längst aufgegeben. Ist doch alles sinnlos. Wozu überhaupt noch die Anstrengung?
Gott straft mich für mein früheres Fehlverhalten, für meine Sünden. Die Krankheit ist jetzt die Quittung dafür. Geschieht mir doch recht. Am besten, ihr lasst mich einfach nur noch in Ruhe!
Das sehen die Freun-
de anders: Ruhe hattest du wirklich genug!
Jetzt wird in die Hän-
de gespuckt, jetzt packen wir’s an. Heute passt einfach alles: Jesus ist da, und wir vier sind auch gerade da. Und diesem Jesus trauen wir das zu, dir helfen zu können. Nach allem, was wir von ihm gehört haben, glauben wir fest daran – also, lieber Freund: Heute könnte dein Glückstag werden!
So packen sie einfach den Gelähmten auf die Tragbahre und schleppen ihn bis vor das Haus, in dem Jesus gerade predigt.
Man braucht wirklich nicht viel Phantasie, um sich jetzt direkt vor dem Haus ihre große Enttäuschung vorzustellen: Das hatten wir uns anders vorgestellt, ganz anders! - Wie kommen wir nur durch die Menge durch? Nachdem mehrere Versuche gescheitert sind, sich einen Weg zu bahnen, gibt es vor Ort eine kurze Krisen-
sitzung. Aufgeben kommt schon mal nicht in Frage! Aber hat jemand eine Idee?
Not macht erfinderisch: Schnell wird ihnen klar: es gibt hier nur einen einzigen Weg, den Kranken zu Jesus zu bringen, und zwar den Weg über das Dach! - Natürlich ist ihnen auch klar, was das konkret bedeutet: sie müssen dazu das Dach, die Decke des Hauses zerstören, ein Riesenloch da reinhauen und den Freund dann auch noch geschickt abseilen.
Eine richtige Männergeschichte
ist das; wir hören da kein einziges gesprochenes Wort. Der Kranke wird sicher über diese verrückte Idee hell entsetzt gewesen sein, doch auch darüber kein Wort!
So sind sie eben, die meisten Männer: Die großen Diskussionen liegen ihnen nicht so, und über ihre Gefühle möchten sie sowieso am liebsten schweigen. Aber wenn es um Aktion geht, wenn angepackt werden muss, dann sind sie zur Stelle. Beim Pfarrfest betreuen sie gerne den Grill und die Zapfanlage, sie stellen vor Weihnachten die Weihnachtsbäume in der Kirche auf und vieles mehr. Männer müssen eben immer etwas Handfestes tun.
Und auch bei Sendungen wie „Wetten dass?“ waren es fast immer die Männer, die zur Freude der Zuschauer die merk-
würdigsten Rekorde aufstellten und dafür monatelang hart trainiert hatten. - Wer weiß: das alles stammt vielleicht irgendwie noch aus der Zeit der frühen Menschheit, als die Männer für die gefährliche Jagd zuständig waren.
Diese vier Männer im Evangelium riskieren jedenfalls sogar noch eine Menge Ärger, denn so ein kaputtes Dach findet nicht jeder sonderlich lustig, am wenigsten der Hausbesitzer. Das ist ihnen schon klar, aber für ihren Freund nehmen sie das in Kauf.
Sie werden schon dafür geradestehen, das ist Ehrensache!
Nun muss man allerdings dazu wissen, dass die Überwindung dieses Hinder-
nisses nicht so schwierig war, wie man heute vermuten könnte. Die Häuser damals hatten meistens ein Flach-
dach, das man über eine Außentreppe erreichen konnte. In der kühlen Abendluft saß man dann gerne noch ein Weilchen da oben und plauderte auch mal von Dach zu Dach mit den Nachbarn.
Die Deckenkonstruktion bestand in der Regel aus Holzbalken, über die man Bretter und Äste legte. Ein Mischmasch aus Schilf, kleinen Ästen und Palmwedeln, vermengt mit Lehm, wurde festgestampft, gewalzt und an der Luft getrocknet. Solch eine Decke war beachtlich fest, musste aber nach einiger Zeit auch mal wieder erneuert werden. Es war jedoch für handwerklich Begabte kein großes Kunststück, ein Loch in solch eine Decke
zu schlagen. In höchstens 15 Minuten war diese Angelegenheit erledigt.
