23.08.2011

Priestermangel: Alte Priester über 75 immer noch im Dienst - ein Drama oder eher doch nicht?

(Fortsetzung)

Es wird so getan, als sei ein Leben als Priester genauso etwas wie eine Berufstätigkeit als Schlosser oder Bäcker. Pensionsalter erreicht – und tschüß!
Schon bei manchen anderen Berufen wird nicht so gedacht und gehandelt. Denken wir nur an ältere Ärzte, Künstler, Landwirte oder auch Politiker. Schaut man sich im Bundestag und im Europa-Parlament um, bemerkt man einen erstaunlich hohen Anteil von über 65-jährigen.
Ausgerechnet beim Priester soll das anders sein? – Als diese bei der Weihe ihr „ganz und gar“ versprachen, hat nie-
mand die Worte hinzu-
gefügt: „allerdings nur bis zum 70. Lebensjahr“.
Das grundlegende Missverständnis liegt darin, dass man verdrängt und vergessen hat, dass Priester sein weniger ein Beruf, sondern vielmehr eine Berufung ist. Ein Leben in Ganz-
hingabe vor Gott soll es sein, auch als Orientierung für die anderen, wie auch beim Thema Zölibat sichtbar wird.
Es ist von der Theologie der Weihe her einfach unfassbar, glauben zu wollen, man könne und solle 30 oder 40 Jahre ganz aus der Feier der Eucharistie heraus leben und dann einfach abwinken und die Koffer packen.
Ist es nicht auch so, dass gerade das Beispiel der älteren Priester imponierend und ein tapferes Zeugnis des Glaubens ist?
Ja, es macht vielen große Mühe, den Aushilfsdienst zu bewäl-
tigen. Auch ich habe Priester erlebt, die von Messdienern gestützt, am Altar gestanden haben. Die Gemeinde hielt damals den Atem an, als der 80-jährige mit sichtbar schmerzverzerrtem Gesicht die Stufen zum Altar bewältigte. Und doch war es ein großes Geschenk, was er uns machte: Sein Credo ohne Worte brannte sich in die Herzen ein: Ich tue Dienst für den Herrn, bis ich wirklich nicht mehr kann oder umfalle.
War es nicht auch bei Papst Johannes Paul II. so? - In jüngeren Jahren hatte er keine andere Botschaft als die im Alter. Aber wie haben die Menschen erst mit ihm gelitten, um ihn gebangt und für ihn gebetet, als er unter allergrößter Kraftanstrengung vor die wartende Menge trat?!
Ja, wir haben Priestermangel. Doch gleichzeitig beklagen sich auch ältere Priester, dass sie auf’s Abstellgleis geschoben wurden. Einer Zeitung gegenüber hat es einer von ihnen so formuliert:
„Es verletzt mich, wenn die Gemeinde regelmäßig am Sonntag Wortgottesdienste feiert und ich werde nicht darum gebeten, zu zelebrieren, obwohl ich da bin.“
Ja, wir haben Priestermangel, aber manchmal ist er auch gewollt, wenn Vertretungsmöglichkeiten nicht genutzt werden. Das geht sogar so weit, dass zur Verfügung stehende Priester von Ge-
meinden abgelehnt werden, weil man diese schlecht verstehe oder weil diese bei „lokalen Eigenliturgien“, um es mal vornehm zu formulieren, nicht mitspielen wollen.
Viele offiziell im Ruhestand befindliche Priester bestätigen, dass es ihnen auch seelisch gut tut, wenn sie nicht einfach ausge-
mustert werden wie ein altes Auto.
Schauen wir auf den jetzigen Papst, der auch weit über 80 Jahre alt ist, und wie - nicht nur- die Jugend ihm zujubelt! Es ist eben nicht das Alter, das Priester glaubwürdig macht oder nicht. Glaubwürdigkeit ist nicht an Lebens-
jahrzehnte gebunden. Da gibt es durchaus Priester, die erst gerade mal 40 sind, die sich eine große Scheibe von Einsatz und Überzeugungskraft des Papstes und vieler „alter Herren“ abschneiden könnten, statt alle Nase lang aus der Pfarrei verschwunden zu sein , auf Fortbildung, auf Tagung, auf Erholungsurlaub und wer weiß was – egal, Hauptsache weit genug weg…


- "Es verletzt mich..." - Zeitungstext >> BITTE KLICKEN !
- Regelungen für Priesteraushilfen (pdf) >> BITTE KLICKEN !
- Aushilfe als Erholung für Priester >> BITTE KLICKEN !
- Nigeria: viel zu viele Priester >> BITTE KLICKEN !

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3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielen in der Kirche ist nicht mehr bewusst, welchen Schatz alte Priester bedeuten. Auch in der Seelsorge (z.B. Beichtgespräche) kann das hilfreich sein!

Anonym hat gesagt…

Meine Mutter sagte immer: Der Fisch stinkt vom Kopf her! - Eine Kirche mit mehr Bischöfen und Priestern, die Jesus aus ganzem Herzen und all ihrer Kraft liebten, würde besser da stehen als dieser Diskutier-Haufen heute!
Ich bin 68 Jahre und habe noch einen glühenden Ortspfarrer kennenlernen dürfen, der das Pfarrhaus nur ganz selten verließ, aus Angst, einen Hilferuf z.B. zu einem Sterbefall zu verpassen. Von seinem nicht so üppigen Studienratsgehalt wie heute gab er einen Großteil stillschweigend an die Armen der Gemeinde, ganz lautlos und ohne jemand zu beschämen. Solche Priester braucht das Land!

P. Gregor hat gesagt…

Ich stimme im Prinzip zu. Man muss sich jedoch hüten, die Priester zu Übermenschen stilisieren zu wollen. Auch sie sind sündige Menschen, die der Vergebung bedürfen.
Freilich gilt hier wie in anderen Bereichen, z.B. der elterlichen oder schulischen Erziehung:
Mit vorbildlichem Verhalten erreicht man mehr als durch 1000 Worte.

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