Die Streithähne wurden aufgefordert,die gefürchteten Familienkriege nicht zuzulassen. Der tatsächlich entstan-
dene Schaden wurde im Beisein beider Konflikt-Parteien gewissermaßen amtlich taxiert. Es gab da fast so etwas wie Schadenstabellen, wie Versiche-
rungen das heute auch machen.
Der Verursacher haftete also damals schon für den angerichteten Schaden und hatte dafür gerade zu stehen, dass sein Opfer finan-
ziell angemessen entschädigt wurde, eben Auge für Auge, nicht mehr und nicht weniger.
Jesus knüpft im heutigen Evangelium an diese bekannte Regelung an. „Ich aber sage euch…“ – das betont er im Text gleich zweimal, damit es in den Köpfen auch ankommt. „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“
Wenn wir das hören, dann sind wir offen gestanden reichlich irritiert. Wie kann Jesus das nur verlangen, dass man sich widerstandslos ohrfeigen lässt?
Will er etwa, dass die gläubigen Christen sich selbst zum Deppen und zum Gespött der Leute machen?
Will Jesus, dass wir wie Angsthasen dastehen, die sich nicht zur Gegenwehr trauen, denen man also immer eins auswischen kann, wenn man gerade mal wieder Lust dazu hat?
Die Sache verhält sich etwas anders. „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt…“ – so beginnt Jesus. Stellen Sie sich das mal ganz praktisch vor: Wie kann ich als Rechtshänder (Linkshänder wurden früher umerzogen) meinem Gegenüber auf die rechte Wange schlagen?
Wenn ich ihm eine Ohrfeige verpasse, treffe ich doch immer seine linke Wange!
Zur Zeit Jesu wusste jeder, was gemeint war: Es handelte sich um eine Backpfeife mit dem Handrücken, denn nur so konnte man die rechte Wange treffen. Und dieser ganz spezielle Schlag galt damals als beleidigend, als Zurechtweisung, als Machtdemonstration eines Ranghöheren in der sozialen Hackordnung.
Die Botschaft war klar: Schau mal, was ich mir alles erlauben kann, du arm-seliges kleines Würstchen!
Üblicherweise reagierte der so in seiner Ehre gekränkte Schwächere, indem er mit schamrotem Gesicht den Tatort verließ. Eine Prügelei mit einem Mächtigeren konnte er nicht riskieren.
Wenn Jesus nun die Menschen, die ihm nachfolgen wollen, dazu auffordert, dem Angreifer auch noch die linke Wange hinzuhalten, dann ist das geradezu genial: Der Angreifer wird von dieser Reaktion völlig überrascht. Da bleibt einer einfach stehen. Da macht einer einfach das Spiel nicht mit, das ich mir ausgedacht habe. Der macht mir meine ganze Aktion kaputt. Die Umstehenden werden schon aufmerksam, was da vor sich geht. Nun stehe ich als Angreifer da und weiß nicht, wie ich aus dieser Nummer wieder rauskomme. Dieser Mann hat wirklich Mut!
Wir verstehen: Das Hinhalten auch der anderen Wange ist ein ganz starkes Signal. Es gibt dem aggressiven Gegenüber zu verstehen, dass der scheinbar Schwächere in Wirklichkeit das Heft in der Hand hat. Er lässt sich nicht auf die Rolle des verschämten Prügelknaben festlegen. Aber das Signal sagt noch mehr: Der Geschlagene lässt sich auch nicht in diesen Sumpf von Gewalt und Gegengewalt hineinziehen. Er beantwortet Bosheit nicht mit Bosheit. Er lässt
das Böse einfach ins Leere laufen. Er lässt sich keinen Kleinkrieg aufzwingen. Wenn der andere Schläge austeilt, dann teilt er selbst stattdessen Geduld und Nächstenliebe aus.
Der mutige Christ fragt sich: Was mag mit diesem gewalttätigen Mann nur los sein, dass er es nötig hat, andere grundlos zu schlagen? Was hat ihn, der doch auch wie er selbst ein Geschöpf Gottes ist, bloß dermaßen kaputt gemacht, dass er sich nur so Beachtung verschaffen kann?Jesus bittet die Seinen, sich an Gott selbst ein Beispiel zu nehmen, denn der „lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“.
