Die Tempel-Prominenz weiß schon so einiges, z.B. dieses: Johannes ist der noch in hohem Alter geborene Sohn des Tempelpriesters Zacharias und seiner Frau Elisabeth. Es wurde sogar erzählt, dem Zacharias sei beim Opferdienst im Tempel
der Erzengel Gabriel erschienen, um das freudige Ereignis zu verkünden. Weil Zacharias aber daran zweifelte, musste er bis zur Geburt des Johannes stumm sein.
Doch keine Frage: Johannes ist mehr als nur der Sohn eines jüdischen Tempel-priesters. Er spricht mit großer Autorität, und die Menschen hören auf ihn.
Aber wer ist er nur, dieser Gottesmann?
Die Abgesandten sollen es herausbekommen. Und das geht immer am besten, indem man den Betreffenden selbst fragt.
Das heutige Evangelium schildert nun diese Situation. Und die
ist für Johannes nicht ganz einfach. Natürlich weiß er, dass diese amtliche Befragung einem Verhör gleichkommt. Und Johannes weiß, dass sie jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen werden.
Wir wissen heute, was Johannes damals noch nicht wusste: einige Zeit später wird ihn seine deutliche öffentliche Kritik am Ehe- bruch des Herodes den Kopf kosten. Aber jetzt und hier könnte Johannes den Fragenden noch elegant ausweichen.
Er könnte, wie das nicht nur in der Politik heute schon mal geschieht, einfach drumherum reden oder schlicht den Mund halten. Sie hatten bisher schließlich nichts gegen ihn in der Hand. - Auch wenn es ihm sichtlich schwerfällt, über sich selbst zu reden: Johannes weicht jetzt nicht aus, sondern er legt mutig Zeugnis ab. Im Evangelium heißt es: „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.“
„Zeugnis ablegen“ – das klingt wie eine Zeugenaussage vor Gericht. Man sagt, was man gesehen hat, und fertig. Im Urtext des heutigen Evangeliums steht hierfür aber das Wort „Martyria“ – und wir erkennen sofort darin das Wort „Märtyrer“.
Zeugnis ablegen heißt also nicht nur, etwas für wahr zu halten und das vor anderen Menschen zu bezeugen. Zeugnis ablegen heißt eben auch, im Notfall bereit zu sein, dafür mit Leib und Leben einzustehen.
Die Frager möchten Johannes gerne präzise in eine ihrer Schubladen einordnen; sie wollen eine klare, gerichtsverwert-
bare Aussage. Doch Johannes muss sie enttäuschen: Dreimal antwortet er nur mit NEIN.
Nein, er ist nicht der Messias. Nein, er ist nicht der Prophet Elija, von dem viele erhofften, dass er wieder lebendig würde. Nein, er ist auch nicht der von Mose angekündigte große Prophet. -- Da wird die Abordnung aus Jerusalem doch allmählich etwas ungeduldig, denn es heißt im Evangelium: „Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?“ In aller Demut bekennt Johannes nun: Ich bin doch nur eine Stimme, ich bin nur wie ein Nachrichtensprecher. Nicht ich bin wichtig, sondern die frohe Nachricht, die ich euch verkünden soll. Nur darum geht es! Kapiert das doch!
Doch so schnell gibt man sich nicht geschlagen. Nachdem Johannes mit seinem dreimaligen klaren NEIN selbst seine eigene Autorität kleingeredet hat, haken einige mitgekommene Pharisäer nochmal nach: Wenn du das alles also nicht bist,
wie du selbst zugibst, warum taufst du dann?
Das soll heißen: Wenn du wirklich so unbedeutend bist, wie
du sagst, woher nimmst du dann eigentlich das Recht, hier so machtvoll aufzutreten, zur Umkehr aufzufordern und zu taufen?
Damit geben sie unmissverständlich zu verstehen, wie unge-
halten sie darüber sind, dass Johannes von allen Buße und Umkehr verlangt. Schließlich sind sie doch die Guten und Frommen, die Tag für Tag haarklein auf die Einhaltung der Gebote achten.
Auch jetzt widersteht Johannes der Versuchung, sich selbst geschickt ins rechte Licht zu rücken.Er verzichtet auf lange Erklärungen über seinen Auftrag von Gott, der ausnahmslos alle betrifft. Vermutlich würden sie ihn ohnehin nicht verstehen. Sie haben ihre ganz spezielle Brille auf.
Sie sehen nur, was sie sehen wollen, und sie hören nur, was sie hören wollen. Man kann eben sehen und hören und doch gegenüber der Realität blind und taub sein.
Johannes greift die Frage der Pharisäer nach seiner Berech-
tigung aber doch auf und erwidert ganz bescheiden: „Ich taufe mit Wasser.“ - Wir würden dies heute vielleicht so übersetzen: Was ich hier mache, das kann doch jeder, ich koche auch nur
mit Wasser! - Ich taufe jeden, der zu mir kommt, der seine Sünden wirklich aufrichtig bereut und um die Taufe bittet!
