16.03.2011

2. Fastensonntag A - 20.3.2011

(Fortsetzung)

Jesus nahm seine drei engsten Vertrauten „beiseite“, heißt es. Genauer müsste es heißen: er nahm sie
„zu sich“, mit hinein in das Geheimnis um seine Person.
Denn genau darum geht es hier. - Kaum sind sie oben ange-
kommen, wird Jesus vor den Augen der verblüfften Jünger „verwandelt“ .
Es ist, als dürften sie einen Blick hinter die Kulissen der Person Jesus werfen. Plötzlich ist Jesus blendend weiß und leuchtet wie
die Sonne. Er ist nun gewissermaßen sichtbar eingetaucht in das göttliche Licht des Vaters. Im griechischen Originaltext ist von „Metamorphose“ die Rede, was bedeutet, dass Jesus nun ganz
im Lichtglanz seine ihm angemessene Gestalt zeigt, die man normalerweise nicht sehen kann.
Doch nicht genug damit. Mose und Elija treten sogar vor den Augen der Jünger auf und sprechen auch noch mit Jesus. Mose und Elija sind größte Autoritäten im Alten Testament – und nun erleben die Jünger sie vertieft ins Gespräch mit Jesus, also in ganz intensiver Gemeinschaft.
Petrus staunt genau wie die anderen. Aber im Gegensatz zu ihnen hält er nicht den Mund, sondern vor lauter Begeisterung über dieses sensationelle Erlebnis platzt es einfach aus ihm heraus: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind.“ - Etwas flotter als die Einheitsübersetzung könnte man es frei so formulieren: „Einfach herrlich hier! Was für ein Lichtglanz! Hier fühlt man sich schon fast wie im Himmel!“
Petrus ist wie die anderen einfach nur überwältigt von dieser himm-
lischen Erscheinung. Sicher ging eine Welle von unbeschreiblichem Glücksgefühl durch ihn und die anderen hindurch. - Wer von uns möchte das nicht auch mal erleben? Ein Stück Himmel auf Erden und ein Stück vorweg genommenes Ostern! - Wenn man diesen so kostbaren Moment doch nur festhalten könnte!
Petrus möchte am liebsten nie mehr hier weg, zumal er durch Jesu Ankündigungen weiß, dass dieser
einen ganz bitteren Weg bis zum Kreuz
vor sich hat.
Petrus möchte auf dem Gipfel der Verklärung Jesu bleiben und hat als praktisch denkender Handwerker sofort eine Lösung parat:
Hier könnte man doch drei solide Hütten bauen, um das Glücks-
gefühl weiter auszukosten. Also macht er Jesus diesen handfesten Vorschlag und platzt damit sogar etwas naiv einfach mitten in das Gespräch hinein, das Jesus gerade mit Mose und Elija führt. –
Wie gut können wir dich verstehen, Petrus!

