21.03.2012

Predigt zum 5. Fastensonntag B -- 25.3.2012

(Fortsetzung)

Natürlich haben sie in diesen Tagen auch von Jesus gehört, dem berühmten Wan-
derprediger, der jetzt auch in Jerusalem ist. Sie wollen ihn unbedingt kennen-
lernen und sich ein eigenes Bild von ihm machen. Von ihrem persönlichen Vorbild könnte sich da mancher Landsmann Jesu eine große Scheibe abschneiden. Zugleich wissen diese griechischen Heiden aber genau, dass sie in den Augen des auserwählten jüdischen Volkes so etwas wie zweitklassige Menschen sind.
Wie sollen sie es da bloß anstellen, an diesen Rabbi heranzu-
kommen? - Die Griechen packen es ganz clever und diploma-
tisch an und gehen auf Philippus zu, einen Jünger Jesu mit griechischer Abstammung, wie sein Name schon verrät.
Dem könnten sie ihr ungewöhnliches Anliegen sicher am
ehesten verständlich machen.
Ganz vorsichtig sprechen sie ihn an: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ - Offenbar ist das auch Philippus nicht so ganz geheuer. Könnte da vielleicht eine Falle dahinter stecken?
So will er erst einmal eine zweite Meinung einholen, bevor er Jesus mit diesen ungläubigen Heiden belästigt. Gemeinsam mit seinem Begleiter Andreas geht er dann zu Jesus, um ihm diesen offenbar sehr ungewöhnlichen Wunsch vorzutragen.
Werden diese Heiden nun davongejagt? Oder führt Jesus mit ihnen ein intensives Glaubensgespräch? - Die Antwort darauf lautet: Weder noch! Während alle weiter um ihn herumstehen, klärt Jesus seine Jünger und damit auch uns über die aktuelle Situation auf: „Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“
Oft genug hatte er sagt: Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Jetzt aber ist sie da, die Stunde der Entscheidung und die Stunde der Verherrlichung!
Die Heiden, die alle Mühe auf sich ge-
nommen haben, um ihn ausgerechnet jetzt aufzusuchen, sind da so etwas wie ein ge-
heimes Startzeichen. Diese Pilger sind wie ein Vorauskommando für die kommende Zeit.
Später im Text sagt Jesus dies auch ganz klar: „Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“
Jesu Leiden und Jesu Tod ist also keine Erlösungstat nur für die Juden, nur für ein auserwähltes Volk. Sein Kreuzestod bringt das Heil für alle, er wirkt wie ein Magnet, der alle an sich zieht.
Gottes Liebe lässt sich nicht begrenzen und einsperren. Sie wird nicht nur den Juden oder irgendwelchen Superfrommen ge-
schenkt, sondern allen Menschen, die ihm wirklich nachfolgen wollen.
Das freilich ist auch nicht immer nur ein gemütlicher Sonntags-
spaziergang, zur Zeit Jesu nicht und heute auch nicht. Sehr anschaulich wählt Jesus das Beispiel des Weizenkorns: Nur dann, wenn es stirbt, wenn es sich opfert, wird es reiche Frucht bringen. Das haben die naturverbundenen Menschen damals gut verstanden.
Ein Saatkorn hat nur einen Nutzen, wenn es auch ausgesät wird. Dann aber geschieht das kleine Wunder: die reiche Frucht aus einem einzigen Korn kann satt machen und Leben ermög-
lichen. Wer dagegen krampfhaft an seinem Leben festhält, sagt Jesus, der wird es schließlich verlieren. Vollbepackt mit dem drückenden Gewicht von allem Besitz und mit der Fußfessel des Egoismus wandert es sich nun einmal sehr unbequem in Rich-
tung Himmel.
Das Loslassen freilich ist eine Kunst, die mancher nur unter größten seelischen Schmerzen lernt, wenn ihm z.B. alters- oder krankheitsbedingt gar nichts anderes übrigbleibt. Welche Dramen spielen sich da manchmal ab, wenn man sich dann doch irgend-
wann von liebgewordenen Dingen, Tätigkeiten oder Menschen trennen muss.
Der klare Appell Jesu gerade jetzt vor seinem Leiden lautet also: Klammere dich nicht gierig an all das, was jetzt um dich herum ist! Nichts davon wird für dein ewiges Leben von Bedeutung sein. Nichts davon kannst du mitnehmen. Du weißt ja: Dein letztes Hemd hat keine Taschen! - Du kannst aber von mir lernen. Übe das Loslassen! Übe die Hingabe!
Das hört sich vielleicht altmodisch an: Hingabe!
Doch eigentlich
ist es in einigen Bereichen auch heute noch gut zu veranschaulichen: Wenn z.B. ein von dir sehr geliebter Mensch schwer krank wird – würdest du ihn dann im Stich lassen?
Oder wenn deine Kinder Hilfe von dir brauchen – würdest du ihnen dann nicht in jeder dir möglichen Form unter die Arme greifen?
– Oder wenn dein Bruder, deine Schwester oder ein anderer dir lieber Mensch z.B. nur durch die Spende von einer deiner beiden Nieren überleben könnte – würdest du dann ablehnen?
Jetzt, kurz vor seinem Tod, bringt Jesus es für seine Jünger noch einmal auf den Punkt, wenn er ihnen erklärt: „Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.“
Das Christsein besteht also nicht darin, Jesus freundlich nickend Beifall zu klatschen. Von Bravo-Rufen und Zuschauen wird nie-
mand satt. Christsein heißt stattdessen: Bereit sein zum Dienen, bereit sein zur Nachfolge. Jesus sagt das ganz eindeutig: „… wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.“ - Das ist für ihn das Selbstverständlichste der Welt: Da, wo der Herr ist, da ist natürlich auch sein Diener. Das ist doch wohl Ehrensache!
