Ein Arbeits-loser über 55 findet deshalb heute kaum noch einen Job – der ist einfach zu alt und zu lang-
sam, heißt es. Der wird dann im Arbeitsleben einfach ausgemustert wie ein Gegenstand, den man nicht mehr braucht. - Wenn die Natur das zuließe, gäbe es sicher jetzt auch eine „Turbo-Schwangerschaft“, die möglichst nur 6 statt 9 Monate dauerte. Viele Eltern erwarten ohnehin, dass ihr Nachwuchs sich als Hochleistungskind zeigt. Grundschullehrer berichten immer häufiger, dass Eltern versuchen, Druck auf sie auszuüben, damit das Kind nur ja auf’s Gymnasium kommt, auch wenn das Kind eigentlich damit überfordert ist.
Die Natur weiß es aber besser als die gestressten Menschen von heute: Alles braucht seine Zeit bis zur Reife, bis es soweit ist! Das kann nicht nur bei Pflanzen verschieden lange sein, sondern auch bei Menschen. Früher, als das Leben noch ländlich geprägt war, wusste schon jedes Kind aus eigenem Erleben im Garten oder auf dem Feld: Von der Saat bis zur Ernte vergeht eben eine lange Zeit, ob uns das passt oder nicht. Etwa durch das Wetter bedingt läuft es eben nicht immer so, wie wir es gerne hätten. Regelmäßig geht man nachschauen: Kommen zum Beispiel die Bohnen schon aus der Erde raus? Setzen sie schon Blüten an? Heutige Stadtkinder dagegen erleben so etwas nur, wenn sie Glück haben, in Langzeit-Versuchen im Sachunterricht der Grund-
schule. Viele Kinder wissen schon nicht mehr, wo die Milch herkommt oder die Pommes, vom Miterleben etwa einer Schwangerschaft ganz zu schweigen. Sie lernen heute schon spielerisch ein bißchen Englisch im Kinder-
garten, aber viel zu viele von ihnen werden wohl nie das Vergnügen haben, in einem Bachlauf einen Staudamm aus Steinen zu bauen. Sie werden professionell in der Schule mit Wissen vollgepackt, aber niemand hat ein wenig Zeit, um sie die faszinierende Schönheit eines Sonnenaufgangs mit dem großen Jubelkonzert der Vogelwelt erleben zu lassen.
Das wussten schon die Kinder früher: alles im Leben hat seine Zeit. Alles ist in Bewegung. Da wird geboren und da wird gestorben, und all dies geschah selbstverständlich im Schutze der Familie. Alles hatte seine Zeit. Keine Erd-beeren im Dezember, und alles kam dann frisch auf dem Tisch, wenn es reif war, und nicht früher. Die To-
maten damals schmeckten nicht nach schnittfesten Wasserbehältern, sondern herrlich aromatisch und fruchtig, allerdings hierzulande eben nur von Juli bis Oktober. Es war ein Rhythmus, auf den man sich ein-
gestellt hatte, so sicher wie das Amen in der Kirche.
Mitten in dieses ländliche Leben hinein führt auch das heutige Evangelium. In seinen Gleichnissen spricht Jesus immer so, dass die Alltagswelt darin erläutert wird als sehr anschauliches, einprägsames Beispiel für Jesu eigentliche Aussage-Absicht.
Heute vergleicht Jesus das Reich Gottes mit einem Senfkorn. Im Gegensatz zu unserer Heimat sind die klimatischen Bedingungen in Israel so, dass zumindest zur Zeit Jesu jeder die Senfstaude sehr gut kannte.
Sie wuchs bis zu drei Meter hoch und überragte damit alle anderen Gartengewächse. In fast jedem Garten gab es die Senfstaude sowie auch eine ganze Reihe ande-
rer Gewürzkräuter, die man für die täglich frische Küche benötigte.
So musste auch jeder Zuhörer Jesus zustimmen, wenn er von der Winzigkeit des Senf-samens sprach. Die Senf-
samen-Sorte, die dort von so vielen für ihren Haushalt privat verarbeitet wurde, hat nichts mit den größeren Senfkörnern zu tun, wie wir sie heute kennen.
