Vergessen wir alles, was wir über Menschenworte im Kopf haben. Vergessen wir alles, was sich an Bedenken und Er-
fahrung in uns meldet. Ein einziges Wort, ein einziger Gedanke genügt – und alles, was Gott will, das geschieht.
Sofort zu Beginn der Heiligen Schrift zeigenuns die Aussagen über die Schöp-
fungsgeschichte, was ein Wort Gottes bewirkt: „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ -
Gottes Machtwort schenkt Licht, Gottes Wort schenkt Leben. Ohne sein Wort läuft gar nichts, würde man heute wohl sagen.
Gottes Wort ist Ausdruck seiner unbegreiflich großen Liebe.
Was Gott damit in Bewegung setzt, ist einfach nur gut. Kein Haken, keine Hintertür, keine Doppeldeutigkeit – einfach nur gut.
Gut – das heißt: genau so, wie von Gott gewollt, genau so
gut wie Gott. Ja, das Wort ist sogar identisch mit dem, der es ausspricht.
So heißt es im heutigen Evangelium „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ - Wenn Gott uns sein Wort gibt, dann schenkt er uns sich selbst.
Heute geht es im weihnachtlichen Evangelium des Johannes,
der selbst Jünger Jesu und Augenzeuge war, genau darum. Gottes Leben und Gottes Licht kommt zu den Menschen.
An Weihnachten kommt er selbst in seinem Sohn zu uns, und er leuchtet in unserer Finsternis. Für den Begriff „das Wort“ steht im griechischen Original übrigens das Wort „Logos“. Darin erkennen wir unseren Begriff „logisch“, der auch in Begriffen
wie Biologie oder Theologie enthalten ist. Er bedeutet so viel wie Sinn, Wort, Kraft oder Tat.
Das bedeutet: An Weihnachten geht es um eine ganz tiefe Wahrheit, um die Offenlegung von etwas, was uns bisher verborgen war. Es geht wirklich um die Sinn-Frage, um die Frage, was die ganze Schöpfung eigentlich für einen Sinn hat und was die Welt im Innersten zusammenhält.
Kein sinnloser Zufall, kein Urknall, weil halt gerade mal so eben einen Moment lang eine gigantische Menge Energie da war, die sich dann netterweise in der Evolution auch irgendwann in Men-
schen verwandelte.
Nein, sagt die Bibel: Gottes Liebe ist es, die all das veranlasst hat und lenkt. Alles ist letztlich in Gottes Hand. Und an Weihnachten ist dieser Gott uns in seinem Sohn ganz, ganz nahe gekommen.
Kein Gott wie ein eingefleischter, alter Junggeselle, fern und realitätsfremd, sondern als Mensch hat er sich eingefleischt,
ist in Jesus in Fleisch und Blut übergegangen.
Doch Johannes und die christlichen Gemeinden mussten in den Jahrzehnten nach Jesu Tod und Auferstehung auch enttäuscht erleben, dass die Finsternis in den Herzen vieler Menschen das leuchtende Licht für sich ablehnte. So heißt es im heutigen Evan-
gelium: „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ - Gott kommt also in sein Eigentum, und man schlägt ihm buchstäblich die Tür vor der Nase zu. Eintritt für den Herrn und Gott unerwünscht.
Ist das nicht furchtbar? - Es sind die Seinen, heißt es ausdrück-
lich. Die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wir gehören Gott, wir alle sind sein Eigentum, wir gehören seit unserer Taufe zu ihm. Aber wir tun so, als ginge uns das nichts an. Nein danke, wir brauchen nichts!
Mehr noch: Dieser Gottessohn Jesus wurde ausgesprochen lästig. Für so jemand war auf Dauer kein Platz in den Macht-gefügen dieser Welt.
Im griechischen Urtext heißt es „ou topos“. Das heißt eben nicht bloß nur: kein Platz, sondern wir erkennen unschwer das Wort „Utopie“ darin wieder.
Das bedeutet: In den Denk-Kategorien dieser Welt werden die Gedanken, das Handeln und die Aufforderungen Jesu an uns einfach für utopisch erklärt, für Schaumschlägereien eines realitätsfremden Träumers.
Lieber Gott, du hast ja keine Ahnung, soll das eigentlich heißen.
