07.04.2011

Man nehme: Einen verstorbenen Priester, den "SPIEGEL", Priestermangel und Kardinal Meisner als Schuldigen...

(Fortsetzung)

Ohne die eigentlich erforderliche Anhörung des Pfarrgemeinde-
rates hat Kardinal Meisner einen anderen Pfarrer bestimmt. Vom Ordinariat in Köln hört man, Pater Innocent schreibe noch an seiner Doktorarbeit und habe aktuell kein Interesse mehr an der zeitaufwändigen Stelle gezeigt. Daher werde er anderweitig eingesetzt, zumal es im Bereich Bonn weitere große personelle Probleme gäbe.
In Teilen von Bonn geht man nun auf die Barri-
kaden. Der zuständige Weihbischof Heiner Koch signalisiert immer wieder Gesprächs-
bereitschaft, doch ein geplanter „Runder Tisch“ kommt wegen Absagen einiger Laien und Priester überraschend nicht zustande. Am 11. Mai soll dies nachgeholt werden. - Kardinal Meisner seinerseits schreibt den betroffenen Ge-
meinden einen Brief, in dem er „Fehler in der Kommunikation“ einräumt und um Entschuldigung dafür bittet. Er verschweigt aber auch nicht, dass es „unsachliche, emotionale und ver-
letzende Äußerungen“
gegeben habe, was ihn sehr betroffen mache.
Es versteht sich heutzutage schon fast von selbst, dass sich nun auch die Politik zu Wort meldet. Der Bonner SPD-Bundestags-
abgeordnete Ulrich Kelber schreibt an Kardinal Meisner und beklagt die „tiefe Verunsicherung, die große Enttäuschung und auch die zunehmende Wut der Gläubigen über die geplanten Veränderungen.“ - Der Kölner Generalvikar Schwaderlapp räumt ein, dass die einschneidenden Reformen schmerzhaft sind: „Wir haben insbesondere den Ehrenamtlichen viel zumuten müssen.“ - Ändern kann er aber auch nichts: Sparen und Zusammenlegen ist hier wie andernorts in schwierigen Zeiten leider ohne echte Alternative!
Das wollen viele Katholiken im Bonner Raum jedoch so nicht hinnehmen. Sie fühlen sich vom Dekanat und vom Ordinariat vor vollendete Tatsachen gestellt und sind nicht bereit, diese Pläne kampflos zu schlucken. So kam es denn auch zu der im "SPIEGEL" genüsslich kommentierten Demonstration auf dem Bonner Münsterplatz. Stadtdechant Schumacher versucht, so gut es geht, die Wogen zu glätten: „Mir macht es große Sorgen, wie emotional aufgeheizt die Diskussion zur Zeit ist“, erklärt er
in der örtlichen Presse. Er habe Verständnis für beide Seiten. Schließlich müsse der Erzbischof auch sehen, wie bei einer immer kürzeren Personaldecke die Kirche vor Ort personell handlungsfähig bleibe.
Bei allem Verständnis für die tiefe Sorge der Katholiken vor Ort sieht das auch der Weih-
bischof so ähnlich: Der Kardinal müsse das Recht haben, jeden Priester versetzen zu können, sonst sei ein Bistum nicht regierbar.
Etliche Bonner freilich schalten in ihrer Enttäuschung auf stur: Man habe das Generalvikariat immer wieder versucht zu über-
zeugen, dass Pater Innocent „unabdingbar zu uns gehört“. – Inzwischen gibt es schon eine eigene Internetseite, einen Auftritt bei „facebook“ und viele Briefe und E-Mails, nicht alle in sonderlich freundlichem Ton, wie man sich denken kann…


Liebe Leute
in Bonn und anderswo! Wer könnte euch die Enttäuschung nicht nachfühlen! - Es wäre sicher klug gewesen, wenn das Erzbistum eure Gremien besser in die Entscheidungsfindung einbezogen hätte.
Doch man sollte auch die Kirche im Dorf lassen. Es ist auch anderswo einfach nicht realisierbar, wenn jede Gemeinde sich ihren Lieblingspfarrer aussuchen will, so verständlich das auch ist. Darf eine Gemeinde sich so stur stellen, ein ganz bestimmter Priester gehöre „unabdingbar“ zu genau dieser Pfarrei? –
Bei allem Verständnis für Ihren Schmerz und Ihr Interesse an einem familiären Klima in Ihrer Pfarrgemeinde: Ein Priester ist kein Angestellter, den man für sich und seine Pfarrei mieten kann, sondern er ist Mitarbeiter des Bischofs und diesem zum Gehorsam verpflichtet.
Egal wie ein Bischof heißt: er tut gut daran, dem Druck von Gemeinden nicht nachzugeben, die massiv einen ganz bestimmten Priester für ihren Bereich fordern. Das würde zu einer Konkurrenz der Pfarrgemeinden um die besten Priester führen, bei der diejenigen auf der Strecke blieben, die nicht laut genug mitschreien könnten.
Wenn in manchen der deutschen Bistümer die Beteiligung der Laien an der Besetzung von Pfarrstellen vorgesehen ist, kann man das begrüßen. Der Normalfall ist es freilich nicht. Das welt-
weite Kirchenrecht kennt diese Regelung nicht, und auch in deutschen Bistümern wird durchaus auch anders verfahren.
So heißt es z.B. im Bistum Regensburg: „Die Besetzung von Pfarrstellen hat dabei feste Regeln… Unter dem Vorsitz des Bischofs berät die Ordinariatskonferenz über die Kandidaten.
Sie entscheidet letztlich darüber, wer welche Pfarrei vom Bischof verliehen bekommt.“

Wir leben kirchlich in schwierigen Zeiten. Euer Engagement für eure Kirche vor Ort ehrt euch, keine Frage. Doch nun sollte es nach aller Enttäuschung auch an der Zeit sein, ohne Vor-
haltungen und Unterstellungen aufeinander zuzugehen und
von manchen Wunschvorstellungen ein Stück weit abzurücken, zum Wohle der ganzen Kirche.

„DER SPIEGEL“ am 4.4.: „Aufstand gegen den Hardliner…“
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Fastenhirtenbrief Kardinal Meisner: „Verherrlicht Gott…!“ (pdf)
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Rede von Stadtdekan Schumacher auf dem Münsterplatz (pdf)
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Runder Tisch nicht vom Kardinal abgesagt
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Erklärung des Stadtdekans vom 28.1. (!) pdf
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Interview mit Weihbischof Koch
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Öffentliche Erklärung von Pater Innocent
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Man meint, Pater Innocent gehöre „unabdingbar“ dorthin
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Beispiel Bistum Regensburg: Wie Pfarrsstellen besetzt werden
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