Jene Senfstaude produzierte Samenkörner, die so klein waren, dass man sie mit bloßem Auge gerade noch erkennen konnte. Da es die Sorte heute noch an einigen Standorten gibt, haben Biologen mal nachgezählt: Etwa 700 von diesen winzigen Samenkörnern ergeben ge-
rade mal 1 Gramm an Gewicht – nur ein Windstoß genügt, und die Samen sind wer weiß wo. Dabei verfügt diese Senfstaude auch noch über eine geradezu unver
schämte Wüchsigkeit. Egal ob am Feldrand, auf einer Weinbergsmauer oder eben im Garten – sie wächst wie ein Weltmeister und lässt sich dabei durch nichts und niemanden aufhalten. Daher galt sie damals bei vielen schon fast als Unkraut, da andere Gartengewächse von ihr verdrängt werden können, wenn man die zahlreichen kleinen Abkömmlinge nicht rechtzeitig entfernte.
Der römische Gelehrte Plinius der Ältere schrieb da-
mals, der Senf wachse derart ungestüm, dass man „das Land kaum wieder davon reinigen“ könne. – Ja, so ist das: ganz winzig klein und unscheinbar hat es be-
gonnen, und innerhalb eines Jahres ist ohne das geringste Zutun eines Menschen daraus eine Pflanze geworden, die alles überragt, die alles in den Schatten stellt. Das nutzen natürlich auch die Vögel, um in den weit ausladenden Zweigen auch Schatten zu suchen und um dort zu nisten.
Was der Mensch dabei nur tun muss, ist das Säen des massenhaft vorhandenen Samens bzw. auch nur das Nicht-Ausreißen einer einzigen Jungpflanze – und schon wächst die Senfstaude gewissermaßen mit eingebauter Erfolgs-garantie. Jeder Zuhörer Jesu wusste: das kann gar nicht anders sein, das geschieht einfach, es geschieht wie automatisch. Interessanterweise steht auch genau dieses Wort „automatisch“ im biblischen Originaltext, leider aber nicht mehr in unserer heutigen Einheits-
übersetzung.
Wir erinnern uns - Jesus sagte zu seinen Zuhörern: „Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Sa-
menkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“
Das Herzensanliegen Jesu ist es, den Menschen immer wieder klarzumachen: Das, wonach ihr euch sehnt, das, was ich euch versprochen habe, das kommt mit abso-
luter Sicherheit. Das Reich Gottes fängt zwar offen-
sichtlich ganz klein und geradezu mickrig an, aber man sollte sich davon besser nicht täuschen lassen. Unaufhaltsam wächst es zu seiner endgültigen Größe heran, ohne dass dafür auch nur ein einziger Mensch einen Finger krumm machen müsste. Eben ohne unser Zutun, eben automatisch, wie von selbst. Über diesen Prozess des Wachstums kann kein Mensch verfügen. -
Irgendwie macht uns dieses Gleichnis Jesu heutzutage natürlich nervös. Kann Jesus das denn wirklich gemeint haben? Das widerspricht doch offensichtlich seinen Aussagen, die man an vielen Stellen der Bibel findet, wonach wir uns für das Himmelreich abmühen sollen – wir sollen die Gebo-
te einhalten, wir sollen unsere Nächsten lieben, wir sollen den Glauben allen Völkern verkünden usw. Kann er das denn wirklich so gemeint haben wie mit dem Gleichnis vom Senfkorn? Wenn ja, heißt das dann, dass wir ab sofort unsere Hände in den Schoß legen dürfen, weil Gott das doch lieber alleine machen will?
Nein, das wäre ein furchtbares Missverständnis! Natürlich sollen wir Menschen unseren Teil zum Ernte-Erfolg Gottes beitragen. Das Gleichnis Jesu will uns jedoch sagen: Euer Einsatz ist gut und wichtig, aber ihr braucht dabei wirklich nicht in Stress und Aktivismus zu verfallen. Das Reich Gottes wird euch letztlich doch geschenkt – seid euch dessen immer bewusst!
Lasst euch also von dessen anfänglicher Unschein-
barkeit nicht täuschen. Es wird groß und mächtig, ob ihr euch nun vor Sorgen verrückt macht oder nicht! –
Und damit hat Jesus wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen, denn diese demütige und wartende Haltung ist, wie eingangs geschildert, nicht gerade die Stärke des modernen Menschen.
Auch wenn dies den Pfarrern und allen engagierten Gläubigen zu-weilen Bauch-
schmerzen bereitet, weil es so gar nicht voran zu gehen scheint in der Gemeinde und in der ganzen Kirche – Jesus sagt uns : Nur keine Sorge, meine Lieben, das ist bei Gott alles im Griff, alles im grünen Bereich. Aber es geht eben nicht so, wie ihr euch das vorstellt, nicht dalli-dalli. Gott lässt vieles nach und nach wachsen, all-
mählich heranreifen.
Die moderne Kultur, alles möglichst schnell haben zu wollen wie einen löslichen Instant-Kaffee, die funk-
tioniert bei Gott nicht. So funktioniert das nicht mit dem Reich Gottes – einfach aufschütten, umrühren, fertig!