Sein direkt nachfolgender Satz jedoch steht jedoch damit im Zusammenhang und ist ganz entscheidend: „Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.“
Auf einmal wird Johannes regelrecht gesprächig. Keine kurze Antwort, sondern eine ganz ausführliche Erklärung liefert er da seinen Kontrolleuren. Jetzt, wo er übrigens ohne Nennung des Namens von Jesus spricht, da legt er sich so richtig ins Zeug.
Er legt klar Zeugnis ab für das Licht, für den-jenigen, der so viel größer ist als er. Dieser Jesus ist so unbeschreiblich groß, dass die Fragenden ihn nicht kennen,
noch nicht wahrnehmen können. Das heißt: Mit Jesus wird die Weltgeschichte ganz neu geschrieben, er ist mit nichts und niemand Bekanntem vergleichbar. Er ist schon da, „mitten unter euch“, also mitten in dieser unserer Welt, wie Johannes in An-
lehnung an den Propheten Jesaja formuliert.
Nun sollte man doch eigentlich annehmen, dass die Abordnung aus Jerusalem weiter fragt, dass sie sich jetzt sofort kundig machen will über den, der so viel größer ist als der schon so faszinierende Johannes. Doch zu unserem Erstaunen geschieht nichts dergleichen. Sie erkennen die Bedeutung und Brisanz der Aussage von Johannes einfach nicht. Das liegt jenseits ihres Vorstellungsvermögens und vor allem jenseits ihres Auftrages. So belassen sie es dabei und haken nicht weiter nach. Sicher sind sie nur heilfroh, dass sie ihre Inspektionsreise bald hinter sich haben. In der Wüste zurück bleibt nur ein eindrucksvoller Zeuge, den die offiziellen Besucher ganz offensichtlich nicht verstanden haben.
Wer aber den an das heutige Evangelium direkt anschließenden Abschnitt liest (Joh 1,29-34), der erfährt dort auch prompt, wie aktuell Johannes mit dieser Aussage ist, denn dort heißt es gleich zu Beginn: „Schon am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen…“ - Jesus kommt also zu Johannes in die Wüste, stattet ihm seinen ersten Besuch ab.
Was aber sagt uns Christen heute persönlich und ausgerechnet so kurz vor Weihnachten dieses Evangelium mit dem Glaubens-
zeugnis des Johannes?
Es ist schon wie ein überdeutlicher Wink mit dem Zaunpfahl: die Bibel fordert uns hier mit den Worten des Johannes auf, unsere Augen und Ohren offen zu halten. Der Herr selbst wird kommen, ja, er ist schon mittenunter uns! Wir sind aufgerufen, ihn wahrzunehmen und zu ihm
zu gehen. Weihnachten – das ist weit mehr als Tannenbaum, besinnliche Stunden und Geschenke. Weihnachten – das heißt: wie Johannes die frohe Nachricht weitersagen dürfen: Christus, unser Retter, ist wirklich da!
So weit wie es ihm möglich ist, sollte jeder Christ wie Johannes sein: ganz konzentriert und ausgerichtet auf den kommenden Herrn. - Mehr noch: wie Johannes sollen wir auf unsere Weise, an unserem Ort auch Zeugnis ablegen, in Wort und Tat einstehen für unseren Glauben. Man nennt das auch: Flagge zeigen.
Bei Schiffen wissen die anderen anhand der gehissten Flaggen sofort viele Einzelheiten über Schiff und Ladung. Wenn wir zur Kirche gehen, wenn wir im Beruf, in der Familie, bei Freunden und Bekannten Flagge zeigen und das Signal setzen, dass wir uns zu Jesus Christus als unserem Herrn bekennen, dann kann der Herr in unser Herz kommen, und das nicht nur zu Weihnachten.
Predigt: „Johannes, bescheiden, aber Zeuge“ (pdf)>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Dr. Jörg Sieger
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Gottesdienstentwurf Pfr. Bruno Layr
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Predigt P. Prof. Dr. Medard Kehl SJ: „Wer bist du?“ (pdf)
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Adveniat (2008): Gottesdienstmaterial und Predigt (pdf)
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Predigten Karl-Leisner-Jugend
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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E-Mail-Grußkarten der Kath. Kirche Österreich
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Jede Menge Weihnachtskrippen
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Sternsinger-Aktion 2012
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Die dreijährige Ina hat gut aufgepasst und singt deshalb aus voller Kehle vor dem Mittagessen beim Tischgebet mit, zumal heute Besuch dabei ist: „Segne, Vater, diese Gabeln…!“ Zwei Helferinnen der Frauengemeinschaft kommen auf dem Adventsbasar der Gemeinde ins Gespräch. „Ach, weißt du", seufzt die eine, „ich weiß gar nicht, ob ich bei den vielen Ver-
änderungen in unserer Kirche noch richtig bin. In den letzten Monaten habe ich immer wieder große Glaubenszweifel!"
„Hast du denn mal mit unserem Pfarrer darüber gesprochen?", erkundigt sich die andere besorgt. „Ach, nein – die Zweifel sind von ganz alleine gekommen."
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