01.02.2011

Moderne Messgewänder? - Überraschende Ergebnisse einer Umfrage

(Fortsetzung)


Auch die offiziellen Preisträger eines Gestaltungs-Wettbewerbs will ich Ihnen nicht vorenthalten (das oberste Modell bekam meinen internen Spitznamen „Raumpflege-Set“, Pardon!):
>> BITTE KLICKEN !

Doch nun zu meiner kleinen Umfrage selbst:
Der Begleittext hieß: „Heutzutage sieht man häufig „knallbunte“ und „moderne“ Mess-
gewänder. Für manche ist das ein Ärgernis.
Was denken Sie?“
Das Ergebnis von 14 Ta-
gen Erreichbarkeit dieser Umfrage ist für mich
in seiner Eindeutigkeit doch überraschend: 71 % meinten:
„Ich bevorzuge klassische liturgische Farben“ – also eine satte Zweidrittel-Mehrheit!

26 % der Teilnehmer entschieden sich für: „Mich stören knallige Farben und Muster nicht“, und immerhin 3 % machten mit, obwohl sie fanden: „Mir ist das egal“.
Dieser klare Trend bei der Umfrage kam zustande, ohne dass ich den Lesern irgendwelche Zusatz-Informationen angeboten hätte,
wie z.B. die weltweit eigentlich gültigen kirchlichen Richtlinien; hier ein Auszug daraus:
4. Die liturgischen Gewänder
121. «Die verschiedenen Farben der sakralen Gewänder sollen den besonderen Charakter der jeweils gefeierten Glaubensmysterien und den Weg des christlichen Lebens im Verlauf des liturgischen Jahres auch äußerlich wirksam verdeutlichen». Die Verschiedenheit «der Dienste wird in der Feier der Eucharistie äußerlich durch ver-
schiedene sakrale Gewänder verdeutlicht». Diese sakralen Gewänder «sollen zugleich den festlichen Charakter der heiligen Handlung hervorheben». …

124. Im Römischen Meßbuch wird die Befugnis gegeben, daß die konzelebrierenden Priester mit Ausnahme des Hauptzelebranten, der immer das Meßgewand in der vorgeschriebenen Farbe tragen soll, aus einem gerechten Grund, wie zum Beispiel eine größere Zahl von Konzelebranten oder das Fehlen von Paramenten, das Meß-
gewand weglassen und «über der Albe die Stola tragen». Wo man eine Situation dieser Art voraussehen kann, soll man ihr jedoch soweit wie möglich zuvorkommen...

127. In den liturgischen Büchern wird die besondere Befugnis gegeben, an den höchsten Feiertagen besonders festliche und prunkvolle sakrale Gewänder zu verwenden, auch wenn sie nicht der Tagesfarbe entsprechen. Diese Befugnis, die sich auf Gewänder bezieht, welche vor vielen Jahren hergestellt wurden und zum Gut der Kirche gehören, das bewahrt werden muß, wird aber in unan-
gebrachter Weise auf neue Gewohnheiten ausgeweitet, so daß die überlieferten Bräuche abgelegt werden, Formen und Farben nach eigenem Geschmack zur Anwendung kommen und der Sinn dieser Norm zum Schaden der Tradition entstellt wird
. …

Hier die Quelle: >> BITTE KLICKEN !
(Aus der Instruktion „Redemptionis sacramentum“ … „über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind")
Damit ist von Rom aus eigentlich alles gesagt: Eine klar erkennbare liturgische Farbe ist Vorschrift, wie sie z.B. auch im Direktorium des jeweiligen Lesejahres nachzuschlagen ist. Bunte neue Gewänder sind "unangebracht" und "entstellen" Normen und Tradition.
Natürlich weiß ich, dass dies immer mal wieder unter Missachtung der Richtlinien praktiziert wird, auch von Bischöfen, es ändert aber nichts an der Gültigkeit der weltweiten Richtlinie.
Bezüglich der Umfrage darf man sicher annehmen, dass der Anteil derer, die klassische liturgische Farben bevor-
zugen, nach Kenntnis dieser Sachlage noch erheblich höher ausgefallen wäre. Ich wollte da aber bei der Ab-
stimmung nicht schon beeinflussende Vorgaben machen.
Alle Teilnehmer verdienen unseren Respekt, auch wenn sie sich durch moderne, bunte Gewänder nicht gestört fühlen.

Nun mag man sicher fragen, ob es in unserer Kirche nicht wirklich wichtigere Fragen gibt als Farben und Muster der Messgewänder. Da würde ich sofort und gerne zustimmen.
Am Beispiel der modernen Gestaltung kann man aber zeigen,
wie schnell (aus meiner Sicht!) Grenzen verwischt werden. Edle moderne Gestaltung in ruhigen Mustern, die sich für jeden klar erkennbar an den gültigen liturgischen Farben orientiert – da bin ich selbstverständlich nicht dagegen.
Doch die Richtlinie aus Rom gibt bereits den entscheidenden Hinweis, wenn sie von Formen und Farben „nach eigenem Ge-
schmack“
schreibt, durch die der Sinn der Tradition „entstellt“ wird.
Nehmen wir ein Beispiel aus einem ganz anderen Bereich: Vieles in unserem täglichen Leben hat eine Signalwirkung. Das Feuerwehrauto ist rot, der Brief-
kasten ist gelb; das Symbol für das Rote Kreuz ist eben nicht knallbunt und örtlich verschieden angemalt.
Hier geht es darum, dass eine eindeutige Farbgebung die Orien-
tierung erleichtert. Jeder weiß auf Anhieb, um was es da geht. Man kann sich auch schnell ausmalen, was passieren würde, wenn an den Kreuzungen die Vorfahrtsschilder in allen möglichen Formen und Farben angeboten würden…
In unserer Kirche leben wir seit Jahrhunderten mit solchen Symbolen in Form und Farbe. Die Hostien werden nicht in grüner Farbe und mit einem Werbeaufdruck versehen verwendet. Wir haben ein litur-
gisches Jahr, von festgelegten Farbgebungen unterstützt. Das bringt Ruhe ins Bild und hilft den Gottesdienstteilnehmern, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, die würdige Mitfeier der Heiligen Messe. Und genau darum geht es, und nicht um allerlei Experimente und Eitelkeiten. So denke zumindest ich, und nicht nur ich.


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