03.06.2012

Predigt zu Fronleichnam -- 07.06.2012

(Fortsetzung)

Es ist aber wirk-
lich schwierig mit den Katholiken!
Da haben sie oft genug so schöne Kirchen – und dann machen
sie solch einen gemeinsamen Wandertag, den sie mit allerhand Aufwand vorbereiten. Früher war das noch wesentlich umfangreicher. Teil-
weise hat da das ganze Dorf tagelang mitgeholfen beim Blumenpflücken, beim Legen des Teppichs und beim Aufbau der Altäre. In einigen Gegenden war es auch für die Evangelischen das Selbstverständlichste der Welt, dabei mitzuhelfen, in anderen allerdings wurde von ihnen schon fast ganz traditionell ausgerechnet an diesem Tag die stinkende Jauche auf’s Feld gefahren…

Was ist das aber für ein Fest? Warum ziehen die Katho-
liken durch die Straßen, tragen die Hostie, den Leib Christi, in einem kostbaren Schaugefäß, der Monstranz? Warum bekommt bei diesem Rundgang die Hostie sogar einen Tragehimmel, ein eigenes Dach über dem Kopf?

Im heutigen Evangelium werden wir wieder einmal an die tiefere Bedeutung des Fronleichnamfestes erinnert. Wir erfahren, wie Jesus mit den Zwölfen unmittelbar vor Jerusalem angekommen ist. Da schickt er zwei Boten mit ganz klaren Aufträgen voraus. Wir bekommen hier demonstriert, wie genau Jesus um alle Zuammenhänge der Zukunft weiß. Die beiden Vorboten treffen alles genau so an, wie Jesus es ihnen vorhergesagt hatte. Ein großer Raum steht bereit, wo er mit den zwölf Aposteln das traditionelle Pascha-Mahl so feiern wird, wie alle Juden dies an diesem Abend tun.
Jesus weicht im Text jedoch von den Vorlagen ab, die für das feierliche Mahl vorgesehen sind, das große Fest der Erinnerung an die Befreiung durch Gott aus der Sklaverei Ägyptens. Bei diesem letzten Abendmahl schenkt er sich nämlich selbst in den Gaben der Eucharistie. Jesus nimmt aber nicht etwa ein leckeres Stück Fleisch vom Paschalamm, um die berühmten Worte zu sprechen. Er nimmt etwas ganz Alltägliches, ein Fladenbrot. Das zerteilt er in Stücke, die er seinen Jüngern reicht: „Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“
Brot und Wein, damals alltägliche Lebensmittel und Überlebensmittel, dienen Jesus beim letzten Abend-
mahl, um sich selbst zu verschenken.
Nichts besonders Edles, keine Feinschmeckerei, hat er sich dafür aus-gesucht, sondern das, was man jeden neuen Tag unbedingt zum Leben braucht.
Das ist mein Leib, das ist mein Blut, sagt Jesus. – Die Jünger Jesu wissen sofort, dass er es auch genau so meint. Das Wort „Leib“ bedeutet dabei nicht bloß den Körper aus Haut und Knochen usw., sondern „Leib“ bedeutet: das bin ich, so wie ich bin, der ganze Mensch!
Die Jünger Jesu wissen auch aus ihrer jüdischen Tradi-
tion heraus: Blut ist ein ganz besonderer Saft. Blut gilt als der eigentliche Sitz des Lebens.
Sogar bei uns heute heißt es zuweilen, dass ein kluger Mensch in einem gewalttätigen Konflikt weiteres Blutvergießen vermieden hat. Blutvergießen steht hier natürlich für das Sterben weiterer Menschen.
Blut Jesu bedeutet also: mein Sterben, mein Blutver-
gießen, mein Tod für euch. – Nicht um den Alten Bund, um die feierliche Erinnerung an die geschichtliche Befreiung aus Ägypten geht es Jesus jetzt, sondern hier ist durch sein Opfer ein ganz neuer Bund entstanden, durch den
wir gewissermaßen alle zu Blutsbrüdern Jesu geworden sind.
In diesem Neuen Bund sind wir seine Verbündeten, und zwar Verbündete gegen die Macht des Bösen und des Todes. Daher will Jesus nicht nur leibhaftig zu seinen jetzigen Jüngern kommen, sondern Jesus Christus hat dabei die ganze erlösungsbedürftige Welt im Blick.

