12.04.2011

Palmsonntag A - 17.4.2011

(Fortsetzung)

Und ausgerechnet genau diesen Zeitpunkt, in dem es vor Soldaten und Tempelwächtern nur so wimmelte, hat Jesus sich für sein Eintreffen ausge-
sucht. Hier und jetzt galt es, seinen Anspruch unmissverständlich und vor großem Publikum zu dokumentieren, der Messias, der Sohn Gottes zu sein.
Nichts konnte ihn von seinem Weg abhalten, der über das Dorf Betfage am Ölberg führte. Die Zeit dafür war gekommen, die Zeit war reif. Vor dem Dorf Betfage schickte er zwei Jünger los, um eine Eselin und ihr Fohlen zu ihm zu bringen. Die Bestimmtheit, mit der er das sagte, demonstrierte sein Königtum, denn allein Königen und Feldherren stand es zu, ohne zu fragen Tiere und Güter für ihre Zwecke zu beschlagnahmen.
Warum das alles so geschehen ist, erläutert Matthäus uns durch den Verweis auf das damit erfüllte Prophetenwort (Sacharja 9,9): „Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.“ - Das Wort „siehe“ in der Weissagung des Propheten heißt so viel wie: „Achtung, aufgepasst, schaut genau hin! Das ist er!“

Jesu Anweisung, die beiden Esel mitzu-
nehmen, zeigte aber auch, wie sehr er alles voraussehen konnte. Über sein Schicksal machte er sich keine Illusionen. Bemerkenswert ist auch sein Hinweis, was die Jünger im Falle von Protest antworten sollten: „Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.“
Hier zeigt sich, dass Jesus ein ganz besonderer König ist, ein König, der die kleinen Leute im Blick hat. Er weiß um ihre Not und achtet selbst bei seinem Leidensweg noch darauf, dass ihnen kein Schaden entsteht: die ausgeliehenen Tiere kommen garantiert zurück!
„Der Herr braucht sie“ - so heißt es knapp; da ist kein Spielraum zum Diskutieren. Das sagt uns: So ist es, genau so muss es sein!
Das ist schon sehr auffällig, wenn man bedenkt, dass Jesus doch bisher den ganzen mühsamen Weg zu Fuß gegangen war, wie alle anderen. Was ein richtiger Pilger war, der ging selbstver-
ständlich den ganzen anstrengenden Weg zu Fuß!

Jetzt aber war für Jesus die Stunde gekommen, seine Art von Königtum so anschaulich wie möglich zu demons-
trieren: Er ist der Messias, auf den eigentlich alle schon so lange warten! -- Er, der Sohn Gottes, sitzt aber nicht auf dem hohen Ross der üblichen Machtansprüche und Eitelkeiten!
Der Esel ist das Lasttier des Volkes; alle ihm aufgebürdeten Lasten trägt er ganz selbstverständlich für seinen Herrn. Bei der Demut Jesu reichte es aber noch nicht einmal zu einem eigenen Esel, er musste sich erst noch einen ausleihen. Was für ein König, der nun in „seine“ Stadt Jerusalem einzog!
Im Evangelium heißt es weiter: „Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“
Wir erleben hier die einzige Stelle in der Bibel, wo Jesus es ausdrücklich zuließ, dass man ihn feierte, dass man ihm zu-
jubelte. Die Leute, die ihn kannten und mit ihm zogen, feierten ihn jetzt wie einen Star!
Wie das damals für Könige üblich war (heute gibt’s dafür den roten Teppich), wurde der Weg durch ausgebreitete Kleider und kleine Palmzweige ehrfürchtig verschönt. Überall am Wegesrand ertönten für Jesus Jubelrufe; die Stimmung des Volkes war himmelhoch-jauchzend. Kein Wunder: Ihr ersehnter Retter war da, von dem sie ehrlich gesagt vor allem noch mehr Wundertaten und die Verbesserung ihrer Lebensumstände unter der verhass-
ten Römerherrschaft erhofften. Das verrät ihr Ruf „Hosanna!“ (aramäisch: hoscha’na), der wörtlich übersetzt bedeutet:
„Ach, Herr, hilf doch!“
So bewegte sich die Prozession in Richtung Jerusalem.
Der Weg führte durch das Goldene Tor direkt zum Zentrum,
zum Tempelbezirk.
Zum Schluss des heutigen Evangeliums heißt es: „Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Auf-
regung, und man fragte: Wer ist das?
Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.“

Der Pilgerzug näherte sich seinem Ziel, und ganz sicher hatten die allgegenwärtigen Ordnungshüter schon sämtliche Augen auf ihn geworfen. -- Wie man das aus anderen Wallfahrtsorten so kennt: Jerusalem quoll zu diesem Zeitpunkt fast über von Menschenmassen. Sie kamen aus allen Gegenden Israels; die meisten von ihnen hatten noch nichts oder nicht viel von Jesus gehört und waren dementsprechend aufgeregt und sensations-
gierig. Die einziehenden Pilger gaben ihnen so gut es ging bereitwillig Auskunft.
An ihrer Antwort erkennen wir sofort: Es ist unfassbar –
die Menschen in Jerusalem haben immer noch nicht ganz verstanden. Sie halten Jesus zumeist lediglich für einen besonders großen Propheten aus Galiäa … - Sie sehen, und
sie sehen doch nicht!

