20.04.2011

Ostern 2011

Das ist Gottes Radikalkur: der Zeit der Finsternis, der Zeit des Todes wurde von Gott ein definitives, spektakuläres Ende gesetzt. Jesus ist auferstanden! Gottes unfassbar große Liebe hat den Tod besiegt – halleluja!
Zwei Frauen waren es, die die ersten Zeugen der Auf-
erstehung sein durften. Das ist mal wieder ein schönes Beispiel für Gottes Humor, denn damals war es so, dass die Aussagen von Frauen z.B. vor Gericht nicht so viel galten wie die Aussagen von Männern. Doch offenbar ist Gott nicht bereit, auf unseren menschlichen Firlefanz (Albernheit, Kinderei) Rücksicht zu nehmen, wenn er etwas beschlossen hat. Was für ein Glück…!
Die Obrigkeit hatte beim Verhör Jesu vor seiner Kreuzigung durchaus sehr genau hingehört und wusste so, dass Jesus
dabei seine Auferstehung nach drei Tagen angekündigt hatte.
Die römischen Soldaten als Wächter vor dem Grab waren harte Jungs, durchtrainierte Berufssoldaten und jetzt mit dem klarem Auftrag am Grab, einen eventuellen Diebstahl des Leichnams Jesu zu verhindern. Man meinte also bei den religiösen und politischen Führern in Jerusalem: Von wegen angeblicher Auferstehung – diesen Trick seiner Jünger werden wir zu verhindern wissen!
Bei der Zeitumstellung Gottes kommen sie nicht sonderlich gut weg, die be-
waffneten Profis. Als Gott einen leib-
haftigen Engel schickte, kippten die Soldaten der Reihe nach vor Angst bewusstlos um, so geschockt waren sie. Dadurch können wir uns heute leicht ausrechnen, wie erschütternd im wahrsten Sinne des Wortes eine Engel-Erscheinung selbst für kräftige Kämpfer ist.
Der Engel als Bote Gottes wendete sich sofort an die beiden Frauen: Sehr gesprächig war er allerdings nicht. Wie Engel das offenbar so an sich haben, sagte er, was zu sagen war, klar, kurz, präzise. Die Menschen bekommen von den Engeln offenbar immer nur das gesagt, was sie jetzt gerade wissen müssen,
mehr nicht. Keine näheren Erläuterungen, schon gar keine Details, wie die Auferstehung konkret abgelaufen ist.
Das bedauern nicht nur unsere gelehrten Theologen heute.
Es ist wohl so, dass die Engel genau wissen: wir würden es ohnehin nicht verstehen.
Wir können immer nur wie durch ein Schlüsselloch gucken und einen ganz kleinen Teil der faszinierenden Welt Gottes bestaunen dürfen. Und dieser Bruchteil ist schon einfach unfassbar!
Die beiden Frauen sollten sich auf Geheiß des Engels im Grab umsehen und dann die Jünger über die Auferstehung infor-
mieren, und zwar schnell. Deshalb heißt es anschließend auch: „Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“
Ebenso plötzlich und unerwartet
wie die kurze Begegnung mit dem Engel bekamen die beiden Frauen noch ein größeres Geschenk Gottes: die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst! - Wir sehen auch hier, dass das Geschehen nicht von uns Menschen ausgeht. Gott selbst wird tätig, wenn der richtige Zeit-
punkt gekommen ist.
Was wir wie die beiden Frauen tun können: Genau hinhören,
und genau tun, was Gott uns mitteilt. Wir haben heute ja sein lebendiges Wort, die Frohe Botschaft des Evangeliums. Wer an die Zeitumstellung denkt und sich auf Gottes Osterzeit umstellt, der tappt nicht mehr im Dunkeln, sondern dem geht ein gewalti-
ges Licht auf: Jesus lebt, Jesus ist wirklich auferstanden!
Gott hat auf seine ganz spezielle Art JA und AMEN gesagt zu allem, was Jesus uns gelehrt hat. Wir Christen haben wirklich allen Grund zum Jubel – halleluja und Ihnen allen eine frohe Osterzeit!

