26.03.2012

Kirchliche Beerdigung auch für aus der Kirche Ausgetretene? -- Neue Richtlinien, neue Fragen...

(Fortsetzung)

Kann und darf der Pfarrer sich auf die Aussagen der An-
gehörigen verlas-
sen, die aus welchen Gründen auch immer eine kirchliche Beerdi-
gung wünschen? - Kann es manchmal vielleicht auch so sein, dass man seitens der Trauernden ein solches Begräbnis nur deshalb wünscht, um sich Gerede über den vielleicht gar nicht bekannten Kirchenaustritt in einer Gemeinde zu ersparen?
- Werden da Menschen, die im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte eine bewusste Entscheidung gegen die Kirche getroffen haben, nachträglich wieder zu Katholiken gemacht?
- Kann es vielleicht sogar sein, dass man den Pfarrer bewusst belügt und allerlei beeindruckende Legenden erzählt, um sich den Service der Kirche zu erschwindeln?
Es sind schon Fälle bekannt geworden, wo ausdrückliche Atheisten post mortem von der lieben Verwandtschaft „mit ka-
tholischer Lüge, List und Gewalt“
wieder eingemeindet worden sind. Mit dem gleichen Argument, sich auf Aussagen von zufällig beim Pfarrer auftretenden Verwandten zu verlassen, könnten auch andere Bekenntnisse und Religionen „Verstorbene für sich vereinnahmen“, kritisieren Atheisten die neue kirchliche Praxis und spotten über „Missbrauch“ seitens der Kirche über den Tod hinaus.
Die Lage ist zugegebenermaßen schwierig, das Thema ist so etwas wie ein pastorales Minenfeld. Einerseits ist ein getaufter Katholik für immer getauft, eine „Enttaufung“ gibt es faktisch nicht. Auch kann niemand einem Menschen, der aus der Kirche ausgetreten ist, ins Herz sehen. Die Gründe sind sehr vielfältig, von der bewussten und berechnenden Ersparnis Tau-
sender Euros an Kirchensteuer (im Laufe mehrerer Jahrzehnte) bis hin zur bitteren Enttäuschung über Teile des himmlischen Bodenpersonals. Es liegt bei jedem Verstorbenen, ob kirchentreu oder nicht, zum Schluss ohnehin nur in Gottes gütiger Hand, ob er das ewige Heil erreicht oder nicht, mit oder ohne Zutun der Kirche beim Begräbnis.
Ein Kirchenaustritt ist kein Pappenstiel. Er ist und bleibt, unab-
hängig von sich ändernden Beerdigungs-Richtlinien, „eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft“ – so die deutschen Bischöfe in einer Erklärung von 1969.
Auf der einen Seite stehen Trauer und Trostbedürftigkeit der Angehörigen, auf der anderen manchmal aber auch eine Ge-
meinde, bei der eine Mitwirkung der Kirche beim Begräbnis
ein Ärgernis darstellen kann. Ist jemand über Jahre und Jahr-
zehnte ein Kirchengegner oder missachtet er durch seine persönliche Lebensführung die Grundsätze des katholischen Glaubens, dann stellen viele Mitchristen sich die Frage, warum der dann trotzdem mit einer kirchlichen Feier beerdigt wird.
Auch ist das Argument nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Kirche mit allzu deutlicher Großzügigkeit den Kirchenaustritt indirekt sogar fördert, da jeder dann weiß, dass ihm letztlich der Service nicht verwehrt wird. Ferner steht der Vorwurf im Raum, dass ein Begräbnis für Menschen, die formell ausdrücklich gar nicht mehr Mitglied unserer Kirche sind, in Wahrheit nur ein Einknicken der Bischöfe vor dem Zeitgeist und dem Druck der Angehörigen ist.
Die biblisch be-
gründete Barm-
herzigkeit sei lediglich ein vor-
geschobenes Argument, das
durch allzu groß-
zügige Interpretation zu weiterer Verunsicherung der treuen Katholiken beitrage. Wer zu Lebzeiten auf die Begleitung durch die Kirche keinen Wert gelegt habe, der lege wohl selbst entgegen den Beteuerungen von Angehörigen sehr wahrscheinlich beim Friedhof auch keinen Wert auf kirchliche Begleitung.
Wird da vielleicht seitens der Bischöfe nur versucht, längst ausgedrückten Senf wieder in die Tube zurückzubekommen? Kirchliche Begleitung für jedermann – eine neue nett verpackte Kapitulationserklärung der Kirche ?
- Erklärung der Österreichischen Bischöfe
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- Presse-Artikel dazu
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-Deutsche Bischöfe: „Bestattungskultur im Wandel…“ (75 S. / pdf) >> BITTE KLICKEN !

Im Wiener Bestattungsmuseum können Sie probeliegen…


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3 Kommentare:

Pater ... hat gesagt…

Aus der pastoralen Praxis heraus ist man schnell geneigt, großzügig zu verfahren. Erstens gilt das Wort der Verwandten, die den Pfarrer aufsuchen, bis zum Beweis des Gegenteils.
Und zweitens erspart man sich selbst als Priester u.U. viel Ärger, wenn man großzügig verfährt.

Der Thuriferar hat gesagt…

Pater... verfährt gleich doppelt großzügig. Hoffentlich sieht er auch die Gefahr, dass man in einen Automatismus geraten kann, wo auf jede Forderung der Leute eine neue kirchliche Wohltat zu folgen hat. Erst werden Atheisten kirchlich beerdigt, dann folgt die offizielle Duldung geschiedener Wiederverheirateter bei den Sakramenten usw. usw.
Wo führt das hin???

Anonym hat gesagt…

Die Kirche schafft sich selber ab.
Was übrig bleibt, ist ein Club zur Verteilung von Glückshormonen.

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