Als Jesus den Zwölfen an diesem Abend bei Tisch erklärt, dass ausgerechnet einer von ihnen ihn verraten und ausliefern werde, sind alle traurig und geschockt. Alle fragen bei ihm nach, wie das Evangelium berichtet: „Doch nicht etwa ich?“
Das kann uns gewiss ein Stück weit trösten. Da sitzt bei den Jüngern also nicht die Jahreshauptversammlung der Supermänner am Tisch. Offenbar hat jeder so seine Schwächen, und jeder von denen hält es zumindest für denkbar, selbst zum Verräter zu werden. Und das also ist die Elite der jungen Kirche!
Diese auf-
richtigen Männer haben vielen von uns heute jedoch etwas voraus:
sie machen sich nichts vor, und das muss man ihnen hoch an-
rechnen: sie wissen um die Macht des Bösen, und zwar erst recht bei sich selbst.
Ihnen ist offensichtlich klar, wie schnell das gehen kann, dass man auf die schiefe Bahn gerät, dass man vom rechten Weg abkommt – wie ein Autofahrer, der jahrzehntelang unfallfrei fährt und jetzt gerade mal für eine halbe Sekunde am Steuer einge-
nickt ist und der dadurch vielleicht einen schrecklichen Unfall baut.

Jesus scheut sich nicht vor denen, die viele Fragen ans Leben haben, mehr Fragen als Antworten. Bei den Jüngern hieß es: „Doch nicht etwa ich?“ - Das kann man auch heutzutage immer wieder fragen. Viele fragen es, und zwar in den verschiedensten Zusammenhängen. Um nur wenige Beispiele zu nennen: Warum bin gerade ich so schwer krank? Warum habe ausgerechnet ich solche heftigen Glaubenszweifel? Warum wurde gerade ich als Berufsfahrer zu schnell erwischt und bin nun meinen Führerschein und meinen Job los? Warum habe ich bloß immer so viel Pech mit meinen Beziehungen? Die Menschen haben Fragen, viele Fragen. Da gibt es so vieles auf dieser Welt, dass man so eigentlich nicht hinnehmen darf. Vieles, wo man Protest anmelden muss:
Nein, so darf man mit Men-
schen nicht verfahren!

Es ist gut und richtig, dass auch Christen hier gemeinsam mit vielen ande-
ren immer wieder ihre Stimme gegen das Unrecht erheben, ob
gefragt oder ungefragt.
Die Fronleichnamsprozession ist aber etwas anderes; sie ist noch lange keine Demo. Wenn Katholiken das Allerheiligste feierlich aus der Kirche heraus und durch die Straßen tragen, dann tun sie das, ohne große Spruchbänder mit markigen Sprüchen zu schwenken. Stattdessen schmücken sie, wo dies möglich ist, Straßen und Häuser und errichten Altäre außerhalb
der Kirche.

Wir Katholiken sind also keine Heimlichtuer. Wir haben nichts zu verbergen. Und schon gar nicht unseren Herrn Jesus Christus. Der Tragehimmel über der Monstranz zeigt es schon: Hier kommt jemand ganz Besonderes, hier kommt unser Herr und König!
Er möchte zu allen Menschen kommen, auch und vielleicht erst recht zu denen, die sich selbst für un-
würdig halten, ihm zu be-
gegnen. Zu denen,
die auf irgendeine Art leiden oder Ungerechtigkeit erfahren. Er möchte von sich aus zu denen kommen, die den Weg zu ihm in die Kirche nicht oder noch nicht gefunden haben. Und er möchte all denen beistehen,die auf seine Hilfe vertrauen.
Was liegt da näher, als unseren Herrn in der Gestalt der heiligen Hostie zu den Menschen zu tragen? - Eigentlich erstaunlich, dass die Kirche erst im 13. Jahrhundert und dann erst nur sehr zögerlich diese Idee umsetzte, ange-
regt durch eine Vision der Nonne Juliana von Lüttich.
Was für ein sinnenhaftes Fest Fronleichnam doch ist! - Die Kirche trägt den Leib Christi aus der schützenden Kirche hinaus dorthin, wo sich das tägliche Leben mit all seinen Problemen abspielt. Manche Gemeinde baut darum auch einen Altar z.B. beim Krankenhaus auf oder bei einer Fabrik. 

Der Leib Christi kommt zu den Menschen, und wir schmücken ihm dafür den Weg, legen ihm einen Blütenteppich und errichten Altäre, beten und singen, um unsere Freude und Verehrung auszudrücken. Dass dabei vielleicht gelegentlich mal in südlichen Ländern begeisterte Volksfrömmigkeit und Folklore über’s Ziel hinausschießen können, da steht auf einem anderen Blatt.
In unseren Breitengraden herrscht dagegen bei den außenstehenden Prozessionsbeobachtern und – igno-
ranten eine Mischung aus Befremden und Respekt vor. Donnerwetter, die Katholiken, die trauen sich was!