Immer nur die gern zu haben, die zur Familie gehören und die immer schön nett zu mir sind, das ist nun wirklich kein besonderes Kunst-
stück. Jesus formuliert das so: „Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?“
Diese Klarstellung Jesu wird durch weitere Beispiele aus dem damaligen Alltag noch vertieft. Da gab es viele arme Leute, die nicht wussten, wie sie über die Runden kommen sollten. Nicht nur die römische Besatzungsmacht saugte die Leute finanziell durch hohe Steuern aus. Wer Geld brauchte, z.B. um Saatgut kaufen zu können, der geriet oft genug an Halsabschneider, die Wucherzinsen ver-
langten. Da kam es tatsächlich vor, dass ungeduldige Gläubiger dem verarmten Schuldner nicht nur Haus und Hof wegpfänden ließen, sondern sogar private Habseligkeiten und Kleidungsstücke.
Wenn Jesus dann den Rat gibt, dem gierigen Geldeintreiber nicht nur das verlangte Gewand zu überlassen, sondern demonstrativ auch noch den Mantel dazuzugeben, dann wusste man damals: Wer das macht, der sorgt garantiert für viel Aufmerksamkeit.
Ein Mantel war damals für die meisten armen Leute nicht nur irgendein Kleidungs-stück. Der Mantel war so etwas wie die Lebensversicherung. In der empfindlichen Kälte der Nacht deckten sich die Armen mit dem Mantel zu, um nicht zu erfrieren. Daher war es gesetzlich untersagt, jemanden den Mantel über Nacht zu pfänden.
Wer also freiwillig und öffentlich dem Geldverleiher seinen Mantel gibt, der stellt klar: Du hast mich so weit ruiniert, dass ich eigentlich so gut wie tot bin. Jetzt bin ich vollkommen schutz- und hilflos.
Jesus hat da ganz praktisch gedacht: Vor Gericht hat der Arme die schlechteren Karten. Der Geldverleiher kann sich einen Super-Anwalt leisten. Er kommt ganz sicher zu seinem Recht, auch wenn es vor Gott noch lange nicht gerecht ist, was er da treibt.
Auch hier mahnt Jesus: Spiel dieses Spiel nicht mit – lass dich nicht zur chancenlosen Gegenwehr und zu allerlei bösen Gedanken hinreißen, aber auch nicht zur Resignation. Wenn du deinem Gegenüber anschaulich machst, wie unmenschlich und todbringend seine Geldgier ist, dann bringst du ihn vielleicht doch noch zur Vernunft.
Und auch das nächste Beispiel Jesu kommt aus dem Alltag.
Es kam häufig vor, dass Juden von den römischen Besatzern zu allerlei Diensten genötigt wurden. Ein Beispiel, das wir alle kennen, ist Simon von Cyrene, der vom Feld kam, als Jesus unter der Last des zu tragenden Kreuzes zusammenbrach. Simon wurde von den Römern dazu abkommandiert, Jesus die Last des Kreuzes ein Wegstück lang abzunehmen. Damals durften die Soldaten sich einfach so aus dem Volk Helfer herauspicken, die ihnen das Marsch-
gepäck von etwa 40 kg eine Meile weit zu tragen hatten. Dann suchten sie sich den nächsten kostenlosen Gepäckträger.
Mehr als eine Meile sollte es aber nicht sein, so lauteten die Vorschriften der Soldaten. Dadurch hielt sich der Zorn der Juden über diese zusätzliche Ausbeutung in Grenzen. Kein Soldat dachte sich etwas dabei, jemanden einfach aus seiner Familie und Arbeit herauszureißen und in der brütenden Hitze für eine Stunde den Packesel spielen zu lassen.Auch hier verblüfft Jesus seine Zuhörer: Wenn du zu einer Meile Frondienst gezwungen wirst, dann reagiere anders als erwartet: Anstatt halblaut zu murren, biete dem Soldaten doch an, noch eine weitere Meile für ihn zu schuften. Signalisiere damit, dass du dich nicht zum willenlosen Sklaven dieses Unrechtssystems machen lässt. Mit deiner freiwilligen Mehrarbeit bescherst du dem gedanken-
losen Soldaten erst sein Aha-Erlebnis: Jetzt erst wird diesem so richtig bewusst, was er da tagein tagaus so ganz selbstverständlich von der ohnehin so leidgeprüften Bevölkerung verlangt.