Wenn er aber nicht dort ist, sondern wenn er sich woanders herumtreibt, dann kann derjenige gar nicht sein Diener sein.
Doch für Gott ist es auch Ehrensache, die Diener und Nachfolger Jesu auf seine Art zu ehren, wie wir gehört haben. In seinem himmlischen Reich wird er bestimmt nicht vergessen, was seine Diener getan haben.
Nun lässt uns das Evangelium einen kurzen Blick auf die innere Situation Jesu werfen. Es heißt dort: „Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“
Jesus ist tief erschüttert. Die pure Angst spricht aus seinen Worten. Furchtbares steht ihm bevor. Er weiß, wie entsetzlich
die Schmerzen und die Schmach sein werden. Schon durch die brutale Geißelung vor der Kreuzigung wird man ihn halbtot schlagen. Völlig entkräftet und der Ohnmacht nahe wird er überhaupt nur durch Mithilfe des Simon von Cyrene den schweren Kreuzbalken schleppen können.
Und dann die qualvolle Zeit am Kreuz hängend bis zum Tod – immer mehr dem Ersticken nahe, weil ein Atmen kaum noch möglich ist. Kreuzigungen gab es damals auf Anordnung der Römer sehr häufig. Jeder wusste also vom Sehen, was das an stundenlangen Qualen bedeutet.
Jesus weiß sehr wohl, dass er den Vater jetzt bitten könnte, ihm das alles zu ersparen. Er weiß, dass er nur rechtzeitig aus Jeru-
salem verschwinden müsste, um mit heiler Haut davonzu-
kommen. Doch Jesus will mit seiner Hingabe, mit seinem Opfer, mit seinem JA ohne Wenn und Aber seinem himmlischen Vater die Ehre und Liebe erweisen, die ihm zusteht.
Sein größter Wunsch ist es, dass Gottes Heilig-
keit und Herrlichkeit hell wie ein Stern aufleuch-
tet durch alles, was Jesus tut. Nicht seine eigene Ehre in den Augen der Menschen zählt, sondern nur die Ehre Gottes – das ist seine Ehrensache!
Wenn wir im Vaterunser beten „geheiligt werde dein Name“,
dann sehen wir hier und heute, wie bitterernst diese Worte Jesu gemeint sind. - Manchmal sagen wir, dass jemand wirklich bis zum Äußersten geht. Mehr geht dann nicht mehr, mehr ist nicht möglich.
Jesus geht auch bis zum Äußersten. Er ringt zwar mit sich selbst und mit seiner Todesangst, aber in Liebe und Gehorsam packt Jesus sich dann doch all unsere Schuld auf und stirbt für uns am Kreuz.
Das zu verstehen, fällt ganz sicher nicht nur den griechischen Pilgern im heutigen Evangelium schwer. Auch seine Jünger haben ihm abgeraten; sie wollten ihn sogar daran hindern.
Als es dann soweit war, hat auch Petrus der Mut ver-
lassen, und er verleugnete Jesus gleich dreimal.
Wir heute stehen auch oft genug ratlos da vor der Größe der Liebe Gottes. Das fällt uns sicher gerade deshalb so schwer, weil die so unerwartet radikale Liebe Gottes so entgegengesetzt ist zu fast allem, was wir aus unse-
rem Alltag kennen.
Warum tut Gott so etwas?
Warum tut er sich das bloß an?
Wir Menschen können kaum ermessen, wie groß seine Liebe sein muss. Es ist nur gut, wenn wir uns immer wieder dieses unerhörten Geschenkes bewusst werden. Wenn in vielen Kirchen am heutigen Sonntag die Kreuze bis Karfreitag verhüllt werden, soll uns dies dabei helfen. In einer Medienwelt, in der mit ständigen und meist sehr peinlichen Enthüllungen Menschen verletzt werden, aber auch viel Geld verdient wird, ist das Gegenteil schon fast erklärungsbedürftig.
Wir erleben in der Kirche nicht Enthüllung, sondern Verhüllung!
Die katholische Kirche sagt mit dieser Tradition: Nutze auch du die letzte Etappe der Fastenzeit für die Konzentration auf das wirklich Wesentliche! Lass jetzt mal dein Auge fasten – lass das verhüllte Kreuz und den fehlenden Blumenschmuck in der Kirche auf dich wirken!
Das Leiden Jesu sollten wir eben nicht „schön“ gestalten. Das Leiden ist nun einmal schmucklos, es ist brutal, es
ist voller Schmerz und Qual.
„Herr, wir möchten Jesus sehen.“ – So hatten die grie-
chischen Pilger ihren unge-
wöhnlichen Wunsch an Philippus herangetragen.
– Und wie ist das mit uns?
Wollen wir auch Jesus sehen?
Dann gehört auch der leidende Jesus dazu, den dürfen wir uns dabei nicht ersparen! Schauen wir wie die Griechen und die Jünger im Evangelium ganz aufmerksam auf ihn und lassen wir den leidenden Jesus zu uns sprechen, lassen wir ihn unser Herz ansprechen. Und vielleicht erinnern wir uns, wenn wir wieder einmal von schrecklichen Zweifeln geplagt werden, wenn wir in Versuchung geraten und verunsichert sind, wie wir als Christen leben sollen.
Schauen wir gerade dann auf diesen Jesus, wie er er-
schüttert ist, wie er Angst hat, wie er von der Verlockung der Versuchung gepackt wird.
Gerade dann, wenn wir selbst meinen, auf ganz wackligem Boden zu stehen, dann dürfen wir voller Vertrauen zu ihm aufschauen: Ja, Jesus, Sohn Gottes, für mich und für uns alle hast du dir die Schuld der Menschen aufgeladen. Ich vertraue mich dir jetzt an. Zeige mir, wo es für mein Leben als Christ lang geht. Ich will dir folgen. Das ist für mich Ehrensache!

