In Cäsaréa Philíppi gab es eine weitere Touristen-Attraktion, und das war gleich nebenan das Heiligtum des griechi-
schen Gottes Pan.
Die Leute damals riefen Pan für alles Mögliche und Unmögliche um Hilfe an. Er war im Zweifelsfalle einfach für alles zuständig. In dem uns bekannten Wort „Panorama“ er-
kennen wir etwas von Pan, denn ein Panorama-Foto zeigt auch alles.
Es gab täglich wahre Pilgerströme, die in langen Prozessionen dorthin zogen. Mittelpunkt war eine riesige, dunkle Höhle inmitten des imposanten Felsens. In Felsnischen standen zusätzlich noch Figuren weiterer Gottheiten.
Jesus und seine Jünger standen also nur wenige Meter vor der sprichwörtlichen Höhle des Löwen, mitten im Zentrum der heid-
nischen Götzenverehrung. Und das war eben kein Zufall, sondern eine bewusste Wahl des Ortes für die Erklärung Jesu. Ein heutiger Marketing-Stratege würde sagen: Ganz schön clevere Entscheidung, Jesus!
Wenn er an dieser bekannten Stelle den Simon Barjóna zum Felsenmann erklärt, hat fast jeder im Lande der Juden auto-
matisch das Bild der dortigen Felslandschaft vor Augen.
Ein wuchtiger Felsen ist es, wo Simon Barjóna von Jesus zum Felsen Petrus gemacht wird, denn „petra“ heißt Felsen.
Natürlich kann man sich gerade an dieser Stelle mit der riesigen dunklen Höhle die Mächte der Unterwelt gut vorstellen, von denen Jesus spricht. Genau hier an diesem wichtigen Ort wird die Kampfansage an alle Mächte der Unterwelt ausgesprochen, genau an diesem Götzen-Zentrum, genau Auge in Auge mit den Möchtegern-Göttern!
Hier in Cäsaréa Philíppi kann man sie hautnah erleben, die Götter Marke Eigen-
bau. Felsenfest stehen sie da, und es scheint, als könnte niemand an ihnen rütteln.
Wir heute sind aus der Geschichte natürlich gut informiert: Diese Götzen-Welt ist sang- und klanglos untergegangen. Kein Hahn kräht heute mehr nach ihnen. - Aber machen wir uns nichts vor: Es ist wie mit dem Unkraut. Immer wieder wächst es nach.
Ein Götze ist tot, und bald schon kommt der nächste!
Wir brauchen gar nicht lange nachzudenken, um die Götzen zu benennen, die heute so landläufig verehrt werden: Geld, Besitz, Ansehen, Egoismus, Macht, Sex… - und diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Eine vermutete Hasenscharte hat beispiels-
weise schon genügt, um ein Kind abzutreiben. Der Götzengott heißt nicht mehr Pan oder Augustus, aber die Wirkung ist die gleiche wie bei den falschen Göttern zur Zeit Jesu. Wer sich für sie entschieden hat, der hat sich damit automatisch gegen Jesus entschieden, manchmal sicher sogar ungewollt.
Daher ist die Frage Jesu mehr als berechtigt: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ - Doch diese erste Frage ist nicht entscheidend. Sie gibt nur ein Meinungsbild wieder. Entscheidend ist die sofort nachgeschobene zweite Frage Jesu an seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“
Jetzt kann sich keiner der Jünger hinter irgendwelchen Aussagen anderer Leute verstecken. Jesus will jetzt nicht wissen, was „man“ von ihm hält. Seine Jünger sollte das auch nicht wirklich interessieren. Deshalb formuliert Jesus so klar abgrenzend:
„Ihr aber…“
Das „aber“ signalisiert schon den erwarteten Unterschied zur Meinung der anderen. Mit seiner Doppelfrage will Jesus gerade dies herausstellen. Nicht, was die Leute so daherreden, ist für einen Jünger Jesu von Bedeutung. Jünger Jesu kommen gar nicht drum herum, sich vom dummen Geschwätz anderer abzugrenzen. Das ist wie in der Musik: Wer ein anderes Lied spielen will, kann nicht die selben Noten benutzen. Das Evan-
gelium erzählt, dass nur einer von den Jüngern sofort und auf der Stelle Farbe bekennt, während die anderen mit ihrer Antwort offenbar noch abwarten. „Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“
Da ist sie wieder, die spontane, schnelle, mutige Reaktion des Petrus, die wir schon kennen. Er fackelt eben nicht lange. Er windet sich nicht irgendwie heraus. Nein, Petrus bezieht klar Stellung. Da gibt es keinen Interpretations-Spielraum. Ja, dieser Jesus ist der Messias, auf den das Volk Israel schon so lange gewartet hat. Er ist es, der ersehnte Erlöser und Sohn des le-
bendigen Gottes, in dem Gott selbst zu uns spricht. Er, und kein anderer. Basta!
