29.12.2011

Gute Vorsätze zum Jahreswechsel? - Nein, bitte nicht...!

(Fortsetzung)

Der Geist war willig, und das Fleisch mal wieder reichlich schwach. Man hat es also wieder einmal vermasselt.
Was für ein Armutszeugnis für sich selbst…!
So und nicht anders wird es kommen mit den allermeisten guten Vorsätzen, und zurück bleiben seelische Wunden oder zumindest ein schlechtes Gewissen. Warum ich? Warum schaffe ich das einfach nicht?
Gehen wir den Dingen mal ein klein wenig auf den Grund.
Die erste Frage
vor solchen guten Vorsätzen könnte dann sein: Warum eigentlich will ich mich überhaupt in einem oder mehreren Verhaltensweisen grundlegend ändern? - Und: Ist eine radikale Kehrtwende überhaupt realistisch?
Also im Klartext: Wenn ein Elefant sich vornimmt, fliegen zu lernen, wird er garantiert scheitern. Er bleibt ein Elefant, nachher höchstens ein lächerlicher. Ihm fehlen eben wesentliche Voraus-
setzungen, um fliegen zu können. Und selbst wenn er es rein hypothetisch tatsächlich lernen würde, dann wäre er um so vieles anders, dass er kein Elefant mehr wäre.
Im Januar und Februar sieht man sie beispielsweise wieder keuchend durch die Parks joggen, die tapferen und frustrierten Kämpfer gegen den inneren Schweinehund. Ohne spotten zu wollen: Vielen sieht man es an, dass sie wahrlich nicht zum Läufer geboren sind. Der erstaunte Zuschauer sieht es, und sie selbst müssten es eigentlich auch sehen und spüren. Mit hoch-
rotem Kopf und am Ende ihrer Kräfte sinken sie daheim auf die Couch.
Nach einigen Wochen der Selbst-Peinigung ist es vorbei.
Die Kapitulation ist ein Faktum. Sie haben sich selbst etwas vorgemacht. Das konnte nicht gutgehen. Die Vorbedingungen stimmten einfach nicht. So weh es im Einzelfall tun kann – sie sind nicht zum Sportler geboren.
Realistischer wäre es gewesen, nach Kompromissen zu suchen und die Messlatte nicht zu hoch zu legen.
Ein Spaziergang mehrmals in der Woche bringt da beispielsweise mehr als ein Jogging-Abenteuer, bei dem man auf die Nase fällt.
Als Christen wissen wir ohnehin, dass Gott uns nicht deshalb liebt, weil wir uns auch ja immer tüchtig abquälen, sondern weil wir durch seine Gnade Gotteskinder sein dürfen. Gott weiß um unsere Stärken, aber auch um unsere Schwächen. Sie gehören zu uns, und wir müssen sie nicht verstecken.
Wo wir uns oder anderen mit schlechten Angewohnheiten Schaden zufügen können, da ist es allerdings angebracht, das Verhalten zu ändern. Wenn Papa z.B. nur selten Zeit für die Kinder hat, kann das niemand gutheißen.
Weil wir uns aber von Gott geachtet und geliebt wissen, müssen wir uns nicht mit überzogenen Ideen unter Druck setzen. Es ist eher albern, wenn Papi sich einen Ruck gibt und mit den Kindern spielt, während er dabei heimlich alle paar Minuten auf Handy und Uhr schielt.
Als Christen haben wir gelernt, einander anzunehmen.
Das kann im konkreten Fall z.B. helfen, in der Familie gemein-
sam nach wirklich realistischen Lösungen zu suchen, mit denen alle Beteiligten auch zufrieden leben können.
Gute Vorsätze – warum nicht? Aber bitte nicht im Hauruck-Verfahren, weil gerade mal wieder Neujahr ansteht…
Bist du schick?
Bist du dick?
Lebst du stets nur ganz gesund?
Bist du stattdessen kugelrund?
Gott ist’s gleich,
denn in sein Reich
soll’n alle rein;
so muss es sein!

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2 Kommentare:

Der Thuriferar hat gesagt…

Ich stimme im Prinzip zu. Mark Twain hat es so köstlich auf den Punkt gebracht: "Mit dem Rauchen aufhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft...!"
Allerdings, lieber Predigtgärtner: Übersehen Sie hier vielleicht, dass gute Vorsätze einfach nötig sind, damit wir uns bessern können?!
Zu einer gültigen Taufe gehört der gute Vorsatz unbedingt dazu!

Der Predigtgärtner hat gesagt…

Na klar! - Mein Artikel ist allerdings auch nicht als das Thema erschöpfender Aufsatz gemeint, sondern als humoristischer Kommentar. Am Beispiel eines Scheinwerfers erläutert: Immer nur ein bestimmter Ausschnitt befindet sich im hellen Licht der aktuellen Wahrnehmung, aber die wichtige Nachbarschaft gibt's trotzdem. -- Danke für die Nachfrage!

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