Das Ganze beginnt damit, dass Jesus von seinen Jüngern drei beiseite genommen hat. So steht es ausdrücklich in der Bibel. Drei von ihnen, die ihm besonders wichtig sind, nimmt er mit auf einen hohen Berg. Es sind Petrus, Jakobus und Johannes, die auch am Abend vor seinem Leiden mit ihm im Garten Getsemani wachen sollen. Wie wir wissen, versagen sie dabei allerdings kläglich, weil sie noch nicht einmal eine Stunde ausharren, ohne dabei einzuschlafen.
Heute sind die drei mit von der Partie, wenn Jesus auf den Berg Tabor geht, denn nur um diesen kann es sich hier handeln. Der Rest der Jünger muss unten warten, während die kleine Gruppe sich auf den mühsamen Weg nach oben macht.Warum nimmt Jesus eigentlich nicht einfach alle mit?
Warum wählt er aus? - Wir wissen es nicht und können nur Vermutungen anstellen. Sicher will er nicht ungerecht sein, aber ihm liegt gewiss jetzt daran, dass das Geschehen dort oben auf dem Berg nicht gleich an die große Glocke gehängt wird. Zu ge-
waltig wird das sein, was die drei dort oben zu sehen bekommen. Das muss erst einmal verkraftet und im Kopf verarbeitet werden.
Im Evangelium heißt es dazu: „Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus.“
Vergessen wir dabei nicht, was dem heutigen Text in der Bibel vorausgeht: Jesus ist auf dem Wege nach Jerusa-lem. Seinen Jüngern hat er schon an-
gekündigt, dass er dort vieles erleiden werde, getötet werde und nach drei Tagen wieder auferstehe. Die Jün-
ger reagierten darauf verstört, und Petrus machte ihm deswegen sogar Vorwürfe, sodass Jesus ihn scharf zurechtweisen musste. Jesus belässt es jedoch nicht bei dieser Schelte; am heutigen Tag darf Petrus schon einen ersten Blick tun in das Geheimnis der Herrlichkeit des Herrn.
In der Einheitsübersetzung heißt es, dass Jesus „verwandelt“ wird. Er wird dabei in solch ein grellweißes Licht gehüllt, wie dies „kein Bleicher machen kann“. Das heißt anders ausgedrückt: einfach überirdisch und mit menschlichen Worten nicht zu be-
schreiben. In diesem Moment wird Jesus gewissermaßen ins rechte Licht gerückt, was den Jüngern jedoch glatt die Sprache verschlägt. Das Evangelium verrät uns über Petrus: „Er wußte nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.“
Der griechische Originaltext spricht nicht nur von einer Ver-
wandlung Jesu, sondern von „Metamorphose“, das ist ein Hinübergehen von einem Zustand in einen ganz anderen, was uns zum Beispiel geläufig ist durch die Umwandlung der Raupe in einen Schmetterling.
So will der Text mit den begrenzten Möglich-keiten unserer Sprache andeuten, dass hier ausnahmsweise so etwas wie ein kleiner Blick hinter die himm-
lischen Kulissen ge-
währt wird, und auch eine Vorankündigung des nachösterlichen Jesus in Macht und Herrlichkeit. Jesus ist in diesem Moment so weiß, weißer geht’s wirklich nicht – einfach umwerfend!
Natürlich findet dieses Erlebnis, noch verstärkt durch die le-
bendige Begegnung mit Mose und Elija, nicht zufällig gerade auf einem hohen Berg statt. Mose selbst ist Gott auf einem hohen Berg begegnet, auf dem
2.285 m hohen Berg Sinai.Dort hat er von Gott die Zehn Gebote empfangen. Entsprechend der jüdischen Tradition rechnete man für das Ende der Zeiten mit der Wiederkehr des Mose auf Erden. Kein Wunder also, dass den drei Jüngern bei seinem Anblick fast der Atem stehenblieb.
Hohe, einsame Berge galten schon immer als bevorzugte Orte der Begegnung mit Gott. Sternstunden des Glaubens gelingen nur selten im Trubel und Lärm des Alltags. Der Berg verschafft erst den nötigen Abstand, der Berg verschafft Weite und Über-
blick. Die Probleme und Problemchen verlieren aus der Distanz betrachtet an Bedeutung und wirken schon fast lächerlich.
Wenn wir von jemand sagen, „er ist über den Berg“, dann wissen wir, er hat eine zumeist gesundheitliche Krise endlich über-
wunden. Er oder sie hat es endlich geschafft. Er hat wieder eine neue Perspektive für sein Leben.