Die Reaktion folgt prompt: „Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“
Diese Aussage Jesu ist von großer Bedeutung, denn sie stellt klar, dass der Fischer Petrus nicht wegen seiner Klugheit oder anderer Talente solch ein Bekenntnis ablegt, sondern durch eine Eingebung, durch eine Hilfeleistung Gottes.
Dementsprechend preist Jesus ihn auch nicht wegen der korrekten Antwort auf eine theologische Prüfungsfrage selig, sondern weil der Vater im Himmel ihn zu dieser Aussage geführt hat. - Dann folgt die Konsequenz Jesu daraus: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“
Jetzt erst spricht Jesus ihn mit seinem neuen Namen an. Jetzt erst ist er wirklich Petrus, der Fels. Nur da dieser Petrus sich in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes befindet, kann Jesus auf ihm seine Kirche bauen. Die Mächte der Unterwelt kämpfen zwar stets gegen die Kirche an, aber Gott steht hilfreich hinter ihr und speziell hinter Petrus.
Petrus als Fels operiert also nicht im luftleeren Raum, sondern gewissermaßen unter den Augen Gottes. Nur so kann Petrus überhaupt die Last dieser gewaltigen Aufgabe annehmen. Nur so kann er diese Bürde tragen.
Mit dieser von Gott über-
tragenen Auf-
gabe setzt er sich ganz automatisch dem Widerspruch aus; er steht jetzt sozusagen offi-
ziell in der Schusslinie der Unterwelt. Papst Johannes Paul II. musste dies bei einem Attentat am 13.Mai 1981 sehr schmerzlich zu spüren bekommen. – Und Petrus selbst starb in Rom den Tod am Kreuz, wie sein Herr, wie Jesus.
Interessant ist am heutigen Evangelium auch, dass Petrus auf die Erklärung Jesu gar nicht antwortet. Normalerweise ist er doch mit dem Mund sofort dabei. Hier aber schweigt er, denn er spürt, dass dies kein Diskussionsvorschlag Jesu ist, sondern ein Versprechen, eine feste Zusage.
„…auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ .
Da ist nur einer, der handelt, und zwar Jesus. Es ist nicht die Kirche des Petrus, es ist nicht unsere Kirche, und schon gar nicht „Wir sind Kirche“, sondern es ist die Kirche des Herrn. Sie ist sein Eigentum, aber dem Petrus und uns allen anvertraut. Es ist auch kein Zufall, dass die heutige Szene sich unmittelbar vor Jesu Ankündigung seines Leidens und Sterbens abspielt. Es geht weiß Gott also nicht um Pomp, Würde und Macht, sondern beim Papstamt geht es um Opfer und schwere Last im Dienste des Herrn.
Das bedeutet freilich auch, dass Petrus und jeder seiner Nachfolger auf dem Stuhl Petri nicht schalten und walten kann, wie er will. Er ist schließlich nur der Verwalter, nicht der Besitzer. Wenn ich z.B. eine Wohnung gemietet habe, kann ich nicht eigenmächtig Wände herausbrechen oder Untermieter bei mir aufnehmen. Alle größeren Entscheidungen habe ich als Mieter mit dem Besitzer meiner Wohnung abzusprechen. Das Papst-
amt in der katholischen Kirche ist auch nur in dieser engen Verbindung mit dem eigentlichen Herrn der Kirche denk-
bar.