Bevor Jesus dem vorwitzigen Petrus eine Antwort geben kann,
folgt jedoch etwas, dass die Jünger zutiefst erschreckt. In einer leuchtenden Wolke hören sie eine himmlische Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ Voller Angst werfen die Jünger sich zu Boden und bedecken eilig ihr Gesicht.- Vielleicht denken wir jetzt: Warum sind die Jünger erst jetzt so geschockt? Die Erlebnisse davor waren
doch nun wirklich dramatisch genug!
Kein Zweifel: Sie haben sofort in dieser Sekunde mit ihrem Verstand und am ganzen Leib verspürt, dass diese Erscheinung kein Prophet oder Engel ist, sondern der gewaltige Gott selbst. - Immer wieder erfahren wir in der Bibel von Menschen, die solch ein Gottes-Erlebnis hatten und ähnlich reagierten, zum Beispiel Mose am brennenden Dornbusch. Wer nämlich Gott auch nur eine Sekunde lang in seiner Allmacht und Größe erlebt, der weiß mit einem Schlag, wie unendlich klein der Mensch ist und gerät deshalb völlig aus der Fassung.
Interessant ist aber auch die Reaktion Jesu: Kein Wort der Kritik an seinen Jüngern, sondern er fasst sie an und hilft den regelrecht Geschockten beim Aufstehen. Offenbar verlassen sie dann sofort den Gipfel des Berges.
Petrus hat es offensichtlich die Sprache verschlagen; kein Wort mehr von ihm über einen Hüttenbau - das hatte er sich doch eigentlich etwas anders vorgestellt!
Am Schluss des Textes steht die Mahnung Jesu, zum jetzigen Zeitpunkt niemand von diesem himmlischen Erlebnis zu erzählen. Er weiß nur zu gut, dass dies von anderen, die hier nicht dabei waren, nur nach Ostern, erst nach der Aufer-
stehung, wirklich verstanden werden kann.
Mitten in der Fastenzeit erreicht uns dieser wuchtige Text, mit dem wir schon einen kleinen Blick auf die Osterfreude werfen dürfen. Ja, auch wir selbst sind im Glauben oft genug wie Petrus, und wir wollen am liebsten in den schönsten Erfahrung so etwas wie Hütten bauen. Es ist nur allzu verständlich, dass wir Glücksmomente festhalten wollen – frei nach dem Lied: „So ein Tag, so wunderschön wie heute…“
Wie sehr sehnen wir uns nach Gipfelerlebnissen im Glauben!
Wie sehr erfreut uns ein ergreifender Gottesdienst oder ein anderer „Lichtblick“ im Glauben! - Jesus hat sicher nichts dagegen – ganz im Gegenteil: einige seiner Vertrauten hat er ja auch auf den Gipfel geführt, und immer wieder gibt es in der Kirchengeschichte Heilige, die ihn erklimmen dürfen.
Die Motivation, warum Jesus das tat und tut, dürfen wir aber dabei nicht übersehen: das Gipfel-Erlebnis ist nur eine Station, gewisser-
maßen eine Raststätte auf unserem Pilgerweg des Alltags. Niemand darf für immer auf dem Berg bleiben. Wir können dort zwar Kapellen bauen, aber wir selbst müssen wieder zurück ins Tal, zurück in den oft auch mühsamen Alltag.
Der Glaube kennt nicht das gemütliche Ruhekissen. Selbst von der bekannten Mutter Teresa aus Indien wissen wir durch ihre Briefe, die nach ihrem Tod veröffentlicht wurden, wie sehr sie die Nacht des Zweifels erlebte und um ihren Glauben kämpfen musste.
Wir lechzen nach dem Licht, nach dem Fest, nach dem religiösen Erlebnis. Doch Jesus holt uns wieder he-
runter auf den Boden des Alltags mit all sei-
nen Sorgen: Die Erde ist nun mal nicht der Himmel! - Alle menschlichen Versuche, die Erde zum Himmel machen zu wollen, sind kläglich gescheitert.

In der Fastenzeit sind wir mitten auf einem langen Weg, und in unserem Erdenleben auch. Doch mit diesem heutigen Evangelium dürfen wir schon mal eine Art „Vorschau“ sehen, so eine Art Programmtipp wie beim Fernsehen.
Das heutige Gipfel-Erlebnis sagt uns: Achtung! Schau schon mal her auf diesen kleinen Ausschnitt aus dem kommenden Programm! Pass auf, das Eigentliche wird demnächst erst kommen - herrlich! Versprochen!

Materialien „Alles um die Kinderkirche“ (pdf)
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Predigt Eberhard Gottsmann: „Der transparente Jesus“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Prof. Dr. Ludwig Volz: „ausgelegt“
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerks (pdf)
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Prof. Dr. Dr. Klaus Müller: „Was den Tabor wahr macht“
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... und gleich zweimal ein Blick auf den Berg Tabor:


Einleuchtend: Im Unterricht stellt der Lehrer die Frage: „Was sagt uns das Sprichwort: Ehrlich währt am längsten?“ – Fritzchen:
„Wenn ich die Hausaufgaben nicht von meiner Freundin abschreiben kann, brauche ich viel länger.“


Kirchenreform: Ein Mann kauft sich einen Ferrari und will unbedingt einen Segen dafür haben. Er geht zu einem alten Pfarrer, aber der fragt ihn vorher: „Was ist denn ein Ferrari?" – Nachdem der Mann es ihm mit großer Begeisterung erklärt hat, schüttelt der Priester den Kopf: Nein, dafür gäbe es bei ihm nun wirklich keinen Segen.
Der Mann ist von der Kirche enttäuscht, aber seine Frau macht einen moderneren Pfarrer in der Umgebung ausfindig. Als der Reiche ihn aufsucht, will er vorsichtshalber für den Gottesmann sofort schon mal klarstellen, was ein Ferrari ist. Der Priester stoppt den Rede-
fluss: „Natürlich weiß ich, was ein Ferrari ist, aber sagen Sie mal, was ist denn ein Segen?"


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