Für Petrus jedenfalls ist das Erlebte so faszinierend, dass er sofort weiß: Hier sollten wir immer bleiben, immer im Lichte Gottes, gewissermaßen geschützt vor allem Ärger. Und natürlich gleichzeitig auch weit weg von all diesen
Ankündigungen Jesu über sein Leiden. Davon will Petrus nichts wissen, und das kann man ihm gut nachfühlen.So wie es jetzt ist, so soll es bleiben, so himmlisch!
Ja, das ist unsere große Sehnsucht und nur allzu gut verständ-
lich: Wir möchten das Glück am liebsten festbinden, wir möchten die schönen Augenblicke nie vergehen lassen! - Da sollte die Zeit einfach stehenbleiben! Das große Glücksgefühl eines außer-
gewöhnlichen Moments oder die Ergriffenheit bei einem ans Herz gehenden Gottesdienst – das hätten wir gerne wie die Tages-
zeitung im frei Haus gelieferten Abonnement.
Dann wären wir auch mit einem Schlag unsere elenden Glau-
benszweifel los, dann würden wir z.B. in diesem Lichte
Gottes in allen Menschen nur das Gute sehen. Und wenn ganz viele Menschen diesen Blick ins göttliche Licht tun dürften, dann gäbe es sicher keinen Streit, keinen Hunger auf der Welt und keinen Krieg. Gott sollte am besten für alle Menschen einmal mit einer ordentlich Angst einjagenden Machtdemonstration klarstellen, dass er es ist, der auch in unserer Welt das Sagen hat. Das ist doch die Sprache, die alle verstehen!Ach, wie wäre das schön…! - Diesen tiefen Seufzer hätte man damals sicher auch bei Petrus hören können. Seine Seele ist
hier im Lichte der göttlichen Liebe so wunderbar leicht, alles ist einfach nur seliges Glück! - Der Fischer Petrus muss nicht lange überlegen: Da sollte man jetzt praktisch denken und Jesus überreden, Jerusalem bitte einfach zu vergessen. Er kann doch auch mit Predigten und Heilungen den Menschen genug Gutes tun, wozu dann noch das schreckliche Leid und Kreuz?
Klar, einmal hat er mich ja bereits zusammengestaucht, als ich ihm das vorschlug, denkt Petrus vielleicht. Aber jetzt ist der Moment dafür sicher gut. Jesus im göttlichen Glanz, in über-
irdischer Herrlichkeit, und im Gespräch mit Mose und Elija.
Das muss doch auch für Jesus ein erhebender Moment sein!
Petrus ist ein temperamentvoller Mann der schnellen Zunge. Also platzt es einfach aus ihm heraus, ganz der praktisch denkende Handwerker. Er nutzt die vermeintliche Gunst der Stunde und stellt bei Jesus so etwas wie einen Bauantrag: „Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“So, denkt Petrus, endlich ist es raus! Ich musste das einfach loswerden, egal, was der Chef wieder dazu sagt. Meine Meinung ist eben: Lasst uns hierbleiben für immer – diese Chance auf das ganz große Glück kriegen wir später nie wieder!
Doch, wie es scheint, hat er schon wieder kräftig daneben gegriffen. Sein Bauantrag wird noch nicht einmal beantwortet. Von Jesus gibt’s dazu einfach keinerlei Kommentar. Er ignoriert den Wunsch völlig. Das sieht wohl nicht so gut aus für Petrus…!
Doch ehe er über diese klare Abfuhr ins Grübeln gerät, gibt es doch noch eine Antwort, wie das Evangelium berichtet: „Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.“ Petrus und die anderen sind mit einem Schlag wie wachgerüttelt: Eine Wolke wirft ihren Schatten auf das ganze Geschehen, wo-
durch die grelle Helligkeit sofort verschwindet. Durch die Wolke vernehmen sie klar und deutlich Gottes Wort: „Das ist mein ge-
liebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“
Petrus fühlt sich wie aus einem schönen Traum gerissen.
Hier hat er ihn nun, den göttlichen Klartext, den er wollte.
Der fällt aber deutlich anders aus, als es zu erwarten war. Keine Machtdemonstration für die böse Menschheit, keine göttlichen Drohgebärden, sondern stattdessen nur eine präzise Information, wie sie knapper nicht ausfallen könnte. Der Vater im Himmel erklärt in einem einzigen Satz das Entscheidende der Nachfolge Christi: Erstens – dieser Jesus da ist mein geliebter Sohn, er ist der versprochene Messias! Und zweitens: Für euch ergibt sich daraus als einzige Konsequenz, dass ihr auf ihn hören sollt!
Wir merken es mal wieder: Gott drückt sich gerne klar und eindeutig aus. Da gibt es nichts misszuverstehen und herum-
zudeuteln. Deshalb witzelte der Humorist Mark Twain ja auch einmal: „Mir machen nicht die Stellen in der Bibel Sorgen, die ich nicht verstehe, sondern vielmehr diejenigen, die ich verstehe!“
Das heutige Evangelium lässt für Petrus und für uns alle also keinerlei Zweifel daran, wer Jesus ist. Allerdings lässt es auch keinen Zweifel daran, was daraus für jeden Christen die logische Folgerung ist: Auf ihn sollt ihr hören!