Eberhard Gottsmann: „Für Touristen keine Zeit!“
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Predigt Pfr. Josef Mohr: „Kreuzverhüllung“
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Pfarrer Jürgen Olf: „Kreuzverhüllung – oder: ein Stück Tuch“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Predigt P. Dr. Stanislaw Kusmierz SVD: „Gottes Solidarität…“
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Dr. Stefan Schlager: „Herausforderungen für Kirche in stürmischen Zeiten“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !
Für Kinder: “Hurra, Jesus lebt” (Buch mit CD)
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Ach so! Zu einer Reise nach Ägypten gehört natürlich auch ein Gang durch den Basar von Kairo. Gerade hat wieder ein Bus eine Ladung Touristen ausgespuckt. Frau Schmitz braucht unbedingt ein Souvenir, und da fällt ihr eine Auslage auf, in der der Original-Kopf der Kleopatra angeboten wird, natürlich für einen Wahnsinns-Preis. Doch gottlob liegt direkt daneben ein wesentlich kleinerer und preiswerter Schädel. „Wessen Kopf ist denn das?“, möchte Frau Schmitz wissen. Der Händler: „Das ist auch Kleopatras Kopf, allerdings als Kind!“

Es werde Licht! Wie viele Christen braucht man eigentlich, um im Gotteshaus eine Glühbirne auszuwechseln? - Diese Frage findet viele Antworten – fast so viele, wie es auf dem Erdenrund Kirchen und Gemeinschaften gibt.
Hier eine nicht ganz ernst gemeinte Auswahl:
Charismatiker: Nur einen. Die Hände hat er sowieso schon oben.
Pfingstler: Zehn. Einer wechselt die Birne aus, und neun beten gegen den Geist der Finsternis.
Katholiken: Gar keinen – Kerzen genügen als Ersatz bis zur nächsten Verwaltungsratssitzung. Dann wird vermutlich das Bischöfliche Ordinariat angefragt, ob es dafür irgendwelche Richtlinien gibt.
Evangelisch: Das ist unbestimmt. Ob dein Licht hell, schummrig oder völlig ausgebrannt ist – du bist von Gott geliebt. Du kannst ein helles Licht sein oder ein anderes. Ein Gottesdienst, an dem die ganze Kirche erleuchtet wird, ist für Sonntag geplant. Bring die Birne deiner Wahl mit und etwas fürs gemeinsame Mahl.
Zeugen Jehovas: Das entfällt! Sie verwenden keine Glühbirnen, weil diese im Neuen Testament offenbar gar nicht vorkommen.


Diese Predigtgedanken können Sie auch selbst herunterladen
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