Fassen wir zusammen: Jesus fordert uns auf, uns von den verschiedensten Ausdrucksweisen des Bösen nicht die Rolle aufzwingen zu lassen, die wir gefälligst zu spielen haben. Wenn wir wirklich in unser Herz hineinlassen, dass Gott seine Güte auch denjenigen Menschen schenkt, denen wir nicht unbedingt um den Hals fallen möchten, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Schauen wir uns doch um in der Welt: Da werden große und kleine Kriege geführt, da füllen sich die Gerichtsordner mit so wichtigen Dingen wie einem Nachbarschaftsstreit wegen eines überstehenden Astes oder einer zu hellen Außenlampe. Da bekriegen sich die Menschen auf Schritt und Tritt, als wenn sie nichts Besseres zu tun hätten. Das Rechthaben und der täglich neue Ärger wird so für manchen Zeitgenossen zum wichtigsten Lebensinhalt.
Die Mahnung Jesu ist also auch ganz praktischer Natur:Sei doch nicht so dumm, ein Leben führen zu wollen, das daraus besteht, wer wann wo und warum die Vorfahrt hat. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann knallt es, und aus ist es mit der Vorfahrt.
Es ist, als würde Jesus uns Christen zurufen: Vorsicht, Falle! – Macht euch als Christen euer Leben und das eurer Mitmenschen doch nicht kaputt – lasst euch nicht in dieses trostlose Hamsterrad von allerlei Bösartigkeiten stecken! Spielt nicht mit bei diesem Kreislauf von Gewalt, von Rechthabereien und allen Sorten von Kleinkriegen. Im Vaterunser betet ihr es doch: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“.
Bringt euer Herz also nicht selbst in dieses menschenunwürdige Gefängnis aus Hass, Neid, Rache usw. – Vielleicht hilft es euch dabei, wenn ihr euch immer wieder bewusst macht: Jesus hat nicht nur für mich am Kreuz gelitten, sondern auch für den da, der mir eigentlich so richtig von ganzem Herzen unsympathisch ist.
Die schwierigste Sportart überhaupt kommt bei den Olympischen Spielen überhaupt nicht vor. Sie heißt: über den eigenen Schatten springen, und zwar Gott, dem Nächsten und mir selbst zuliebe. Jesus wünscht uns allen dabei viel Erfolg!
Predigt Swiss Church in London (pdf)>> BITTE KLICKEN !
Predigt „greifbar.net“ (pdf)
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Predigt Dr. Jacob Thiessen, Basel (pdf)
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Reim-Predigt zur Feindesliebe Jesu (pdf)
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Pfr. Mathias Kürschner: „Demonstranten für den Himmel“ (pdf)
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Prediger Markus Gulden: „Au backe!“
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Walter Wink: „Der Dritte Weg Jesu“ (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerks
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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„Auge für Auge…“ – eine wissenschaftliche Klarstellung
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Schritte gegen Tritte: Ratschläge bei Gewaltsituationen
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Paul Watzlawick: „Anleitung zum Unglücklichsein“
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Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, aber nicht den Hammer. Der Nachbar hat aber einen. Also beschließt der Mann, hinüber zugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war seine Eile nur vorgeschützt und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte,
ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen so einfach ein Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein,
ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat.
Jetzt reicht' s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor der "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann schon an: "Behalten Sie doch Ihren Hammer, Sie Rüpel!"
(Aus dem Buch "Anleitung zum Unglücklichsein" von Paul Watzlawick)
Altersproblem: Der Sohn zum Vater: „Ich bin doch jetzt alt genug, um den Führerschein zu machen, oder?“ - Knapper Kommentar des Vaters: „Du schon, aber unser Auto noch nicht!“ Wichtige Frage: Die U-Bahn ist mal wieder völlig überfüllt. Professor Huber ist zu langsam und hat keinen Platz mehr bekommen. Als er sich zu dem kleinen Mädchen auf dem Sitz neben seinem Stehplatz umdreht, steht es höflich auf und überlässt ihm lächelnd seinen Platz. "Danke, mein Kind“, strahlt der Professor. „Sag mal, kleines Fräulein, wie heisst du denn?" - "Katrin Huber, Papa!"
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