---------------------------------------------------------------------------------------

Ostersonntag

Apg 10,34a.37-43 - Kol 3,1-4 - Joh 20,1-18

Evangelium Joh 20,1-18: Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, daß der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab wegge-
nommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wußten noch nicht aus der Schrift, daß er von den Toten auferstehen mußte. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, daß es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Osterfrauen, Ostermänner

Wissen Sie eigentlich, warum Jesus nach sei-
ner Auferstehung zuerst einer Frau erschienen ist? - Ganz einfach: Damit die Nachricht möglichst schnell unter die Leute kam…

Was in diesem Scherz etwas frauenfeindlich daherkommt, ist bei näherer Betrachtung eher das Gegenteil: Jesus hat in seinem Erdenleben vielfach gezeigt, dass für ihn im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen Frauen eben keine Menschen zweiter Klasse sind, die damals z.B. noch nicht einmal vor Gericht als Zeugen zuge-
lassen waren. Viele Bibelstellen zeugen davon, wie Jesus ohne Vorbehalte mit Frauen im Gespräch war. Ganz selbstverständlich gehörten auch Frauen zum Kreis derer, die ihn nach Kräften unterstützten oder sogar mit ihm und den Jüngern von Ort zu Ort zogen.
Am heutigen Ostermorgen bringt uns der Evangelist Johannes unter anderem eine Frau in Erinnerung, die Jesu Hilfe und Güte erfahren hatte und ihm seitdem wie die anderen Jünger folgte: Maria Magdalena, eine unverheiratete Frau aus dem Fischerdorf Magdala, wie ihr Nachname uns verrät. Es lohnt sich, einen näheren Blick auf sie zu werfen. Wie wir sehen werden, ist sie eine sehr mutige, engagierte Frau, die sich auch von größeren Problemen nicht so leicht unterkriegen lässt.
Dabei fing alles wenig erfreulich an. Maria Magdalena wurde , wie wir aus dem Lukas-Evangelium (Lk 8,2) wissen, von dämo-
nischen Mächten gequält, die ihr tägliches Leben bestimmten. Ihre Krankheit muss sehr heftig gewesen sein, denn die Bibel erzählt von insgesamt sieben Dämonen, die Jesus bei ihr austrieb.
Aus einer Frau, die bis dahin ganz entsetzlich zu leiden hatte und sich sicher kaum noch aus dem Haus traute, wurde nach der Berührung durch Jesus eine begeisterte und treue Jüngerin. Maria Magdalena hatte die Heilkraft Jesu am eigenen Leib erfahren. Das war wie eine Befreiung aus der Sklaverei für sie!
Nun wollte sie ihm und seiner Sache dienen. Zusammen mit anderen Frauen unterstützte sie ihn nach Kräften und kümmerte sich z.B. um die Versorgung aller. Ausdrücklich wird in der Bibel erwähnt, dass sie dabei für Jesus ihr Hab und Gut einsetzte, d.h. sie war offenbar wohlhabend und finanzierte vieles aus eigener Tasche.
Wie mutig Maria Magdalena war, wird uns aber erst so richtig bewusst, wenn wir an die Kreuzigung Jesu denken. Während sich die meisten der männlichen Jünger aus Angst um ihr eigenes Leben vom Kreuz lieber fernhielten, gehörte sie zu den starken Frauen, die tapfer bei Jesus am Kreuz ausharrten.
Da die Römer wollten, dass Gekreuzigte ohne jeden Beistand starben und niemand um sie trauern sollte, war dieses Verhalten sehr riskant. Wachsoldaten vor dem Kreuz und vor dem Grab konnten Sympathisanten einfach festnehmen. Und die Römer waren mit ihren Strafen wenig zimperlich, wie wir wissen. Dennoch: Maria Magdalena und einige wenige Getreue, fast nur Frauen, harrten in der Nähe des Kreuzes aus und ließen Jesus in seiner Todesstunde nicht allein.
Im heutigen Evange-
lium erfahren wir, dass sich diese Maria Magdalena in großer Trauer um ihren Herrn noch in der Morgen-
dämmerung des Ostertages auf den Weg zu Jesu Grab macht. Die Herren der Schöpfung unter den Jüngern Jesu haben sich voller Angst und sicher auch aus Enttäuschung irgendwo verkrochen oder sind sogar zum Teil in den Alltag ihrer Heimatorte zurückgekehrt.
Für alle steht leider fest: nun ist alles aus. Alles war vergebens. Jesus ist tot. Mit ihm sind alle unsere Hoffnungen begraben.
Maria Magdalena ist voller Trauer um den Herrn, und sie tut, was auch wir bei unseren lieben Verstorbenen tun: Sie besucht das Grab, um zu trauern und zu beten. Sie verdrängt ihre Trauer nicht, sondern diese Frau steht dazu und will wenigstens jetzt bei ihrem Herrn sein, der in den letzten Monaten zum Sinn, zur Mitte ihres Lebens geworden ist. Ihre Treue macht auch vor dem Tod nicht halt. So ist das heutige Evangelium ein deutliches Lob auf Maria Magdalena und auf all die starken Frauen, die ausharren, wo die meisten Männer längst aufgegeben haben, sei es in der Familie, in der Arbeit für die Kirche oder sonstwo.
Als Maria Magdalena in der Dämmerung am Grab angekommen ist, wartet jedoch der nächste Schicksalsschlag auf sie: Die Grab-
höhle ist nicht mehr verschlossen, und der schwere Stein zum Verschluss des Eingangs ist wegge-
schoben worden. Ohne ins Grab hineinzuschauen, ist ihr klar:
Da waren Grabräuber am Werke. Der Leichnam Jesu ist verschwunden. Ihre Trauer wird immer größer: Nun kann sie ihren Herrn noch nicht einmal mehr an seinem Grab besuchen!
Im Evangelium heißt es weiter: „Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ - Für Maria Magdalena gilt jetzt Alarmstufe Rot: Entsetzt rennt sie zu Simon Petrus, so schnell sie kann. Wörtlich übersetzt heißt es sogar: „Sie stürzte vom Grab weg…“ – da können wir heute noch ihre helle Auf-
regung verspüren. Offenbar weiß sie auch ganz genau, wo die meisten Jünger sich aufhalten, denn sie eilt zielstrebig zu Simon Petrus. Sie informiert ihn rasch und benutzt dabei den Ausdruck „…und wir wissen nicht…“, was uns anzeigt, dass sie wohl zusammen mit anderen Frauen am Grab war, die der Evangelist aber nicht ausdrücklich mit Namen benennt.

