(Fortsetzung)
Es geht auch nicht um eine bloße von Theologie-Experten vor Ort umzusetzende Wiedereintritts-Kampagne in die Kirche. Die Neuevangelisierung will tiefer gehen: Sie will gewissermaßen die Schatztruhe unseres Glaubens neu für Menschen öffnen, denen der Schlüssel dazu verlorengegangen ist. Den Verant-wortlichen in Rom und anderswo ist dabei durchaus bewusst, dass Neuevangelisierung erst einmal eine „Selbstevangelisierung“ voraussetzt. Bereits Johannes Chrysostomos (344 – 407 n.Chr.) schrieb dazu ganz eindringlich: „Es gäbe keine Heiden, wenn wir wahre Christen wären… Aber: Dem Geld huldigen wir genau wie die Heiden. Vor dem Tod haben wir Angst wie sie. Armut fürchten wir wie sie… Wie sollen sie vom Glauben überzeugt werden?“
Papst Paul VI. hatte es so ausgedrückt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte…“
Alle diesbezüg-lichen Konferen-
zen sind zu begrüßen, doch sollte man sich auch ehrlicher-
weise bewusst sein, dass der Erfolg der Überlegungen und Aktionspläne letztlich damit steht oder fällt, in welchem Zustand die Kirche und ihre Vertreter vor Ort sind. Glaubwürdigkeit ist heute mehr denn je gefragt, und Verkünder des Glaubens, denen man nicht ansieht, dass sie selbst wirklich von Gott begeistert sind, dass ihr Herz für Gott brennt, locken kaum jemand hinter dem Ofen der Bequemlichkeit hervor.
Eine Kirche, die sich z.B. in Deutschland eher als zer-
stritten präsentiert, wirkt nicht gerade einladend. Hinzu kommt, dass es eigentlich schon immer und auch ohne solche Konferenzen in der Kirche den Auftrag zur Mis-
sionierung gibt, laut kirchlichem Gesetzbuch übrigens besonders für Bischöfe und ihre Priester.
Doch wie sieht die Realität aus…? Früher gab es z.B. auch schon ähnliche Anstrengungen, etwa die Volks-
missionen. Meistens besuchte ein Team von speziell geschulten Priestern die Pfarrei für mehrere Tage, hielt Vorträge, machte Hausbesuche und vieles mehr. Doch wer traut sich sowas heute noch?
Welcher Pfarrer macht systematisch Hausbesuche, deren Erfolg – auch bei aus der Kirche Ausgetretenen – hinlänglich bekannt ist? Ist es nicht eher so, dass Austritte registriert und abgehakt werden, und dass diese Menschen einfach vergessen werden?
Viele Gelegenheiten gibt es auch im Rahmen der „normalen“ kirchlichen Arbeit, z.B. bei der Sakra-
mentenkatechese. Doch in der Realität sieht es leider oft ganz traurig aus, denn da reicht der Pfarrer diese wichtige Aufgabe gerne an Laien weiter, die oft weder theologisch noch pädagogisch dafür vorbereitet sind. Viel zu viele Kommunionkurse werden auf diese Weise als Chance vertan, und man „winkt die jungen Leute einfach durch“, wie es Kardinal Walter Kasper einmal drastisch ausdrückte. Weder die Katechese noch An-
lässe wie z.B. Beerdigungen werden ausreichend
für die Evangelisierung genutzt.
Neuevangelisierung – das ist etwas für Ausdauer-
sportler im Glauben. Erfahrene Seelenführer wissen es: Diese zweite Bekehrung ist wesentlich schwieriger zu erreichen als die erste. Wer erst einmal den Schritt fort von der Kirche gegangen ist („mir fehlt doch nix, mir geht es gut“), der kommt nur selten mit fliegenden Fahnen zurück, bloß weil er einen Einladungszettel für einen Bibelabend in die Hand gedrückt bekommt.
Nun stehen wir kurz vor der Som-merpause, in der auch in der Kirche (noch) weniger geschieht als üblich. Mit anderen Worten: Bald wird ein ganzes Jahr nach jenem großen Anlauf in Rom vergangen sein, und das ausgerufene „Jahr des Glaubens“ steht un-
mittelbar vor der Tür. Da sei die Frage erlaubt, ob die Kirche z.B. in Deutschland wirklich alle Anregungen aus Rom aufgegriffen und umgesetzt hat, was „wünschens-
wert“ wäre, wie der Papst sich höflich ausdrückte.
Hat man wirklich überall die Ärmel hochgekrempelt, von den Bistumszeitungen bis hin zu Schulungen? Nicht nur eine Blogger-Kollegin bezweifelt das.
Vielleicht (hoffentlich!) täuscht der Eindruck, aber viele Kirchenführer machen einen müden Eindruck, als würden sie am liebsten Dienst nach Vorschrift schieben. Ob das wirklich noch ein großer Wurf werden kann mit der Neu-Evangelisierung?
Immerhin, da und dort tut sich was. Beispielsweise in Köln, wo man im nächsten Jahr einen großen eucha-
ristischen Kongress plant. Oder in Freiburg, wo man für dieses Wochenende die katholischen Blogger einge-
laden hat, über ihren Beitrag zu diesem wichtigen Thema nachzudenken. Immerhin. Ich wünsche von ganzem Herzen viel Erfolg, der Blogger-Tagung und unserer Kirche…!
Blogger-Kollegin kritisiert bischöfliche Schläfrigkeit…
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Beispiel einer privaten Blogger-Initiative zum
„Jahr des Glaubens“ >> BITTE KLICKEN !
Teilnahme-Empfehlung: Eucharistischer Kongress
2013 in Köln >> BITTE KLICKEN !
Gelungene Impressionen einer Fachtagung „Gott im Web“
Vortrag Kardinal Kasper: Kirche ist ihrer Natur nach missionarisch
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2 Kommentare:
Es gibt durchaus weitere Initiativen, aber alles reichlich unkoordiniert und eher gekleckert als geklotzt. Das Ganze wird wohl wieder mal ein Sturm im Wasserglas.
Im Bistum Augsburg gibt es z.B.
http://www.bistum-augsburg.de/index.php/bistum/layout/set/print/Nachrichten/Bistum-Augsburg-errichtet-Institut-fuer-Neuevangelisierung-und-Gemeindepastoral_id_154667
Ich halte nichts von Aktionismus. Die Kirche könnte Purzelbäume schlagen und trotzdem kaum gewinnen. Der Grund ist einfach:
Der Normalbürger braucht Gott nicht mehr.
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