Und dieser Jesus stellt gleich klar, dass er nichts davon hält, wenn wir Anstalten machen, uns auf dem Berg des himm-lischen Erlebnisses wohnlich einzu-
richten. Sofort nach der göttlichen Klarstellung aus der Wolke heraus beginnt Jesus darum auch mit dem Abstieg vom Berg. Den drei Jüngern bleibt nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Außerdem gebietet er ihnen auch noch, über die ganze Angelegenheit zu schweigen, bis er von den Toten auferstanden ist.
Ja, so ist das mit unseren Bergen der Erkenntnis, mit unseren Sternstunden und mit unseren religiösen Höhenflügen! - Jesus rüttelt uns auf und signalisiert jedem unmissverständlich: Hallo, nun komm mal wieder runter! Deine Gefühle voller Seligkeit dürfen sein, um dich auf dem Weg durch den mühsamen Alltag zu stärken. Aber der Berg ist eben nicht dein Alltag. Der Berg
der Seligkeit macht dich glücklich und lässt dich ein Stück weit ahnen, wie schön der Himmel ist.
Doch jetzt bist du noch nicht im Himmel, und die Erde ist weiß Gott nicht der Himmel. Und auf dieser Erde wirst du jetzt noch gebraucht. Ich freue mich, wenn dir deine Glückseligkeit im Glauben hilft, wenn sie dir möglichst viel Kraft gibt. Aber dort kannst du auf Dauer nicht bleiben! Du musst wieder hinunter
in den mühsamen Alltag – schau, wie ich es dir vormache und höre auf mich!
Vergiss nicht, gerade in der persönlichen Vorbereitungszeit auf Ostern: Wir alle haben auf der Erde eine Aufgabe, aber die Erde ist nicht der Himmel. Und alle menschlichen Versuche, die Erde zum Himmel zu machen, sind gründlich schiefgegangen.
Hier wirst du nicht deine letzte Erfüllung finden. Alle Versuche, das Glück für immer festzuhalten, werden auf Erden garantiert scheitern. Deshalb, und nur deshalb, muss ich solche Bau-
anträge auch weiterhin leider ablehnen, und zwar wegen langfristiger Einsturzgefahr!
Predigt Eberhard Gottsmann: „Lichte Momente“>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Karl Sendker: „Vorschau“
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Predigt Pastoralref. Martin Günter: „Sechs Tage danach“
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Pfr. Walter Wimmer: Predigt (pdf): -auf der Seite nach unten scrollen!- >> BITTE KLICKEN !
Meine Predigt zum 2. Fastensonntag A 2008
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe Kath. Bibelwerk (pdf)
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Ein älterer Mann, der viele Jahre gelähmt und bettlägerig war, klagte dem Pfarrer beim Krankenbesuch, wie sehr er darunter leide, nicht richtig beten zu können. Immer werde er abgelenkt, weil er neidisch an die Gesunden denke.Der erfahrene Priester gab ihm den Rat, sich Jesus ganz konkret in seiner Nähe vorzustellen. Um dies zu erleichtern, solle er einen leeren Stuhl ans Kopfende stellen und sich beim Beten vorstellen, Jesus säße darauf. Dieses Geheimnis solle er am besten für sich behalten.
Einige Wochen später brachte die Tochter des Kranken dem Pfarrer die traurige Nachricht, dass ihr Vater vergangene Nacht gestorben sei. Weinend erzählte sie: „Er lag so friedlich da, ja, regelrecht glücklich. Man könnte meinen, er wollte mir damit noch etwas sagen. Und etwas war ganz eigentümlich, fällt mir gerade ein: Sein Kopf lag dabei überhaupt nicht im Bett, sondern auf dem Stuhl, der neuerdings daneben steht…“
Ganz nach Wunsch: Der Gast hat ausgewählt: „Herr Ober, bringen Sie mir bitte eine Forelle!“ – „Gerne, der Herr!“Der Gast vom Nebentisch hat zugehört und ruft: „Mir bitte auch. Aber eine frische!“ - Der Ober lautstark an die Küche: „Bitte zweimal Forelle, eine davon frisch!“
Herzliche Einladung: In der Fastenzeit bietet die Pfarrei einige Gesprächsabende an. Diese Woche steht im Pfarrbrief zu lesen: Am Dienstag um 20 Uhr im Pfarrsaal: Die sieben Todsünden – bitte nehmen Sie sich die Zeit und machen Sie mit. Ihr Pfarrer.“
Sie können diese Predigtgedanken auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 15.4.2012):
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