28.05.2011

Christi Himmelfahrt - 2.6.2011

(Fortsetzung)

In allen Bereichen, z.B. in der Europäischen Union, wird mehr oder weniger erfolgreich versucht, mit Verordnungen und Paragraphen Ordnung für das menschliche Miteinander zu gewährleisten.
Und immer wieder haben Theologen sich darüber den Kopf zerbrochen, wie denn nun Glaubenswahrheiten wie die göttliche Dreifaltigkeit zu verstehen sind. In tiefen und sehr weitläufigen Gedankengängen wurde darüber immer und immer wieder nach-
gedacht. Sicher war man dabei durch immer neue Anläufe wesentlich erfolgreicher als das Reichs-
gericht 1879 mit der Definition der Eisenbahn.
Doch wie Menschen so sind, beließen sie es nicht nur beim Nachdenken. Die Kirche war in der Zeit des berühmten Konzils von Nicäa (325 n.Chr) so heftig über die Frage der Dreifaltigkeit zerstritten, dass es sogar zu Prügeleien, Verbannungen und Kirchenausschlüssen kam. Es tobte ein regelrechter Meinungs-
kampf insbesondere um die Stellung Jesu innerhalb der göttlichen Dreifaltigkeit. Sogar der damalige Kaiser Konstantin war wegen der Gefahr einer größeren Krise so sehr beunruhigt, dass er mit seiner politischen Autorität für eine klare Glaubens-
aussage des Konzils sorgte, um endlich wieder Ruhe in die Kirche zu bekommen. Als Folge davon kennen wir alle seit
jenem Konzil das „Große Glaubensbekenntnis“ („GOTTESLOB“ Nr. 356), das insbesondere an Hochfesten wie heute statt des kürzeren apostolischen Glaubensbekenntnisses gesprochen wird.
Doch manchmal ist es eben mit solchen komplizierten Denk-
gebäuden im Glauben doch ein wenig wie mit der gerichtlichen Definition der Eisenbahn. Alles ist hundertprozentig richtig, und doch entsteht bei Nicht-Theologen leicht das Gefühl, der Aus-
sage fehle gewissermaßen die Seele.
Es ist, als habe man eine schöne Scheibe Brot versprochen bekommen, aber man erhält dann doch leider nur ringsherum den harten Rand, die zähe Kruste der dogmatischen Formulierungen, an der man schwer zu kauen hat. Das leckere und bekömmliche Innere der Scheibe Brot, das schon ein Baby genüsslich kauen kann, ist dabei irgendwie abhanden gekommen.
Da ist es nur gut, sich am heutigen Sonntag auf den Text des Evangeliums zu besinnen. Es handelt sich um die allerletzten Sätze des Matthäus-Evangeliums, nach der Auferstehung Jesu. Das wissen wir alle: Die letzten Worte haben ein ganz beson-
deres Gewicht. Wenn jemand sagt: „Das ist mein letztes Wort!“, dann ist da keinen Millimeter mehr Platz für weitere Verhand-
lungen.
Das Evangelium schildert heute, wie die Jünger Jesu zurück nach Galiläa ziehen. Sie gehen gemeinsam auf einen Berg, den sie schon von Jesus kennen. In der Stille und Einsamkeit des Berggipfels fühlen sie sich wie viele andere Menschen Gott besonders nahe. Tatsächlich dürfen sie dort dem Auferstandenen begegnen. Doch ganz genau steht im Text, dass sie Jesus sehen. - Das ist schon ein Unterschied: Sehen im biblischen Sinne ist mehr, sehen ist erkennen, sehen hat zu tun mit dem tieferen Wahrnehmen der Person.
Kein Wunder also, dass die Jünger vor Jesus niederfallen. Sie sind in diesem Moment dabei, Jesus wirklich zu sehen. Sie sind dabei, ihn in seiner ganzen machtvollen göttlichen Größe plötz-
lich vor Augen und Herz zu haben.
Dieses Sehen, diese neue Sicht haut die Jünger einfach um. Nur zu ver-
ständlich also, dass sie vor Jesus niederfallen, wie das Evangelium erklärt.
Auch da lohnt es, auf die Feinheiten
zu achten: Niederfallen ist nicht der Wechsel vom Stehen zum Knien,
wie wir das aus dem Gottesdienst kennen.
Niederfallen – das ist etwas Spontanes, etwas ganz und gar Unvermeidliches, die einzig mögliche Reaktion auf einen gewaltigen Sinneseindruck. Sie stürzen zu Boden. Sie knien nicht, sondern sie liegen der Länge nach bäuchlings auf der Erde. - Kleiner kann man sich nicht machen, um seine Ehrfurcht auszudrücken. Wir kennen das auch von der Priesterweihe und anderen Weihehandlungen (z.B. Diakon), wo die Kandidaten sich flach auf den Boden legen.