Wie unfassbar ihre Nachricht ist, zeigt die Reaktion: Die beiden Männer gehen nicht zum Grab, sondern im Evangelium heißt es: „… sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab.
Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.“

Simon Petrus war ja nicht mehr der Jüngste, da war es sicher nicht nur merkwürdig, ihn so rennen zu sehen, sondern es war auch klar, dass er mit dem hohen Tempo des Jüngeren nicht mithalten konnte. Dieses Wettrennen musste er also zwangs-
läufig verlieren…
Die kleine Szene ist dennoch sehr aufschlussreich für uns: Mit dem Warten des Schnelleren - er geht ja nicht ins Grab hinein, sondern beugt sich nur mal vor, um einen vorsichtigen Blick hineinzuwerfen - kommt die Autorität und Vorrangigkeit des Petrus unter den Jüngern zum Ausdruck. Das Rennen, also die höchste Eile der erwachsenen Männer, verrät aber auch, wie sehr die Jünger im Herzen doch an Jesus hängen, trotz ihrer Feigheit und Trägheit. Nun sind sie wie elektrisiert. Ihnen ist klar: Da ist etwas im Gange! Jetzt gilt es herauszubekommen, was da los ist!
Petrus geht als Erster in die Grabhöhle hinein. „Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle“, schildert das Evangelium seine merkwürdige Beobachtung.
Auch hier ist jedes Wort wichtig. Die Leinenbinden und das Schweißtuch sind also nicht nur im Grab vor-
handen, sondern auch noch an verschiedenen Stellen ordentlich zusammengefaltet abgelegt. Was hat das zu bedeuten?
Grabräuber als Täter dürften somit ausscheiden. Wer einen Toten stehlen will, wickelt ihn nicht im Halbdunkel der Grabeshöhle aus den Tüchern aus, um ihn dann nackt abzutransportieren. Und jemand, der es eilig hat, wird auch auf keinen Fall die Tücher nach bester Hausfrauenmanier fein säuberlich zusammengefaltet ablegen. Wer Angst vor Ent-
deckung hat, wird sich stattdessen selbstverständlich so schnell wie möglich mit seiner Beute aus dem Staube machen. Denn damals wusste jeder, dass dieses besondere Grab im Blickfeld römischer Wachsoldaten war.
Der Begleiter des Petrus ist nicht nur der Schnellere beim Laufen, sondern offenbar auch beim Nachdenken. Das Evange-
lium schreibt über ihn: „…er sah und glaubte.“ - Von Petrus hören wir zu diesem Zeitpunkt jedoch noch kein Wort. Er ist noch nicht so weit. Das ist genau wie im wirklichen Leben: Manche Auto-
ritäten und Amtspersonen brauchen halt zuweilen etwas länger…!
Jedenfalls sind die beiden Männer unschlüssig, welche Konsequenzen sie für sich aus dem Gesehenen zu ziehen haben. Sie entscheiden sich schließlich für die auch heute vielfach eingesetzte Methode: Jetzt am besten einfach erst mal abwarten! - So gehen sie erst einmal wieder nach Hause, denn hier am Tatort tut sich offenbar momentan ohnehin nichts.
Maria Magdalena jedoch geht nicht einfach wieder zur Tagesordnung über. Sie bleibt draußen vor dem Grab und weint. Unmöglich für sie, jetzt einfach nach Hause zu gehen! Zu groß ist ihr Schmerz über den Verlust! Ihre Welt ist hier zusammen-
gebrochen, alle ihre Hoffnungen sind dahin. Da kann man doch nicht einfach weiter-
machen, als wenn nichts gewesen wäre!
Sicher ist sie über das Verhalten der Männer enttäuscht, für die das ganz praktische Denken offenbar wichtiger ist als das Gefühl.
Maria Magdalena betritt das Grab nicht, die Stätte des Todes.