Wenige Tage später jubelten sie ihm nicht mehr zu. Da ver-
langten sie lauthals die Kreuzigung Jesu. Solch ein König, der sich für sie überhaupt nicht praktisch auszahlte, hatte keinen besonderen Nutzwert mehr für sie. So schnell schwenken sie um, die Wetterfähnchen der Meinungen!
Und damit sind wir
bei uns selbst angekommen. Was ist denn mit uns?
Da gibt es das schöne Kirchenlied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ („Gotteslob“ Nr. 107), das im Advent so gerne gesungen wird.
Gerade jetzt, kurz vor Ostern, stellt sich ganz radikal für jeden von uns die unausweichliche Frage: Ist Jesus für mich selbst wirklich „ein König aller Königreich“ und „Heiland aller Welt zugleich“?
Was ist mit meinem eigenen Tor, mit der Türe zu mir selbst, zu meinem Innersten? - Mache ich sie so weit wie möglich auf,
oder verschließe ich mich und lasse es bei schöner kirchlicher Folklore, weil das halt so Tradition ist und so…?
Ist Jesus wirklich der König meines Lebens, unter dessen Herrschaft ich mich begebe? - Bereite ich ihm (das geht auch ohne Palmwedel…!) den Weg zu mir und anderen?
Doch Vorsicht! - Wenn ich Jesus auf seinem Weg begleiten will, dann muss ich auch mit Schwierigkeiten rechnen. Das hat er seinen Jüngern immer wieder eindringlich gesagt. Der persön-
liche Kreuzweg ist kein Spazierweg, und manchmal ist es sogar schlicht zum Davonlaufen…
Die Verspottung unseres Herrn und unseres Glaubens hat leider eine lange unangenehme Tradition. Das musste zum Beispiel auch Alexamenos er-
fahren, dessen Name auf einem eingeritzten Wandbild aus dem 2.Jahrhundert nach Christus zu lesen ist. -- Auf dem römischen Hügel Palatin wurde das Spottbild 1857 in alten Ruinen entdeckt. Es zeigt Alexamenos, einen Auszubildenden für Pagen am römischen Hof, der mutig zu seinem verspotteten Glauben steht: Er betet da gerade seinen Gott an, und so heißt auch das Bild.
Doch der abgebildete Gott, der da an einem Kreuz hängt, ist ein Mann mit einem Eselskopf! – Genau so ist es in den Augen einer Welt, die nicht verstehen kann und nicht verstehen will:
Unser Gott ist ein Gott, der nicht wie die Herren dieser Welt
seine Macht, seine Herrlichkeit angeberisch zur Schau trägt. Unser Gott ist ein Gott, der sich für uns so klein und demütig macht, dass er allen Spott und alles Versagen erträgt.
Das ist die Lektion, die uns das heutige Evangelium erteilt. -
Du König aller Königreich - hosanna!

Predigt Diakon Josef Lengauer
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Predigtgedanken der Steyler Missionare
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Predigt Pfr. Karl-Heinz Rudishauser
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Gedanken des Ökumenischen Jugendrates
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Gedanken des Bibelhauskreises Ansgar-Kirche Dortmund (pdf)
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Predigt Pfr. H. Meyer: Wie sollen wir Jesus empfangen? (pdf)
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Predigt Pastor Friedhelm Peters: „Hosianna mit i-a“ (pdf)
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Warum wurden zwei Esel mitgenommen? Jesus als Akrobat?
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Kinderwortgottesdienst zum Palmsonntag (pdf)
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Foto-Beispiel einer Palmweihe: St. Marien, Emsdetten
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Virtuelle Ausstellung/Fotos von Passions-Krippen
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Prophetische Vorhersagen über Jesus im AT
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Wikipedia: „Goldenes Tor“ in Jerusalem
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Ein alter Mann in Phoenix ruft drei Tage vor Ostern seinen erwachsenen Sohn in New York an, der sich leider das ganze Jahr nicht gerührt hat, und sagt ihm am Telefon: „Ich hasse es, dir deinen Tag zu verderben, aber ich muss dir mitteilen, dass deine Mutter und ich dabei sind, uns scheiden zu lassen. Fünfundvierzig Jahre Elend sind einfach genug!“ -
„Vater, was redest du denn da?!“, schreit der Sohn entsetzt in
den Hörer.
„Wir halten gegenseitig unseren Anblick nicht mehr aus“, sagt der alte Vater, „wir sind einander überdrüssig und es macht mich krank, auch nur darüber zu erzählen. Also rufe deine Schwester in Chicago an und sag du es ihr.“ - Und hängt den Hörer ein.
Voller Bestürzung ruft der Sohn seine Schwester an, die bei dieser Nachricht explodiert: „Die beiden wollen sich scheiden lassen? Warte, ich regle das auf meine Art!“

Augenblicklich ruft sie in Phoenix an und schreit den alten Vater an: „Ihr lasst euch NICHT scheiden, hörst du? Ihr tut nichts, bis ich da bin! Ich rufe gleich meinen Bruder zurück und wir werden beide morgen bei euch eintreffen. Bis dahin unternehmt ihr nichts, hast du mich verstanden?“

Während der alte Mann den Hörer auflegt, dreht er sich lächelnd zu seiner Frau, streichelt ihr über das Haar und sagt: „Ist das nicht toll, Liebling? Dieses Jahr besuchen uns beide zu Ostern, und ihren Flug zahlen sie auch noch selber…"

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