(Fortsetzung)
Bereits im November 2010 war der Erzbischof Opfer einer solchen Torten-Attacke geworden. Damals nahm er es noch mit viel Humor, denn er leckte sich die Finger und befand: "Die Torte hat richtig gut geschmeckt." - Das dürfte diesmal wohl kaum der Fall gewesen sein, denn diesmal waren es billige und gefährlich stabile Pizzaböden mit Sahne oder Crème fraiche.
Wie im Vorjahr gelang es auch diesmal dem Ordnungsdienst seltsamerweise nicht, die Angreifer zu fassen.
Warum ausgerechnet Erzbischof Léonard so traktiert wurde, ist leicht erklärbar: Er war unter anderem mehrfach dadurch aufgefallen, dass er sich wenig wohlwollend über die Homo-
Szene geäußert hatte. Insgesamt wird er als jemand geschildert, der mit seinen Ansichten nicht gerade hinter dem Berg hält und darum bei vielen "modernen" Menschen auch innerhalb der Kirche immer mal wieder aneckt.
Besonders empört war man, als er sich etwas unglücklich zum Thema AIDS geäußert hatte. In der Presse wurde er wieder und wieder damit zitiert, er habe die Erkrankung an AIDS als eine Konsequenz von Fehlverhalten bezeichnet und von einer "immanenten Gerechtigkeit" gesprochen, also gewissermaßen von einer Strafe Gottes.
Das Problem ist nur, dass er dies so überhaupt nicht geäußert hat. Doch wir kennen das z.T. auch: Da wird einem ein Wort im Munde herumgedreht, bis es in die Schublade der Vorurteile passt.
Tatsächlich hatte er in einem bereits 2006 erschienenen Buch in einem Interview erklärt: "Äußerstenfalls könnte man in dieser Epidemie eine Art immanenter Gerechtigkeit sehen, ganz und gar nicht eine Strafe, ein bisschen wie -mit Blick auf die Ökologie- wenn man die Umwelt schlecht behandelt; das endet dann damit, dass sie uns ihrerseits schlecht behandelt. Und wenn man die menschliche Liebe schlecht behandelt, vielleicht rächt sie sich dann, ohne dass es dafür der Intervention einer transzendentalen Ursache bedürfte."
Nun macht man also Front gegen ihn. Die Stimmung ist ange-
heizt. Sogar Redakteure von Kirchenzeitungen befanden, der Erzbischof müsse sich fragen, ob er ein Faktor der Einheit oder der Spaltung sein wolle. Die Menschen würden seinen Rücktritt als "einen Akt des Mutes" begrüßen.
Man darf also leider davon ausgehen, dass dies noch nicht das letzte Kapitel war. Hinter dem Angriff steckt eine schwule Aktionsgruppe mit dem Namen "Die Konditor-Internationale"
(kein Aprilsscherz!). Von den belgischen schwul-lesbischen Gruppen wurde der Erzbischof inzwischen zum "Homohasser des Jahres" gewählt.
Es ist immer wieder aufschlussreich, dass solche Gruppierungen lautstark nach Meinungsfreiheit rufen, um ihre Ansichten unters Volk bringen zu können, aber die Gegenmeinung gerne mal mundtot machen, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes mit einer Torte im Gesicht.
Es mag sein, dass in Belgien die antikirchlichen Uhren (noch) etwas anders ticken als bei uns. Immerhin ist uns allen noch in übler Erinnerung, dass im Juni 2010 die belgische Bischofs-
konferenz regelrecht von der Polizei überfallen wurde.
Da drangen ca. 20 Ermittler der Brüsseler Staatsanwaltschaft in eine Sitzung der Bischöfe ein, hielten diese den ganzen Tag fest, beschlagnahmten Handys und Computer, nahmen ca. 450 vertrauliche Akten mit Missbrauchs-Meldungen mit (obwohl die Kirche den Betreffenden strengste Vertraulichkeit zugesichert hatte) und waren sogar so dreist, Gräber von verstorbenen Erzbischöfen aufzubohren, um mit einer Kamera nach eventuell verstecktem Material zu suchen. Sogar der Papst schaltete sich damals mit einem Protest-Brief ein. Inzwischen wird juristisch um die Rechtmäßigkeit der Polizeimaßnahme gefochten.
Erzbischof Léonard wird sicher mit weiteren Attacken rechnen, denn Ende März 2011 beteiligte er sich in Brüssel demonstrativ an einer Kundgebung für den Schutz des ungeborenen Lebens...
Bericht über die Torten-Attacke in "DIE WELT"
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"Immanente Gerechtigkeit" - das Interview >> BITTE KLICKEN !
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2 Kommentare:
Ich habe gerade für den Erzbischof gebetet, daß er das durchsteht. Ich frage mich allerdings auch wie es denn mal mit Bodyguards für ihn wäre, die auch was taugen. Die Angriffe sind ja schließlich mit Anlauf und daher vorsehbar, versteh ich nicht warum keiner auf ihn aufpaßt! Außerdem sind die Kerle identifizierbar, schließlich wird das auch noch auf Video aufgenommen, keine Anzeige oder was? Was macht denn in diesem Fall die Justiz?
Der Erzbischof hat wohl bislang auf eine Anzeige verzichtet, vielleicht aufgrund einer Vorahnung, dass nichts dabei herauskommen wird.
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