03.05.2011

3. Sonntag der Osterzeit A - 8.5.2011

(Fortsetzung)

Die Kinder gehen nicht mehr zur Kirche, gehen aus Elternsicht offen-
sichtlich falsche Wege. Und wehe, man sagt etwas dazu!
Ja, wir kennen das, und oft genug haben wir das Gefühl, wir bewegen uns wie ein Hamster oder eine Ratte im Laufrad. Egal wie schnell wir laufen – in Wirklichkeit kommen wir nie so recht vom Fleck!
Eine solche Erfahrung machten auch die Jünger Jesu im heutigen Evangelium. Ostern und Auferstehung waren vorbei, und nun hatte sie ihr Alltag fest im Griff. Sieben der Jünger waren in der Nähe der Stadt Tiberias am See Genesareth zusammen und wussten nicht so recht, wie es mit ihnen und der Sache Jesu weitergehen sollte.
Petrus als temperamentvolle und ungeduldige Führernatur hielt die Ungewissheit eines Abends nicht mehr länger aus. Wahrscheinlich atmeten alle auf, als er seinen Entschluss verkündete: „Ich gehe fischen.“ - Ohne Diskussion stimmten alle zu, und sofort fuhren sie mit dem Fischerboot hinaus auf den nächtlichen See. Gefischt wurde immer nur nachts, wobei die Fische durch brennende Fackeln am Bootsrand angelockt wurden.
„Aber in dieser Nacht fingen sie nichts“. Das war das traurige Ergebnis ihrer durchgearbeiteten Nacht. Fischer, die keine Fische fangen, das ist die absolute Niederlage. Das ist, wie wenn ein Flugkapitän das Flugzeug beim Start nicht in die Luft bringen könnte…
Wenn sie wenigstens einen kleinen, bescheidenen Fang gehabt hätten!
Sie fingen jedoch nichts. Das hieß für die Profis: Wir haben uns stundenlang abgeplagt für nichts und wieder nichts! - Sie standen im wahrsten Sinne des Wortes mit leeren Händen da. Alle ihre Erfolgsrezepte und alle Berufserfahrung waren offensichtlich für die Katz. Da werden sie sich wie so mancher Christ heute gefragt haben, was sie bloß falsch gemacht hatten. Egal, wie sehr sie sich auch angestrengt haben: das Ergebnis war einfach nur niederschmetternd!
Als der Morgen dämmerte, näherten sie sich müde dem Ufer. Feierabend!
Da stand der auferstandene Jesus, den sie aber ganz offensichtlich nicht erkannten. Seine Frage brachte sie in arge Verlegenheit:
„Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“
Es war eine Frage der Ehre und der Gastfreundschaft, dass man jemandem zu essen gab, wenn man darum gebeten wurde, zumal sie ja eigentlich genug Fisch haben müssten. Ihre Antwort fiel dementsprechend denkbar knapp und genervt aus: „Nein.“ -
Wir hören es da förmlich knistern bei diesem Eingeständnis des eigenen Unvermögens, bei dieser Blamage dem Fremden gegenüber. Ihr Schiff war noch leerer als so manches Kirchen-
schiff heute…
Doch es kam noch heftiger für sie. Der unerkannte Jesus gab den tüchtigen Handwerkern einen seltsamen Ratschlag: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“ - Fischfang bei Tag – das hatte es noch nie gegeben! Wenn das die Kollegen sehen würden, wäre die Blamage komplett. Dieser Tipp war nach aller bisherigen Erfahrung so absurd wie etwa der Ratschlag, bei einem Hausbau mit dem Dach anzufangen! Doch die Jünger waren so deprimiert über ihr berufliches Versagen, dass sie sogar bereit waren, gegen alle Vernunft und Lebenserfahrung zu handeln. Sie dach-
ten sich offenbar, dass jetzt eh’ alles egal war.
Noch schlimmer konnte es schließlich nicht kommen…! – Und irgendwie hatte der Fremde etwas Faszinierendes an sich…
Wir kennen alle den Ausgang dieses Experimentes: Bei dieser Fahrt wurde der Fang so gewaltig groß, dass sie Probleme hatten, das Netz einzuholen. Das war doch gegen alle menschliche Vernunft! – Und so allmählich dämmerte es ihnen, wer es war, der ihnen diesen unglaublichen Rat gegeben hatte.
Und wieder zeigte sich Petrus, wie wir ihn kennen: Als sie in Ufernähe waren, konnte er es nicht abwarten, sondern sprang in den See, um schneller bei Jesus zu sein!
Als sie an Land gingen, wartete die nächste Überraschung auf sie: Jesus hatte ein Feuer gemacht, und über den Flammen garten gerade Fisch und frisches Brot.
Fisch und Brot!
Und beides wie aus dem Nichts heraus und für alle!