Die letzten, entscheidenden Worte Jesu an seine Jünger werden jetzt gesprochen. Jesus lenkt ihren Blick auf das, was kommen wird. Er sagt: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befol-
gen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Das ist eine geballte Ladung an klärender Information und präzisem Auftrag. Zuerst bestätigt Jesus seine Gottheit. Ihm ist alle Macht gegeben. Alle Macht im Himmel und auf der Erde.
Das Wort „gegeben“ signalisiert aber auch die innige Verbindung mit seinem Vater. Nicht aus eigener Initiative heraus, sondern in allerengstem Miteinander innerhalb der göttlichen Dreifaltigkeit wirkt Jesus. „Ich und der Vater sind eins“, sagt demgemäß Jesus an anderer Stelle (Joh 10,30).
Was immer der Vater will, das will der Sohn, das will auch der Heilige Geist. Da ist absolute Harmonie, für uns unfassbar innige liebende Gemeinsamkeit, aber auch die vollkommene Macht, die alles im Himmel und auf Erden umschließt und in Händen hält. Gott ist Liebe und Glück in ewiger Vollendung.
Interessant ist auch, dass Jesus zu den Jüngern sagt:
Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern…“
Dreieinigkeit ist nichts Abstraktes. Gott hat ein Ziel, sonst hätte er die Welt nicht er-
schaffen. Gott ist kein Gott, der öfter mal Langeweile hat und deshalb die Erde von ferne lenkt wie ein Kind sein Fernlenkauto. Er sitzt auch nicht einsam auf seinem himmlischen Vorstands-Sessel und schüttelt dabei immer häufiger sein Haupt, wenn er die Menschheit von oben herab betrachtet. Die ganze Schöpfung ist von ihm aus überströmender Liebe geschaffen, und die Menschen sind es erst recht. Jesus sagt ja im heutigen Evan-
gelium, darum sollten alle Menschen zu seinen Jüngern gemacht werden, weil Gott über alle wirkliche Macht im Himmel und auf Erden verfügt.
Alle Menschen sollen zu gläubigen Jüngern Jesu werden. Das heißt doch: Gott hat etwas vor. Jeder Mensch liegt ihm wirklich
so sehr am Herzen, als gäbe es nur ihn oder sie allein auf der ganzen Welt.
Wirklich niemand soll außen vor bleiben, wenn es um den Himmel geht. Alle sollen das große Los ziehen dürfen, alle sollen das Glück haben, in Gottes Angesicht sich auf ewig wie im sieb-
ten Himmel fühlen zu dürfen, in seligem Glück ihn und sein Erbarmen lobpreisend.
Um genau das geht es: der dreieinige Gott ist die Liebe in Vollendung. Er liebt uns so sehr, dass er sein Glück im Himmel mit uns Menschen teilen möchte. Gott möchte, dass jeder Mensch schließlich und endlich den Weg zu ihm nach Hause findet und an Gottes Glück teilhat. Früher haben mehr Menschen um diese Wahrheit gewusst als heute. Da hieß es nach dem Tod eines Menschen: Er oder sie ist heimgegangen, also in sein wirkliches Zuhause. Heute wird im Text der Todesanzeigen oft genug einfach nur noch gestorben.

