06.06.2012

Protest oder Selbstbetrug? -- 140 Freiburger Priester spenden "barmherzige" Kommunion an wiederverheiratete Geschiedene

(Fortsetzung)
Das Ehepaar Wulff hatte sich auseinandergelebt,
und jeder der beiden lebte „immer mehr sein eigenes Leben“, wie damals in der Presse zu lesen war.
War die Ehe aber wirklich zerrüttet? Haben sich beide wirklich intensiv und lange bemüht? Oder musste als einfache Lösung eine Jüngere her?  
Barmherzigkeit wollen die Protestler, und die wollen wir alle gerne in Anspruch nehmen, wenn wir gesündigt haben. Aber wie sieht es beispielsweise mit der Barmherzigkeit gegenüber den Kindern der ersten Ehe aus, und wie mit dem verlassenen Ehe-
partner?
Da gäbe es viele traurige Geschichten zu erzählen, und als Grundschullehrer mit fast 30 Jahren Berufspraxis habe ich im Gespräch mit verstörten Kindern so man-
ches erlebt. Und ich vergesse beispielsweise auch nicht den in einer Pfarrgemeinde sehr engagierten Familien-
vater, der Frau und Kinder für eine jüngere attraktive Arbeitskollegin verließ, in die er sich verliebt hatte. Während er nun händchenhaltend zum Sonntags-
gottesdienst geht, traut sich seine erste Frau nicht mehr zur Heiligen Messe, aus Angst und Scham.                
Ja, die Einzelschicksale sind oft kompliziert. Barm-
herzigkeit kommt in den Medien und beim Kirchenvolk erst mal gut an. Aber ist es nicht ein Selbstbetrug, wenn man so tut, als könne man mit der Zulassung zur Kom-
munion und zum Bußsakrament alles wieder gut machen?   
Die kirchliche Lehre ist eindeutig, und das unter Be-
rufung auf Jesus selbst. Seine Haltung zum Ehebruch ist unmissverständlich. Die Ehe ist ein heiliger, vor Gott geschlossener und unauflöslicher Bund, aus dem man nicht einfach aussteigen kann. Selbstverständlich gibt es Ehen, die sind beim besten Willen nicht zu retten, aber vielfach wird heute zu früh kapituliert. Wenn Scheidung und Wiederheirat fast schon der Normalfall sind, ist der Druck natürlich geringer, sich wirklich mit aller Kraft und vielleicht auch unter Hilfestellung außen-
stehender Berater um die verfahrene Ehesituation zu bemühen, zumal schon „Ersatz“ in Sicht ist. Und wenn nun auch noch die Kirche signalisiert, dass man sogar in neuer Besetzung zum eucharistischen Mahl zugelassen werden kann, wird die Schwelle weiter abgesenkt. 
Ich bestreite nicht, dass es viele Katholiken gibt, die sehr darunter leiden, dass sie nicht zum Tisch des Herrn hinzutreten dürfen. Dazu gehören ja nicht zur die wiederverheiratet Ge-
schiedenen, sondern alle, die in schwerer Schuld leben, z.B. Menschen, die durch bestimmte Taten fak-
tisch exkommuniziert sind. Als Stichworte mögen hier Abtreibung, öffentlich demonstrativ gelebte Homo-
sexualität oder Kirchenaustritt genügen. Es gibt sogar prominente Beispiele, wo vom Ortsbischof (siehe Linktipps) eine Exkommunikation wegen kirchen-
feindlicher Reden ausgesprochen wurde. Dies mag verdeutlichen, dass es gerade jetzt, da Priester aus Protest die kirchlichen Weisungen ignorieren, dringend nötig ist, über den würdigen Kommunionempfang nachzudenken.
Die ersten Christen etwa bekannten öffentlich, dass sie ohne den Gottesdienst nicht leben konnten. Beispiels-
weise diejenigen, die mehr als dreimal fehlten, schloss man prompt vom Kommunionempfang aus, so streng waren die Sitten. Im Mittelalter ging man z.T. vor lauter Ehrfurcht nicht mehr zur Kommunion, sodass ange-
ordnet werden musste, dass man mindestens einmal jährlich, und zwar in der österlichen Zeit, die Kommu-
nion zu empfangen habe.
Heute haben wir das gegenteilige Extrem: Eigentlich gehen alle zur Kommunion, und das nicht immer nur aus frommen Motiven. Reihenweise geht man, um sich den Leib Christi abzuholen, und da will niemand aus der Reihe tanzen und auffallen. Aufgabe der Priester wäre es da, über den würdigen Empfang aufzuklären, statt Hinz und Kunz herzlich einzuladen.
- Das Freiburger Memorandum >> BITTE KLICKEN !   
- Schriftliche Hausarbeit zum Thema (32 S./pdf)
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- Pastorale Handreichung eines Bistums (pdf)
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- Katholik Kennedy von Kommunion ausgeschlossen  >> BITTE KLICKEN !

 
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5 Kommentare:

Der Thuriferar hat gesagt…

Ich habe gelesen, dass etwa ein Drittel der unterzeichnenden Priester Pensionäre sind.
Mit anderen Worten: Sie unterschreiben einen Aufruf, wenn sie dabei beruflich nichts mehr riskieren. Sauber!

Ferdinand Dörner hat gesagt…

Immer wieder beobachte ich mit Entsetzen, wie unwürdig heute mit der Kommunion umgegangen wird.
Eine Dame neben mir in der Bankreihe zu ihrem Mann: "Los, steh auf und geh mit - die anderen kommen sonst nicht durch!"
Wo bleiben katechetische Unterweisungen der Bischöfe?

Anonym hat gesagt…

Selbst erlebt: Frau zu ihrem Mann in meiner Bankreihe: "Los, steh auf und geh mit nach vorne. Wie sieht das denn aus, wenn du sitzenbleibst?"

Jussuf Mokdan hat gesagt…

Deshalb können sich die alten eben erlauben, mal gegen den Strom zu schwimmen, in der Bank sitzen zu bleiben oder eben einfach mal die Dinge anzusprechen, die gesagt werden müssen. Das sollte den Grannys im Vatikan doch bekannt sein ;-)

Ameleo hat gesagt…

@ Der Thuriferar:
Einmal Priester, immer Priester. Um Messe zu feiern, werden sie immer noch und häufig bis an ihr Lebensende gerne gebraucht, die Ruheständler. Es geht in dieser Angelegenheit also exakt um den Bereich der Pastoral, der sie noch betrifft. Etwas mehr als ein Drittel aller Priester ist im Ruhestand mit zunehmender Tendenz. Warum sollten sie sich aus einer Diskussion heraus halten, die sie betrifft? Ich finde es gut, wenn sie mit ihrer Lebenserfahrung und den vielen Fehlern, die auch sie gemacht haben werden, jetzt einstehen für das, was sie glauben. Und ich bin sehr froh darum, dass es ebenfalls junge Priester gibt, die sich den Mund nicht verbieten lassen, wenn sie vom Reich Gottes sprechen, das offen ist gerade für die, die im Leben gebeutelt wurden.

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