Während die vier tatkräftigen Freunde nun oben zu Werke gehen, läuft unter ihnen die Versammlung mit Jesus weiter. Die dumpfen Schläge auf die Decke dürften ganz schön gedröhnt haben, aber offenbar unternimmt niemand etwas. Und das liegt sicher daran, dass Jesus einfach weiterspricht. Er hat einfach die Ruhe weg und ahnt, was da oben gespielt wird.
Bald schon ist allen klar, was gerade passiert: Das Loch in der Decke wird immer größer, und bald landet der seltsame Krankentransport zielgenau vor Jesus. -- Alle Augen sind auf Jesus und den verängstigten Gelähmten gerichtet. Die Freunde oben auf dem Dach wissen genau: Dieser Augenblick entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Wird Jesus ihnen helfen?
Mit einem Schlag ist es ganz still im Raum. Was dann geschieht, formuliert das Evangelium so: „Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“
Jetzt sind wir es, die verblüfft sind: Jesus stellt nicht den Glauben des Kranken in den Mittelpunkt, sondern den Glauben derer, die sich so mutig für ihn eingesetzt haben. Stellvertretend für ihn haben sie an Jesus geglaubt, haben ihm sogar in dieser verzwickten Lage vertraut und haben die Ärmel hochgekrempelt. In seinem jetzigen erbärmlichen Zustand hatte der Kranke selbst seinen Glauben verloren; sein Glaube war gewissermaßen de-
aktiviert, durch sein Leid momentan wie ausgeschaltet.
Die Reaktion Jesu ist für uns sehr bemerkenswert, denn sie be-
stätigt, was wir z.B. bei der Kindertaufe praktizieren: Ja, es gibt ihn sehr wohl, den stellvertretenden Glauben. Jemand, der mit Jesus in Verbindung steht, wird dabei zum Glaubensführer für einen, der im Glauben noch unmündig oder noch nicht reif genug ist. Oder auch für jemand, der den Zugang zum Glauben noch überhaupt nicht gefunden hat.
Denken wir auch an Maria und die vielen Heiligen, um deren Fürsprache wir nicht nur in der Heiligen Messe bitten: Ja, Jesus bestätigt es ausdrücklich: dieser stellvertretende Glaube, diese Fürsprache für andere ist sehr wohl möglich und wirksam!
Wer für andere bittet, der darf darauf vertrauen, dass Gott ihn hört. Das ist sicher auch ein Trost für manche, die im bittenden Gebet an Menschen z.B. aus ihrer Familie denken, die ihren Weg zu Jesus leider noch nicht gefunden haben. Der stellvertretende Glaube der vier Freunde ist es, der Jesu Herz auf der Stelle für diesen armen Menschen öffnet.
Doch noch etwas anderes verblüfft hier: Obwohl der Gelähmte sich absolut stumm zeigt, spricht Jesus ihn an. Und wie er ihn anspricht! Er sagt zu ihm: „Mein Sohn“.
Im Orginal steht da „téknon“, und das heißt eigentlich noch viel schöner: mein geliebtes Kind! - Das ist nämlich eine zärtliche Form der Anrede, wie sie bei Eltern für ihr kleines Kind üblich war. Der hilflose, stumme und gelähmte Mann ist Gottes ge-
liebtes Kind – was für ein ergreifendes Bild!
Jesus sieht mehr als ein normaler Arzt. Er sieht nicht nur die äußere Lähmung des Mannes, sondern er sieht tiefer. Und tief im Inneren dieses Kranken erkennt er dessen lähmende Schuld, dessen Selbstvorwürfe, dessen Gewissensqual. Jesus sieht: Dieser Mann hat sich selbst immer weiter in eine Sackgasse manövriert. Er sitzt nun fest und kommt aus der verfahrenen Situation nicht mehr heraus. An seiner Lähmung hat auch seine hilfeschreiende Seele einen großen Anteil.
Jesus hält dem Mann jetzt keine Strafpredigt. Er ist ein ganz feinfühliger Seelsorger, der weiß: Gestraft ist dieser Mann wahrlich genug. Jesus sagt: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ – Wohlgemerkt: Jesus sagt nicht: Ich vergebe dir! Jesus verweist auf den Vater im Himmel: der Vater vergibt die Sünden, so wie wir auch im Vaterunser beten. Jesus als Sohn Gottes hat aber von ihm die Vollmacht, die Sünden in seinem Namen zu vergeben, als Gottes barmherziges Geschenk an uns Sünder.
Die vier Freunde und der Kranke dürften erst einmal völlig verblüfft gewesen sein. Was sie erwartet hatten, war eine körper-
liche Heilung. Was der Kranke aber bekommen hat, war Sünden-
vergebung! - So haben sie vielleicht gedacht: Hallo Jesus, du hast uns das falsche Menü geliefert, wir hatten doch etwas anderes bei dir bestellt!