Da dachten die Jünger und denken wir heute natürlich sofort an die wunderbare Brot-
vermehrung mit der Speisung der 5000 (an sie erinnert das weltberühmte Bodenmosaik in der Kirche von Tabgha).
Nun gab es also ein überraschendes Frühstück bei Jesus, ergänzt durch weitere Fische aus dem frischen Fang.
Uns fällt natürlich auch sofort auf, dass es Jesus selbst ist, der auch hier Brot und Fisch an seine eingeladenen Frühstücksgäste verteilt. Die Aussage-Absicht ist klar: Jesus, der überraschende Gastgeber!
Die Jünger Jesu haben im heutigen Evangelium wieder einmal etwas dazugelernt, und zwar auf sehr handfeste Art und Weise: Du kannst dich abplagen, so viel du willst und kannst. Immer wieder wird es solche Situationen geben, wo das Netz deines Lebens einfach absolut leer bleibt. Du stehst einfach hilflos mit leeren Händen da, obwohl du dich doch so bemüht hast!
Wir kennen das alle, und wir sollten daraus lernen, was auch die Jünger damals für sich daraus gelernt haben: Wir dürfen uns im Christenleben nicht auf unser Wissen und Können allein ver-
lassen! - Jesus ist es, auf den wir hören sollen, auch und gerade dann, wenn wir enttäuscht worden sind. Mit ihm ist immer ein Neuanfang möglich.
Als Christen, die Jesus nachfolgen wollen, dürfen wir nicht den Fehler machen, uns in unserem Einsatz für Gott und die Welt nur auf unsere eigenen Fähigkeiten und unsere eingefahrenen Denkmuster zu verlassen. Vielmehr sollten wir uns ganz auf Jesus hin ausrichten.
Nicht, wie wir denken, sondern wie er denkt! - Es ist wie bei den Jüngern damals: Er hat schon längst für uns vorgesorgt, während wir noch weit vom Ufer entfernt sind.
Wenn wir ihm unverkrampft und ohne unsere tausend „Aber“-
Argumente folgen und uns von ihm immer wieder überraschen lassen, werden wir für unser Leben und für die Kirche auch einen guten Fang einbringen.
153 Fische waren es, mit denen laut dem heutigen Evangelium das Netz gefüllt war. Die Zahl fällt auf, denn zum einen wird damals niemand den Fang schon im geschlossenen Netz ge-
zählt haben (das geschah immer beim Verladen für den Verkauf), zum anderen ist 153 eine symbolische Zahl aus 3 x 3 x 17,
was in der Zahlensymbolik der Bibel absolute Vollkommenheit bedeutet. Außerdem nahm man damals an, es gäbe 153 verschiedene Völker auf der Erde.
So sagt uns das heutige Evangelium zum Schluss: Mach dir nicht immer nur Sorgen um Misserfolge bei deinen Anstrengungen! Sieh doch mal genauer hin!
Wenn du dich auf Jesus wirklich einlässt und wenn du auch tust, was er dir sagt, wird letztlich alles gut, gibt es tatsächlich ein happy-end, das diesen Namen auch verdient. Am Ende wird alles vollkommen, wird alles so, wie der Herr es haben will. Das Heil kommt, und zwar zu dir und zu allen Völkern! Amen.

Predigt Pfr. Matthias Grieser: „Ein Tatmensch lernt…“
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Predigt Pfr. Christoph Schieder: „Berater“
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Predigt Eberhard Gottsmann: „153 Fische?“
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Predigt Schuldekan Michael Pfeiffer: „Hunger“
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerks (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Predigt/Leseprobe aus „Dienst am Wort“
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Christ konkret – das christliche Veranstaltungsportal
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Es eilt: "Herr Ober, haben Sie was zu essen, was schnell geht? Ich muss gleich weg." - "Da nehmen Sie am besten unser Salamibrot, das muss auch weg."

Edler Charakter: Zwei Engländer spielen gerade Golf.
Als ein Trauerzug vorüberkommt, nimmt der eine Engländer seine Mütze ab und verharrt ein paar Sekunden andächtig und völlig regungslos.
"Das war aber eine nette Geste von Ihnen", sagt der andere.
"Was heißt hier Geste?", antwortet der erste besinnlich,
"in ein paar Tagen wären wir schließlich fünfundzwanzig Jahre verheiratet gewesen."

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