Alle Jünger Jesu bekommen im heutigen Evan-
gelium einen ganz konkreten Auftrag: „…macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes…“
Bei Gott ist die Erdenzeit also immer auch Erntezeit. Menschen sollen gefischt werden für das Himmelreich. Alle Menschen sollen von Gott erfahren und sich dann als Jünger zu ihm bekennen. Durch die Taufe im Namen des dreieinigen Gottes werden sie dann endgültig seiner Obhut anvertraut.
Manche hören das heute mit gemischten Gefühlen, wenn zur Bekehrung anderer Menschen aufgerufen wird. Man tut so,
als sei das ein schwerer Eingriff in die Intimsphäre fremder Menschen. Doch es gibt hier keinen Spielraum für Verharm-
losung und Abschwächung. Jesus meint es wirklich so: Aufgabe der Jünger, also auch heute Aufgabe der Kirche und damit unsere Aufgabe ist es, so vielen Menschen wie möglich den Weg zu Gott aufzuzeigen.
Natürlich gilt das Sprichwort: Gebranntes Kind scheut das Feuer. Es ist traurig und wahr, dass im Namen der Mission im Laufe der Jahrhunderte auch viel Unrecht geschehen ist. Dazu gehört z.B., dass Menschen mit Gewalt zu Christen gemacht wurden, wie wir das auch von anderen Religionen kennen.
Wir neigen heute dazu, es jedem selbst zu überlassen, was er glaubt oder nicht glaubt. Das klingt menschenfreundlich und tolerant. Man kommt niemanden in die Quere und erwartet auch von anderen, gefälligst in Ruhe gelassen zu werden. Schließlich sind wir doch keine Zeugen Jehovas, die zu zweit von Haus zu Haus gehen.
Was da so tolerant klingt, ist es in Wirklichkeit aber nicht.
Wie sind wir selbst denn zum Glauben gekommen?
Na sicher – durch andere Menschen, die uns diesen Weg gezeigt haben. Was wäre wohl aus uns geworden, wenn die Genera-
tionen vor uns gedacht hätten wie so viele heute?
Was wäre wohl aus uns geworden, wenn nicht im Laufe der Jahrhunderte so viele ihren Glauben an den liebenden Gott sogar mit ihrem Leben bezeugt hätten? - Jesus hat es uns heute noch einmal ganz bewusst gemacht: Es ist weniger die Frage,
wie wir den dreifaltigen Gott mit vielen klugen Worten zu beschreiben versuchen. Wichtiger ist es, ob wir ihn überhaupt ernst nehmen. Was ist dieser liebende Gott, der auf uns und alle wartet, für mich persönlich?
Halte ich ihn mir nur für alle Fälle vorsorglich mal warm - oder versuche ich, ihm die gebührende Liebe und Ehre zu erweisen?
Sein sehnlichster Wunsch ist es, möglichst vielen seiner so geliebten Menschen Anteil an seiner Freude zu schenken. Unsere Aufgabe ist es, mit Gottes Hilfe das Evangelium zu verbreiten und Wegweiser für andere zu sein. Es darf uns eben nicht wurstegal sein, ob unsere Mitmenschen zum wahren Gott finden oder nicht, ob sie auf ewig glücklich werden oder nicht.
Den schönsten Schluss für diese Predigt hat übrigens Jesus heute selbst gesprochen. Sicher hat er dabei auch daran gedacht, wie leicht wir Christen mutlos werden können, statt Flagge zu zeigen. Seine Zusage sollten wir darum nie vergessen. Jesus verspricht allen seinen Jüngern: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Predigt Diakon Lengauer: „Nicht als Waisen…“ (pdf)
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Predigt Pfr. Dr. Jörg Sieger
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Predigt Pater Gottfried Eigner OSA
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Predigt Pfr. Hans Stehle: „Verschiedene Wege…“
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Bischof Kurt Koch: Demissionieren oder missionieren? (pdf)
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Vortrag Kardinal Schönborn: Mission als zentrales Thema…
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Sekten in Lateinamerika: Werden Katholiken verlieren?
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Vier Studien: Warum konvertieren Muslime?
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Sanct Augustin und das Knäblein

„Der heilige Augustinus, der fromme Bischof und erleuchtete Kirchenvater, erging sich eines Tages am Ufer des Meeres, sinnend und nachdenkend, wie er das große Geheimniß von dem dreieinigen Gott ergründen möge. Da, wie er einige Zeit lang in diesen Gedanken vertieft dahinwandelte, bemerkte er am Gestade ein Knäblein sitzen, das emsig aus dem Meer in ein Grüblein Wasser schöpfte. Der heilige Mann schritt sofort auf das Knäblein zu, und fragte dasselbe: was sein Beginnen sei, und warum er also emsiglich Wasser schöpfe? Der Knabe erwiderte: Ich will das Meer ausschöpfen in dieses Grüblein. Darob lächelte Augustinus, und sagte: Wie magst du also thun und erhoffen, das ganze weite und tiefe Meer auszuschöpfen in dieses winzige Grüblein?
Hierauf versetzte der Knabe: Und wie magst du so thöricht sein und verhoffen, du werdest das große und tiefe Geheimniß des dreieinigen Gottes ergründen mit deinem winzigen Verstande?
Der heilige Kirchenvater ward betroffen von dieser Antwort; und als er, wieder erwachend aus seinem Erstaunen, das Knäblein nicht mehr sah, welches verschwunden: so merkte er wohl, es habe ihn Gott durch einen Engel warnen und belehren lassen, daß der Mensch nicht versuchen solle, den Schleier zu lüften vor dem Allerheiligsten, das selbst den Engeln verdeckt bleibt zur Anbetung.“
(Quelle: Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein. Bd. 2, Leipzig
[um 1878/79], S. 48-49.

Was ist der Unterschied zwischen der Mission und dem Generalvikariat? - Die Mission macht die Wilden fromm.

Vor dem Eingang des Generalvikariats in ... wurde ein Baby in einem Körbchen gefunden. Kurze Zeit später wurde dort eine Sitzung aller Abteilungen einberufen und das Projekt "Moses" gestartet mit dem Ziel, die Herkunft des Babys zu klären. Bereits nach wenigen Projektsitzungen stand das wichtigste Ergebnis fest: das Baby konnte nicht aus dem Generalvikariat stammen, denn 1.) es sei unvorstellbar, dass im General-vikariat etwas innerhalb von neun Monaten fertig werde; 2.) es sei ebenso unvorstellbar, dass etwas mit Lust und Liebe gemacht werde; 3.) es habe noch nie ein Ergebnis gegeben, das Hand und Fuß hatte.


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