Verblüfft waren allerdings noch ganz andere. In Jerusalem war man offensichtlich jetzt schon auf Jesus aufmerksam geworden. Die theologischen Experten hielten sich durch Beobachter auf dem laufenden, was Jesus so sagte und tat. Daher heißt es im heutigen Evangelium auch: „Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im stillen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?“
Die Schriftgelehrten saßen, heißt es. Dies drückt bereits ihre Autorität aus, denn das Sitzen war die Position der Lehrenden. Indem sie sitzen, signalisieren sie: Hallo, wir sind es, die die Heiligen Schriften verbindlich auslegen dürfen!
Jetzt denken sie sich erst einmal ihren Teil. Noch schweigen sie. Noch sammeln sie nur Material über diesen Jesus. Der jedoch hat ihnen ihre bösen Gedanken längst angesehen. Er weiß, dass sie hinter ihm her sind. So haben wir es eben gehört: „Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, daß der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben.“
Jesus greift ihren Gedankengang geschickt auf. Ja, in der Tat, das lässt sich leicht dahersagen: Deine Sünden sind dir ver-
geben! Das könnte tatsächlich jeder behaupten. Recht haben sie, wenn die Theologie-Experten aus Jerusalem erklären, nur Gott allein könne unsere Sünden vergeben!
Die Frage ist nur, welche Schlüsse die schlauen Theologen aus Jesu Vergebungsworten ziehen. Sie schließen daraus, dass Jesus ein Mensch ist, der Gott lästert. Jesus dagegen will die Sündenvergebung gerade als klares Zeichen verstanden wissen, an dem man auch seine Gottessohnschaft erkennen kann.
Doch mit dem Erkennen ist das so eine Sache. Oft genug hin-
dern Vorurteile uns Menschen daran, wirklich durchzublicken. Man hat so seine Theorie, man hat sein Feindbild, und danach deutet man dann, was man hört und sieht. Vor wenigen Genera-
tionen waren es bei uns die bösen Franzosen, gegen die man in den Krieg ziehen musste. Oder es gab die bösen Evangelischen. Oder die bösen Leute aus dem Nachbarort, oder oder oder. Heute sind es für manche die bösen Asylbewerber oder die bösen Moslems oder oder…
Für die Schriftgelehrten war das der böse Jesus, weil er in ihren Augen Gott lästerte. Nun erfahren wir im Evangelium, dass Jesus ihnen sogar besondere Nachhilfe im Erkennen erteilt. Es heißt
im Text: „Ihr sollt aber erkennen, daß der Menschensohn die Vollmacht hat...“ -- Jesus liefert ihnen also den Beweis seiner Vollmacht frei Haus, denn er befiehlt dem Gelähmten, aufzu-
stehen und nach Hause zu gehen.
Vor aller Augen steht der Mann auf, und zwar sofort, wie es ausdrücklich heißt.
Er packt sich seine Tragbahre und geht einfach so aus dem Haus. Mit einem einzigen Wort setzt Jesus also alle Macht der Krankheit schlag-
artig außer Kraft. Die Lähmung ist wie weggeblasen. - Diese Demonstration Jesu hat offenbar gesessen: Alle gerieten außer sich und priesen Gott. Alle, das heißt, also auch die Schrift-
gelehrten.
Ende gut, alles gut? - Nicht ganz. Nur zu gut wissen wir heute, wie das ist mit den Hochgefühlen und mit dem Glauben. Da ist man mal so richtig begeistert, vielleicht von einer das Herz an-
rührenden Heiligen Messe, oder von einem Katholikentag oder einem religiösen Erlebnis. Das Herz möchte einem jetzt über-
laufen vor Glück.
Und dann? Den Schriftgelehrten geht es so, und uns heute leider auch: Das strahlende Licht dieser Sternstunde verblasst, und die Routine des Alltags saugt oft genug alle guten Vorsätze auf.
So ist das heutige Evangelium auch ein Appell an uns alle: Schau her, Jesus hat so deutlich gezeigt, wer er ist – deutlicher geht es kaum! Mach es bitte nicht wie diese Schriftgelehrten. Stell dich nicht mit diesen blinden Blindenführern auf eine Stufe.
Du weißt es doch: Jesus ist wirklich der Messias, dein Heiland! - Nutze die kommende Fastenzeit, deine eigenen geistlichen Lähmungserscheinungen genau zu beobachten. Und dann mach dich damit auf den Weg zum Herrn. Wie praktisch, dass du dafür noch nicht einmal ein Dach kaputthauen musst! - Amen.