Die gehen noch auf die Straße für ihre Überzeugung,
für ihren Herrn!

Und so kann es durchaus sein, dass da auch mal je-
mand von den Zu
schauern einen neuen Anstoß be-
kommt, es noch einmal mit dem eigenen Glauben zu versuchen.

Wenn doch nur alle auch in ihrem Herzen wüssten, dass sie ihrem Herrn und Erlöser in der Gestalt des Brotes begegnen dürfen! Vor Scham im Erdboden versinken wollten sie dann vielleicht, wenn sie an ihre bisher gleichgültige oder ablehnende Haltung denken müssten.

Es ist schon höchst merkwürdig: Da glauben diese Schlauberger z.B. daran, dass ein von der deutschen Bundesbank schön bunt bedrucktes Stückchen
Papier auch tatsächlich den Wert hat, der auf ihm vermerkt ist, z.B. 20 Euro. Wenn man ihnen sagen würde: Du, schau doch mal, das ist doch nur ein Stück bedrucktes Papier, wären sie erstaunt und erklärten einen für verrückt. Tatsache ist aber, dass der Staat nicht einmal mehr eine ausreichende Goldreserve im Gesamtumfang des im Umlauf befindlichen Geldes hat.
Nein, das Ganze ist im wesentlichen eine Sache des Vertrauens, dass man für dieses spezielle Stück Papier überall in seinem Geltungsbereich auch tatsächlich beliebige Dinge im Wert der aufgedruckten Zahl erwerben kann. Der Geldschein ist Papier und bleibt Papier, aber er hat zu Recht eine andere Wirkung als ein gleich großes Stück Schokoladenpapier. Dem Staat traut man zu, dass er trotz aller Krisen dafür sorgen kann, dass solche bunten Papierstückchen weiterhin zum Tausch gegen Waren und Dienstleistungen eingesetzt werden können.
Doch viele der gleichen Leute, die klugerweise bei einem Stück Papier mit Bundesbank-Aufdruck darauf vertrauen, dass es mehr bewirkt als seine wenigen Cent Papierpreis es vermuten lassen, die trauen es merk-
würdigerweise Jesus Christus nicht zu, in der äußeren Gestalt einer von ihm gewandelten Hostie zu uns kommen zu können. Da sagen sie dann womöglich: ach, das ist doch nur eine Backoblate. Wie soll das denn der Leib Christi sein?

Mit der Fronleichnamsprozession durch unseren Ort,
in dem wir die meiste Zeit zubringen, drücken wir auch unsere eigene Ehrfurcht und Liebe zu Jesus aus: Wenigstens einmal im Jahr wollen wir unsere Welt, unsere Mitbürger anschaulich daran
erinnern, das eigentlich alles auf Erden dem Herrn gehört. So wie früher ein König auf einer Sänfte durch sein Herr-
schaftsgebiet getragen wurde, so tragen wir den le-
bendigen Jesus und zeigen ihn allen mit der Monstranz. Jeder soll es wissen: Jesus hat sich uns in der Eucharistie geschenkt. Darum schaut her und freut euch mit uns! Stellt auch ihr euch unter seine Führung, denn ihm könnt ihr wirklich vertrauen.

Zum Schluss ein Hinweis für die schlauen Bankleute unter uns: Ja, bei Gott gibt es mehr als genug „Gold-
reserven“. Es gibt da für uns einen Riesenschatz im Himmel, an dem jeder Anteil hat, der glaubt.
Und dabei ist der Himmel noch nicht einmal ein ganz neuer Ge-
heimtipp, sondern schon lange bekannt.

Und jetzt noch das Allerbeste: Jeder von uns ist jetzt schon herzlich eingeladen. Nur sich auch wirklich auf den Weg machen, das muss man schon selbst tun… 
 
 

Predigt Kaplan Christian Kaiser
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Artikel über Fronleichnam
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Enzyklika zur Eucharistie (2003)
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Juliana von Lüttich, Nonne mit Visionen
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Fronleichnam in den 1930er Jahren. Ein Bericht
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Simple Frage: Der Geschichtslehrer prüft mündlich die Hausaufgaben und will von Florian wissen: „Wer hat denn früher regiert, Otto I. oder Heinrich I.?“
Das weiß Florian natürlich: „Die haben alle beide früher regiert!“

„Sebastian, hast du dem Papagei diese schrecklichen Schimpfwörter beigebracht?“ – „Nein, Mami, ganz im Gegenteil: Ich habe ihm ganz genau erklärt, welche Wörter er auf keinen Fall sagen darf!“ 

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