Zu aufgewühlt sind ihre Gefühle. Sie bleibt draußen, aber nach einiger Zeit wirft sie doch einen vorsichtigen Blick hinein. Da sieht sie, was die beiden Männer entweder übersehen haben oder aber nicht sehen konnten, weil ihre Blicke und ihre Gedanken auf die Tücher konzentriert waren. Diese Frau jedoch hat einen anderen Blick; das erinnert an das Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist…“ - Diese Frau sieht das Wesentliche, sie sieht mit den Augen und mit dem Herzen.
Zwei Engel kann sie im Halbdunkel erkennen, und die beiden in ihrem strahlenden Weiß sprechen Maria Magdalena sogar an: „Frau, warum weinst du?“ - Offenbar wollen die himmlischen Boten erreichen, dass die Frau ihre Trauer, ihren Schmerz noch einmal ganz klar ausdrückt, dass sie also Farbe bekennt, wie es um sie steht.
Maria Magdalena scheut sich nicht, ihre Hilflosigkeit zuzugeben. „Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.“
Inzwischen hält sie es also auch für denkbar, dass der Leichnam aus welchen Gründen auch immer in eine andere Grabstätte verlegt worden ist. Unvermittelt, als wenn die Engel dafür gesorgt hätten, dreht sie sich jetzt um, macht eine entscheidende Wende und sieht in der Nähe jetzt eine Gestalt stehen, die sie aber nicht erkennt. Diese Gestalt stellt ihr die gleiche Frage wie die beiden Himmelsboten, was ihr offenbar gar nicht bewusst ist: „Frau, warum weinst du?“ - Ergänzend fragt der unerkannte Jesus noch: „Wen suchst du?“
Wenn Jesus eine Frage stellt, deren Antwort er längst weiß,
dann geht es ihm wie den Engeln darum, beim angesprochenen Menschen eine klare Aussage, ein klares Bekenntnis zu erreichen.
Dass Maria Magdalena ihren Herrn jetzt nicht erkennt, mag uns erst einmal verblüffen. Sie hält ihn sogar für einen der Gärtner, die diese gepflegte Friedhofs-
anlage in Ordnung halten. Das gab es also damals auch schon!
Für uns ist dieser Hinweis auf das Nichterkennen des aufer-
standenen Herrn sehr interessant. Er zeigt uns, dass Jesus in diesem Stadium zwischen Auferstehung und Himmelfahrt in seiner für uns Menschen wahrnehmbaren Gestalt nicht einfach
1 : 1 und Zentimeter für Zentimeter so aussieht wie vor seinem Leiden und Sterben. Der Auferweckte ist als der verklärte Herr also schon ein Stück weit auf dem Wege zu seinem himmlischen Vater.
Maria Magdalena nimmt all ihren Mut zusammen. Sie verrät dem Fremden zwar nicht, warum sie weint, aber aus ihrer Gegenfrage wird dies sofort klar. Sie spricht den vermeintlichen Gärtner an, er möge ihr doch bitte verraten, wohin man den Leichnam gebracht habe. Sie will ihn holen und dann sicher einbalsamieren und in allen Ehren beisetzen. Der vermutete Gärtner jedoch beantwortet ihre Frage nur mit einem einzigen Wort. Und dieses eine Wort lässt die Trauernde zusammenzucken. Jesus spricht sie ganz ruhig mit ihrem eigenen Namen an: „Maria!“
Sie erkennt sofort den Klang der Stimme, die herzliche Art, wie sie angesprochen wird. Das ist jetzt wie ein Blitzeinschlag, wie etwas, was ihr die Beine wegzieht! - Wir sagen auch manchmal, einer steht da wie vom Donner gerührt. So ähnlich ist das hier: Kein Zweifel ist möglich – das ist er, das ist eindeutig Jesus,
ihr Herr!
Maria ist aber auch in dieser aufregenden Situation nicht auf den Mund gefallen. Schnell hat sie sich wieder gefangen, dreht sich ganz zu ihm um und spricht ihn ehrerbietig an: „Rabbuni!, das heißt: Meister.“ - In diesem knappen Wort ist alles enthalten:
ihr Glaube an den auferstandenen Herrn, ihr übergroßes Glück, ihn wieder vor sich zu haben und auch ihre Hoffnung, dass die Sache Jesu nun so weitergeht wie vor seinem Tod. Ihr größtes Glück wäre, wieder bei ihrem Herrn sein zu dürfen, ihm zu dienen, damit er den Kopf frei hat für seine Aufgaben.
Ihre himmelhoch jauch-
zende Freude erhält aber einen schmerzlichen Dämpfer. Jesus erklärt: „Halte mich nicht fest…“
Man kann das auch so ausdrücken: Niemand darf mich jetzt für sich verein-
nahmen, so lieb das auch gemeint sein mag. Ich bin auf dem Wege zum Vater im Himmel. Auch du musst also loslassen lernen! - Deine tiefe Trauer ehrt dich, aber nun musst du nach vorne blicken. Lass los, trenne dich von deinen ein Stück weit auch egoistischen Wünschen nach mir, nach meiner Anwesenheit. Meine Mission hier ist erfüllt, ich kann dir und euch jetzt nicht so wie bisher zur Verfügung stehen. Mein Vater hat mich auferweckt, zu ihm kehre ich zurück.
Maria Magdalena hat verstanden. Ihr Herz ist sicher schwer,
aber sie hat verstanden, dass sie nun nach vorne schauen muss. So schön es wäre, Jesus um sich zu haben – sie muss diesen Gedanken loslassen!
Sie muss nun in ihrem Innersten ein großes Wendemanöver durchführen, das genau so schwierig ist wie etwa das Wenden beim Segeln. Jetzt gilt ein neuer Kurs - alle Kraft und Auf-
merksamkeit voraus!
Dem entspricht auch der Auftrag Jesu an sie: Sie soll zu seinen Brüdern gehen – so liebevoll bezeichnet er hier seine Jünger - und ihnen berichten: „… sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.“
Maria Magdalena, eine mutige Frau und erste Zeugin der Auf-
erstehung, wird auch zum ersten Bekenner des Glaubens. Sie verkündet: „Ich habe den Herrn gesehen.“ - Damit ist alles gesagt: Ja, Gott hat diesen Jesus Christus, seinen Sohn, von den Toten auferweckt. Ja, ich bin Zeuge und verbürge mich dafür.
Ja, ich glaube diesem Jesus und ich folge ihm, denn seine Sache geht weiter. Ja, ich weiß, dass ich diesen Jesus als meinen Herrn nicht für mich vereinnahmen kann, so sehr ich mich auch über seine persönliche Zuwendung freue. Ja, der Tod ist von Gott endgültig besiegt worden. Darauf darf ich auch für mich vertrauen. Halleluja!
Was wäre wohl geworden, wenn Maria Magdalena nicht so ausdauernd und mutig gewesen wäre?
Wir wissen nicht, welchen Weg Gott dann gegangen wäre, damit die Begegnung mit dem Auferstandenen bezeugt werden konnte. Aber eines wissen wir: Diese Frauen und Männer wurden verwandelt zu Osterfrauen und Ostermännern, zu österlichen Menschen. Ihr Bekenntnis, das bei vielen Gläubigen später sogar bis hin zum Tod als Märtyrer ging, hat mitgeholfen, dem Christen-
tum und seinen Wertvorstellungen den Weg zu bahnen.
Diesen und vielen anderen österlichen Menschen haben wir viel zu verdanken. Auch unser Glaube ist schließlich nicht aus dem Nichts erwachsen. Viele haben ihren Glauben bezeugt, auf die eine oder die andere Weise, manche mit Worten, manche mit Taten, einige aber auch mit ihrem Leben.
Auch in unserem persönlichen Umfeld gab es sicher solche österlichen Menschen, durch deren Bekenntnis der Glaube in uns selbst wachsen konnte. So dürfen wir heute mit vollem Herzen in den Osterjubel einstimmen: Halleluja, der Herr ist wirklich auferstanden!
Damit auch kommende Generationen in dieser Osterfreude der Christen leben können, sollten wir an Menschen wie Maria Magdalena denken und in unserer Familie, in unserem Umfeld mutig bezeugen: Ja, der Herr lebt! Halleluja! - Dann ist bei uns und in uns wirklich Ostern geworden. Amen.


