27.08.2011

Priester-Ungehorsam: Kommt es im September zum großen Knall?

(Fortsetzung)

Nicht viel ist durchgesickert. Der Priesterrats-Vorsitzende Wilhelm Müller erklärte nachher vor der Presse: „Im Laufe der Zeit hat sich beim Kardinal ein Unbehagen über manche Ent-
scheidungen seines Generalvikars aufgestaut.“
Es sei eigentlich Aufgabe aller Priester, „mit ihrem Bischof zu gehen und nicht gegen ihn“. War das deutlich genug?
Man darf sicher davon ausgehen, dass diese aufsehen-
errregende Entlassung innerlich nicht spurlos an Pfarrer Schüller vorbeigegangen ist. Es ist nur eine Frage, und ich weiß die Antwort nicht, aber kann es sein, dass die jetzige Aktion vielleicht ein Stück weit auch eine Art Rachefeldzug ist?
Pfarrer Schüller zeigt sich jedenfalls kampfeslustig und siegessicher. Er werde nicht freiwillig zurückweichen. Im Gegenteil: Er setzt noch eins drauf. In der Kirche habe man es „mit einer absolutistischen Zuspitzung des Papstamtes zu tun“, erklärt er der sensationsgierigen Presse.
Im Juni forderte er gar im Newsletter der Pfarrer-Initiative Papst Benedikt auf, „sich einer Kommission zu stellen oder zurück-
zutreten“
, berichtet
ein Leser.
Der Aufruf zum Ungehorsam (>> BITTE KLICKEN !) sorgt nach wie vor für erheblichen Wirbel. In Kärnten unterstützen ihn beispielsweise 16 von insgesamt 252 Priestern.
Doch nicht nur die große Mehrheit der Priester sieht diese Aktion kritisch. Auch eine aktuelle Umfrage ergab, dass mehr als die Hälfte aller Österreicher in dieser Initiative nicht mehr als einen „Profilierungsversuch“ einiger Priester sieht. Wer halbwegs informiert ist, weiß natürlich, dass Forderungen wie beispiels-
weise die Abschaffung des Zölibats, Zulassung von Frauen zum Priesteramt und Kommunionausteilung auch an Ausgetretene
so alte Ideen sind, dass sie schon auf der Bartwickelmaschine laufen. Ihre ständige geradezu bockige und publikumswirksame Wiederholung macht sie nicht besser.
Der Kardinal ist unterdessen um Schadensbegrenzung bemüht. Im September soll es ein erneutes Gespräch geben. In einem öffentlichen Brief an alle Mitarbeiter, Gemeindemitglieder und Mitpriester erinnert er allerdings auch daran, was die Priester bei ihrer Weihe versprochen haben, und zwar „aus freien Stücken“. Einen öffentlichen Aufruf zum Ungehorsam halte er „für keinen hilfreichen Schritt“.
Ein Riss geht quer durch
die Kirche in Österreich. Auffallend ist aber auch, dass immer mehr Priester und Laien gegen die umstrittene Initiative Position beziehen. Soeben hat z.B. die „Arbeits-
gemeinschaft Katholischer Verbände
“ erklärt, sie lehne diese Aktion „entschieden ab“. Man empfiehlt eine „Mäßigung in den Methoden“ und fordert auf, den übertreibenden Aufruf zurück-
zunehmen. „Solches Verhalten darf nicht zum Umgangston innerhalb des Christentums werden“, formulieren die Verbands-
vertreter mit ungewöhnlicher Schärfe. Im übrigen sei es aufschlussreich, dass die Pfarrer-Initiative zwar die Laien für ihren Aufruf einspannen wolle, aber nie mit den zuständigen Verbänden Kontakt aufgenommen habe.
Man darf nur hoffen und beten, dass allen Beteiligten wirklich bewusst ist, welche Verantwortung für einen guten Ausgang des nächsten Gespräches sie tragen!

- Schüller fordert Schönborn heraus
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- Bloggerkollege hat trefflich kommentiert
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- Wo bleibt Forderung Nr. 8…?
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- Offener Brief von Kardinal Schönborn
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- Prof. Dr. Georg May über die wirklichen Ursachen des Priestermangels (pdf) >> BITTE KLICKEN !
- Meine Satire: „Kirche 2020“ (pdf)
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- Pfarrer wehren sich gegen Pfarrer-Initiative
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- Originell: Gegen-Aufruf zum Gehorsam, in wenigen Tagen
über 1.000 Unterschriften >> BITTE KLICKEN !
- Laienverbände sind sauer über Pfarrer-Initiative
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5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Über solche Priester kann ich nur den Kopf schütteln. Auf jeder anderen Arbeitsstelle wären sie längst rausgeflogen, wegen fortgesetzter Schädigung des Betriebsklimas und des Ansehens der Firma.

Sigrid H. hat gesagt…

Das Foto von Hw. Schüller erinnert an Cäsar. Der Lorbeerkranz fehlt allerdings. Was macht der Herr eigentlich außerhalb der Liturgie mit dem Messgewand?

Anonym hat gesagt…

Kenntnisreiche Analyse - Gratulation!

Dr.Boer hat gesagt…

Ich weiß nicht, ob die Priester jener seltsamen Initiative eine besondere Art von Humor haben. Ich finde es jedenfalls amüsant, lauthals mehr Demokratie in der Kirche zu fordern und sie selbst nicht anzuwenden. - In deren Newsletter Nr. 9 kann man nachlesen, dass der Text der Forderungen gar nicht von den einfachen Mitgliedern beschlossen worden ist:
http://www.pfarrer-initiative.at/newslet.htm

Anonym hat gesagt…

Diese Protest-Initiative kommt in Österreich an - dafür sorgen schon Massenmedien wie "DER STANDARD", die immer wieder tendenziös darüber berichten. Und erst die Leser-Kommentare - was für ein Niveau!
Hauptsache, man hat eine Meinung (gegen die Amtskirche). Schaut man sich die Internetseite der Pfarrer-Initiative auf, staunt man nicht schlecht: In den ganzen 5 Jahren des Bestehens gibt's dort sage und schreibe 72000 Besucher, also gerade mal 39 pro Tag. Ein Witz...!

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