Predigt Pfr. Jürgen Grote (ev.)
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Predigt Pfr. Karl Sendker: Menschen zu Jesus führen
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Predigt Pfr. Poschenrieder: Gläubige Gemeinschaft
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Kath. Bibelwerkes (pdf)
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Material (nicht nur) für den Kindergottesdienst (10 S. pdf)
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Predigt Pfarrerin Susanne Dannenmann
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Papst Benedikt XVI. zum Thema „Vergebung“
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Karnevalspredigten – siehe „Besondere Anlässe“…
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> Wie heißt der Teufel mit Vornamen? -- Pfui ! <

Gefährlicher Ort: Die kleine Sabine ist zum ersten Mal beim Aschermittwochs-Gottesdienst dabei und natürlich sehr be-
eindruckt. Daheim angekommen, fragt sie sofort ihre Mutter: „Du, Mami, stimmt es wirklich, dass alle Menschen zu Staub werden, wenn sie gestorben sind?“
Mutter ist gut informiert und antwortet: „Ja, Sabine, das stimmt!“
Kleine Denkpause. Dann meint die Kleine: „Wenn das so ist, dann müssen unter Omas Bett aber schon viele Leute gestorben sein!“


Der Predigt…

Wie schön, dass es den Menschen gibt,
und zwar in lustig, quirlig, in verliebt,
es gibt ihn auch in groß und klein,
auch dick und dünn, so muss es sein.
Es gibt ihn auch in leicht und schwer,
als Mann und Frau auch, bitte sehr!
Auch traurig gibt es ihn und sauer,
als Mieter und als Häuslebauer,
als Geizhals, aber auch spendabel,
nach Art des Kain, nach Art des Abel,
kurzum: ihn gibt es fast von jeder Sorte,
und das weltweit an jedem Orte.
Und manchmal hab ich mir gedacht:
Wie oft hat Gott dabei gelacht,
als er uns Menschen hat gemacht?
In Mutter Kirche ist’s auch so:
Der liebe Gott hat einen Zoo!
Der Pfarrer kann von solchen Dingen
ganz gewiss ein Liedlein singen.
Braucht die Messe eine Stunde,
so hört man schnell in mancher Runde:
Der Pfarrer nimmt sich sehr viel Zeit,
der ist ja wohl nicht recht gescheit!
Doch spart er zehn Minuten ein,
dann wird es auch nicht richtig sein.
Warum hetzt denn dieser Mann nur so,
da wird keiner mehr des Glaubens froh!
Der Sonntag ist Geschenk an Zeit,
ist Vorgeschmack auf Ewigkeit!
Wenn wir dabei Minuten sparen,
wie soll dann Gott mit uns verfahren?
Der Predigt Thema ist zu schwierig,
so meckern manche gerne gierig.
Die Messer sind gar schnell gewetzt,
doch wer daheim sich hingesetzt
und hat die Bibel schon studiert,
der hätt’ sich selbst nicht so blamiert.
Also nicht nur konsumieren,
sondern selber informieren!
Auch hört man deutlich dann und wann,
des Pfarrers Predigt sei zu lang.
Was habt ihr’s bloß so eilig, Leute?
Schlägt euer letztes Stündlein heute?
Also bitte deshalb nicht empören,
Gottes Wort durchaus noch hören;
es macht der Suppe gar nichts aus,
kommt ihr was später heut nach Haus.
Doch wenn der heut’gen Predigt Würze
liegt ganz besonders in der Kürze,
so heißt‘s, der Pfarrer sei nur faul
und red’ den Leuten nach dem Maul.
Er sollte uns gut unterrichten.
Doch tut er das? Oh nein, mitnichten!
Für die paar Worte, die paar Fetzen
lohnt es ja kaum, sich hinzusetzen.
Hat er es selber nicht kapiert,
die Bibel nicht genug studiert?
Ihr lieben Leut’, das ist wohl klar,
egal, wie seine Predigt war,
es ist dem Pfarrer kein Genuss,
was er sich dazu anhör’n muss.
Auch diese Predigt, ach, ihr Frommen,
wird nun an ihr Ende kommen.
Was ich auch noch sagen will…
Ach was, ich bin jetzt einfach still!

(Text: Erhard Eutebach, „MEIN PREDIGTGARTEN“)


Diese Predigtgedanken können Sie auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.4.2012):
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