Dabei bleibt Petrus und jeder Nachfolger stets ein Mensch
mit Fehlern und Schwächen und auch ein Sünder. Mit der dreimaligen Ver-
leugnung seines Herrn dient Petrus da als trauriges Beispiel.
Die Mächte der Unterwelt geben eben nicht so schnell klein bei. Sie versuchen immer wieder, der Kirche die dicksten Stolper-
steine in den Weg zu legen, am liebsten aber diejenigen, die man erst viel zu spät bemerkt. Die Kirchengeschichte ist leider auch ein Beispiel für solche Fallen, doch das ist ein abendfüllendes Extra-Thema.
Das heutige Evangelium schließt mit Jesu Sätzen: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern niemand zu sagen, daß er der Messias sei.“
Hier wird es geradezu feierlich. Petrus als Schlüsseldienst!
Er bekommt die Schlüssel des Himmelreiches von Jesus. Das ist nun wirklich eine echte Schlüsselposition! - Und was so ein richtiger Schlüsseldienst ist, der schließt natürlich hauptsächlich auf, und nicht zu!
Der eigentliche Besitzer ist Jesus Christus selbst, und der möchte, dass möglichst vielen Menschen das Himmelreich aufgeschlossen wird!
Petrus, der Hitzkopf, wird in die größte Verantwortung genommen. Jesus ist also nicht wie ein Fußball-
Manager, der einen Stürmer nach einem Patzer schnell aus-
wechselt. Jesus steht zu Petrus, er baut auf ihn und baut ihn auf. Er schätzt dessen Qualitäten, besonders den Mut. Petrus zeigt Führungsqualitäten. Dazu gehört auch, dass er Fehler ein-
gestehen kann, ja sogar bitterlich darüber weinen kann. Das ist heute oft anders: Fehler z.B. in der Politik werden nur äußerst ungern zugegeben, und wenn doch, dann verkauft man sie am liebsten noch als Erfolg. Das Weinen überlässt man lieber anderen.
Wenn Petrus diese gewaltige Aufgabe annimmt, dann nur im Vertrauen auf Gottes Hilfe. Er weiß, dass er nicht der Supermann der Kirche ist. Gerade das ist vielleicht ein Teil seines Erfolges in der jungen Kirche. Petrus spielt nicht den Helden, den Star. Und mal ganz unter uns gesagt: Ein theologisches Hochschulstudium oder gar ein Abschluss-Examen soll er angeblich auch nicht nachweisen können. Das wären heute schlechte Chancen bei einer Bewerbung im Kirchendienst, oder?
Dieser Petrus bekommt die Himmelsschlüssel. Aber was bedeutet das konkret? – Klar ist aus der Formulierung, dass seine Aufgabe auf die Erde begrenzt ist: „…was du auf Erden binden wirst…“ und „was du auf Erden lösen wirst…“ - Was ist mit „binden“ und „lösen“ auf Erden gemeint, das auch im Himmel gelten soll?
Die Binde- und Lösegewalt war zur Zeit Jesu ein bekannter Begriff. Die Gesetzes-
lehrer und Schriftgelehrten hatten die Aufgabe, über die religiösen Vorschriften zu wachen, aber auch die Pflicht, diese Regeln für den Alltag der Menschen zu interpretieren und so für alle Klarheit zu schaffen. So kamen die Menschen zu den Schriftgelehrten, um sich ein Gebot für ihren Fall, für ihr Problem auslegen zu lassen: Darf ich das, oder darf ich das nicht?
Oder man kam, um sich über jemand in der Gemeinde zu beklagen. Diese Gesetzeslehrer hatten dann die weniger er-
freuliche Aufgabe, im Konfliktfalle bestimmte Menschen notfalls aus der jüdischen Gemeinde zu verbannen, natürlich nach ausführlicher Prüfung. Das nannte man „binden“, also das Aussprechen des Bannes über eine Person. Ebenso konnte aber auch nach reiflicher Prüfung ein Bann wieder aufgehoben werden. Durch dieses „Lösen“ wurde der Sünder erneut in die jüdische Gemeinde aufgenommen.