Jesus mahnt mit dem Versprechen, dass das Reich Gottes garantiert zu seiner vollen Größe heranwachsen wird, unsere Geduld an. Mehr noch mahnt er aber unser Gottvertrauen an. Ja, eure kleine Gemeinde und der geringe Gottesdienstbesuch mag euch mickrig er-
scheinen und euch manchmal traurig machen. Dass eure Kinder so gar nichts mit der Kirche am Hut haben, das mag euch persönlich kränken und enttäuschen. – Aber habt doch Vertrauen! Es liegt alles letztlich über-
haupt nicht in eurer Hand, sondern in Gottes Hand, und genau da gehört es auch hin.
Wenn Jesus mit dem Gleichnis vom Senfkorn mehr Ver-
trauen in Gott anmahnt, ist das wirklich ein dringendes Anliegen. Natürlich darf man mal klagen und enttäuscht sein, wenn man mal wieder einen schlechten Tag hat. Aber ganz grundsätzlich ist das mangelnde Gottver-
trauen ganz klar eine Sünde, eine Sünde gegen den Heiligen Geist.
Solch ein Klagen über das schleppende Vorankommen ist nämlich, wenn man es zu Ende denkt, eine Beleidigung des himmlischen Vaters! Solch ein Jammern unterstellt ja indirekt, dass Gott da wohl etwas nicht so ganz im Griff hat. Es unterstellt, Gott habe so etwas wie eine altersbedingte Sehschwäche, wenn er z.B. den Zustand der deutschen Kirche offenbar nicht richtig erkennt. Das ist also das eigentlich Traurige bei aller Angst, bei aller übereifrigen Sorge: unser mangelndes Vertrauen
in Gott selbst! Jesus hat es doch oft genug klargestellt: Da geht kein Schaf aus der großen Herde verloren,
da geht kein Mensch und keine Pfarrei verloren – zugegebenermaßen vielleicht dem ersten Eindruck nach, aber nicht bei Gott!
Lassen wir uns also nicht täuschen und ins Bockshorn jagen: Das Himmelreich wird kommen, und zwar, weil Gott es so will. Angefangen hat es bereits, und es wird wachsen, immer weiter wachsen. Also entspannt euch und schaut mal in den Spiegel - ihr tragt die Welt wirk-
lich nicht auf euren Schultern.
Der beliebte Papst Johannes XXIII. hat mal erzählt, dass ein junger Bischof ihm ganz verzweifelt und erschöpft geklagt habe, wegen der großen Last der Verantwortung für sein anvertrautes Bistum könne er nachts kaum noch schlafen. Zuerst stimmte der Papst ihm zu, dass er dieses Gefühl spätestens seit seiner Wahl zum Papst auch immer mal wieder erlebt habe. Dann aber fügte er hinzu: „Einmal aber erschien mir ein Engel im Traum. Er sagte mir nur einen einzigen Satz: Giovanni, nimm dich doch nicht so wichtig! – Seitdem kann ich wieder wunderbar schlafen…“

Predigt Pfr. Josef Mohr
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Pfr. Bruno Layr: Gottesdienstentwurf mit Predigt
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Predigt Pfarrerin Dr. Christine Ritter
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Predigt Pfr. Markus Lohner (pdf)
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Predigt Pfr. Karl Sendker
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Gruppenstunde / Kindergottesdienst „Senfkorn“
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Dominus-Verlag (Dr. Peter C. Düren), u.a. interessantes Buch „Kleines ABC des Zweiten Vatikan. Konzils“ >> BITTE KLICKEN !

Ein Rasenmäher und ein Schaf stehen nebeneinander auf der Wiese. Da sagt das Schaf: „Mäh! Mäh!“
Antwortet der Rasenmäher: „Von dir lass ich mir nix befehlen!“
Ein Bischof bittet seine Priester zu einem Gespräch,
bei dem Fragen der Verkündigung durchgesprochen werden. Da sagt der Bischof: „Meine lieben Mitbrüder, Sie müssen, wenn Sie predigen, das bitte auch mit Ihrer Mimik unterstreichen. Wenn Sie z. B. vom Himmel reden, müssen Sie ein strahlendes und fröhliches Gesicht machen.“
Da meldet sich ein etwas vorwitziger Pfarrer und fragt: „Und wenn ich aber nun von der Hölle rede?“
Der Bischof bemerkt dazu nur ganz trocken: „Dann können Sie natürlich so bleiben, wie Sie immer sind!“
Diese Predigtgedanken können Sie auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.8.2012)
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