Predigt zur Osternacht: „Berufsunfähigkeit“ (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Predigt zur Osternacht: „Ostern – ein gefährliches Fest“
>> BITTE KLICKEN !
Predigt zur Osternacht: „Gott lacht“ (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Exegetisch-theologischer Kommentar zur Osternacht A (pdf)
>> BITTE KLICKEN !

---------------------------------------------------------------------------------------

Predigt zu Joh 20,1-18 von Prof. Dr. Dr. Klaus Müller
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Dr. Johannes Holdt: „Osterlachen“
>> BITTE KLICKEN !
Osterpredigt Pfr. Blaschke (etwas verändern, falsches Evang.)
>> BITTE KLICKEN !
Exegetisch-theologischer Kommentar zu Joh 20,1-18 (pdf)
>> BITTE KLICKEN !

--------------------------------------------------------------------------------------

Dr. Meinrad Limbeck: „Ist Jesus wahrhaft auferstanden?“ (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Kindergottesdienst-Tipps für Ostern
>> BITTE KLICKEN !
Allerlei Oster-Linktipps nicht nur für Kinder
>> BITTE KLICKEN !
Längerer Artikel über die Auferstehung
>> BITTE KLICKEN !
Jede Menge infos und Links zu Ostern bei „katholisch.de“
>> BITTE KLICKEN !
Umfangreiche Seite von „theology.de“ über Ostern
>> BITTE KLICKEN !
Zentralrat der Juden: Das Pessach-Fest
>> BITTE KLICKEN !
Oster-Seite des Bistums Münster
>> BITTE KLICKEN !
rp-online-Artikel: „Maria Magdalena, die Furchtlose“
>> BITTE KLICKEN !

Warum leben Frauen länger als Männer? Weil der liebe Gott ihnen die Zeit gutschreibt, die sie für's Einparken benötigen.

"Woher hast Du das blaue Auge ?", fragt Georg seinen Kollegen. "Ach, als wir gestern bei Tisch gebetet haben '... und erlöse uns von dem Übel!' , hab ich zufällig meine Schwiegermutter angeguckt ...

Allgemeine Verkehrskontrolle. Der Polizist untersucht gründlich, und so bleibt der Erfolg auch nicht aus: „An Ihrem Wagen ist das linke Abblendlicht nicht in Ordnung. Das kostet Sie 10 Euro. Sind Sie mit Sofortzahlung einverstanden?“ – Der Autofahrer: „Na klar, in der Werkstatt hätte mich das mindestens 15 Euro gekostet!“

Hier können Sie meine Osterpredigten selbst als
pdf-Datei herunterladen >> BITTE KLICKEN !

.... und hier geht's zurück zur Predigtgarten-Hauptseite
>>> BITTE KLICKEN !



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Zur Zeit keine Kommentare möglich.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.