Die Aussage Jesu über Petrus macht ja nur Sinn, wenn seine Zuhörer die Begriffe „binden“ und „lösen“ in ihrer Bedeutung für die Gemeinde bereits kannten. Jesus gibt deshalb keine Aus-
führungsbestimmungen dazu, sondern gibt nur diese Erklärung ab: „…was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein….“
Petrus fragt auch nicht nach: Wie meinst du denn das, Herr?
Er wusste eben genau, um was es hier ging. Jesus vertraute ihm für die Zukunft die Entscheidung darüber an, wie der Wille Gottes für seine Kirche in der Praxis aussieht. Das ist eine Art Vollmacht, wie wir sie auch aus dem Geschäftsleben kennen. Petrus soll also gewissermaßen im Auftrage unterschreiben, er soll entscheiden, was gilt und was nicht.
Dabei geht es aber nicht um Gezänk und um Recht-
haberei.
Es geht auch nicht um Entscheidungen nach eigenem Ermessen. Das wird im griechi-
schen Urtext deutlich durch die grammatikalische Form in der Zeitform der vollendeten Zukunft: Durch sie wirkt der Satz schon fast steif. Dort steht genau: „…was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden gewesen sein“ bzw. beim zweiten Teil: „…das wird im Himmel gelöst gewesen sein.“
Das ist kein Streit um Worte, sondern es gibt dem zukünftigen Tun des Petrus einen klaren Hintergrund: Wenn er bindet oder löst im Auftrage Jesu Christi, dann tut er gerade in diesem Moment real auf Erden etwas, was im Himmel längst be-
schlossene Sache war. Im Himmel ist es schon gelöst gewesen, im Himmel ist es schon gebunden gewesen!
Petrus wäre völlig überfordert, wenn er aus sich heraus die Kirche auf Kurs halten sollte. Jesus verspricht im heutigen Evangelium ihm und seinen Nachfolgern: Keine Angst, ihr tragt die Verantwortung gar nicht alleine. Das könntet ihr auch gar nicht leisten. Das geht über alle menschliche Kraft und auch über alle menschliche Urteilskraft.
Ihr könnt aber felsenfest auf Gott vertrauen.
Wenn ihr auf ihn baut, dann werdet ihr Entscheidungen treffen, wie der Himmel sie haben will. Dabei seid ihr oft genug in heidnischer Umgebung. Man wird euch anfeinden, weil ihr die Götzen nicht verehrt, denen die Mehrheit der Menschen huldigt. Die Götzenstadt Cäsaréa Philíppi ist im Prinzip überall und zu jeder Zeit.
Also, ihr Christen: Bleibt wie Petrus felsenfest!
Auf einem Plakat würde stehen: Keine Macht den Götzen!
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Beweis: Es ist wissenschafflich einwandfrei bewiesen, dass die Nerven des Hinterns unmittelbar mit denen der Augen verbunden sind. Der Beweis: Setzt man sich auf einen Nagel, treten sogleich Tränen in die Augen.
Konfessionelles: Im frommen Münsterland geht ein achtjähri-
ger katholischer Junge eines Tages mit einer evangelischen Klassenkameradin in einem Weiher baden. Weil sie beide keine Badekleidung dabei haben, ziehen sie sich nackt aus. Da guckt der Junge ganz groß auf eine gewisse Körpergegend des Mäd-
chens und meint: Jetzt weiß ich endlich, was den Evangelischen fehlt!
Im christlichen Glauben gibt es Erzählungen rund um die Ent-
stehung der Schlüsselblume, z.B. diese: Petrus erfuhr eines Tages, dass sich jemand den Schlüssel für die Himmelstüre nachgemacht hatte. In seiner Aufregung ließ er den Haupt-
schlüssel auf die Erde fallen. Sofort wurden Engel los geschickt, um diesen zurückzubringen. Doch dort, wo der Schlüssel liegen sollte, war er nicht zu finden. Stattdessen wuchsen Felder von Blumen, deren gelbe Blüten die Form des Himmelsschlüssels hatten.
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Jetzt schon ein Hinweis: Zum 24. Sonntag A am 11.9.2011 KEINE Predigt!
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