05.03.2011

Auf Kosten der Armen: Die Bio-Sprit-Narretei...

(Fortsetzung)

Wie einige andere auch, fordert MISEREOR die Bundesregierung jetzt auf, die Biokraftstoffquote zurückzunehmen. Es habe sich gezeigt, dass der Anbau von Pflanzen zur Energie-Gewinnung in eindeutiger Konkurrenz stehe mit dem Anbau von Nahrungspflanzen.
Die Folge: In vielen Ländern der Dritten Welt sind jetzt schon die Bodenpreise und damit die jährlichen Pachtkosten für Ackerflächen in die Höhe geschnellt, weil Großinvestoren riesige Flächen haben wollen, um mit den Bio-Treibstoffen schnell hohe Gewinne erzielen zu können.
Auch die Weltbank warnt. Schon 2008 hatte man festgestellt, dass die Herstellung von Treibstoff aus Pflanzen die Nahrungsmittel welt-
weit dramatisch verteuert habe, teilweise um bis zu 75 %.
Und dies trifft natürlich wieder einmal ausgerechnet die Ärmsten der Armen, die nun für ihre Reis- oder Mais-Ration horrende Preise zahlen müssen. Da die nötigen Rohstoffmengen für den deutschen Bio-Sprit (in einigen anderen westlichen Ländern sieht’s ähnlich aus) bei weitem nicht von deutschen Ackerflächen beschafft werden können, folgt auf die internationale Verteuerung von Grundnahrungs-
mitteln auch noch die Öko-Katastrophe: Riesige zusätzliche Flächen von Regenwald werden jetzt gerodet, um die Gier des Westens nach Energie-Pflanzen befriedigen zu können.
Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt nach Erstellung einer Studie, die Nahrungsmittelsicherheit von Ent-
wicklungsländern sei gefährdet, wenn nun im Anbau die folgen-
schwere Entscheidung „Tank gegen Teller“ anstehe.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammer-
tages (DIHK)
, Hans Heinrich Driftmann, demonstriert die praktische Auswirkung am Beispiel seines Unternehmens, der bekannten Köllnflocken-Werke: „Wir bekommen in Deutschland so gut wie keinen Hafer mehr. Unser Getreide müssen wir jetzt teurer aus dem Ausland beziehen... Was sich in vielen Ländern der Welt abspielt, ist dramatisch. Ich befürchte, in spätestens drei Jahren könnten wir eine globale Hungerkatastrophe erleben… Solange die Ernährung der Welt nicht gesichert ist, dürfen wir Agrarflächen nicht für andere Zwecke verwenden…“
(im Interview mit der „Wirtschaftswoche“, siehe Linktipps).
Doch wie es derzeit scheint, will die Politik ihren eingeschlagenen Weg stur fortsetzen. Das ist mehr als nur eine Narretei, das ist langfristig für uns etwas teurer, aber für viele arme Menschen existenzbedrohend.
Wo bleiben hier eigentlich die Unterschriften-Listen von Theologie-Professoren und die Doktoranden, die sich so aufgeregt haben?
Hier geht es um das menschenwürdige Leben vieler Millionen Menschen. Aber das ist eher nicht so wichtig, oder sehe ich das falsch?
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Stellungnahme von MISEREOR
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Studie des IFW Kiel
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„Wirtschaftswoche“: E 10 = größter anzunehmender Unsinn“
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„Wirtschaftswoche“-Interview mit DIHK-Präsident
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