Wir echten Menschen brauchen nun mal unsere strengen Religions-Vorschriften, unsere Mauern, unsere Grenzen, unsere Panzer und Atom-Raketen. Wenn du wüsstest, wie die anderen Menschen wirklich sind! - Wenn die so wären, wie wir eigentlich sein sollten, dann, ja dann…
Genau da liegt der große Denkfehler, sagt nicht nur das heutige Evangelium. Gott hat nicht mal so nebenbei Mensch gespielt, weil ihm vielleicht langweilig war und er mal was erleben wollte.
Er hat sich nicht etwa als Mensch verkleidet, um sich dann dünne machen zu können, wenn es brenzlig wird.
Nein, sagt auch Johannes, das Wort Gottes ist wirklich und wahrhaftig Fleisch geworden. Nicht geboren wie ein Mensch, sondern geboren als Mensch.
Gott wird mit uns leibhaftig solidarisch gegen Ungerechtigkeit, Leid und Not. Alles, was Menschen erleiden und erleben, ist
ihm wohlbekannt, die Hochzeiten ebenso wie die Trauerfeiern, die Egoisten (auch die in religiöser Verkleidung) ebenso wie die Umkehrwilligen, den Zöllner und Obergauner Zachäus eingeschlossen.
Johannes formuliert dann weiter: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ - Genauer heißt es im Urtext allerdings nicht einfach nur wohnen, sondern „zelten“. Gott schlägt also mitten unter uns sein Zelt auf – was für ein schönes Bild!Er steht nicht irgendwo auf einem unbeweglichen Denkmal-Sockel, um sich dann und wann verehren zu lassen. Nein, Gott ist mittendrin im wirklichen Leben. Er hat uns nicht im Dunkeln sitzen lassen.
Er ist da, wo wir sind. Er zieht sogar mit uns in unserer Un-
stetigkeit, wenn wir mal wieder irgendwo die Zelte abbrechen müssen auf dem Weg zu unserem Ziel. Er geht mit, durch dick und dünn.
Dieses Motiv des Zeltes hat auch die Kirche aufgegriffen.
Sie spricht vom wandernden Gottesvolk, und daher sind auch zahlreiche Kirchengebäude in zeltähnlicher Form konstruiert.
Wir als Christen wissen, dass das so flexible Zelt ein gutes Symbol für uns ist: Unser Leben hier auf Erden währt nicht ewig. Es ist nur kurzfristig, es hat ein Verfallsdatum, das wir selbst aber nicht lesen können.
Wir können hier nichts wirklich dauerhaft einzementieren; von einem Moment zum anderen kann alles dahin sein, was man so gerne für immer konservieren möchte: Gesundheit, Wohlstand, Arbeit, Glück.
Kommen wir zum wichtigen Schluss des heutigen Evangeliums. Dort heißt es: „…und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“
Johannes schreibt ausdrücklich: „Wir haben…“ – Das soll heißen: Wer dem Mensch gewordenen Jesus nicht die Türe
vor der Nase zuschlägt, sondern wer ihn zu sich hereinbittet,
der wird ihn auch kennenlernen können.
Das hat Johannes nicht alleine so erlebt, sondern mit ihm viele Christen in den Gemeinden, damals und heute. Gott lässt die-
jenigen, die ihn bei sich aufnehmen, nicht im Dunkeln sitzen.
Wer ihn wirklich bei sich aufnimmt, der bekommt auch die Kraft geschenkt, ein wirkliches Gotteskind zu werden. Dann muss man nicht mehr schwarz sehen.
Dann darf man von ganzem Herzen Weihnachten feiern, und das sogar, genau genommen, ein ganzes Erdenleben lang. So will es Gott. Und da haben wir sein Wort drauf.
Predigt Pfr. Karl Sendker>> BITTE KLICKEN !
Predigt Eberhard Gottsmann
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Predigt Diakon Rikard Toplek (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (Langfassung / pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Bischofssynode über das Wort Gottes im Leben der Kirche
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Ihre Lebensuhr – so viel Zeit hat Gott Ihnen schon geschenkt
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In der Eisenbahn sitzt ein Kirchenhasser. Als sich ein Priester auf den freien Platz gegenüber setzt, will der Spötter sofort provo-zieren: „Wenn mein Sohn dumm wäre, würde ich ihm eine Aus-
bildung zum Priester nahelegen!“ - Der Priester schmunzelt und meint: „ Ihr Vater war in dieser Frage ja ganz offensichtlich anderer Ansicht!“
Ein Kirchengegner-Ehepaar geht ins Museum. Sie sehen sich die Bilder an - und bleiben schließlich vor einem herrlichen Gemälde von Rubens mit dem Titel "Die Heilige Familie auf der Flucht" stehen. Sie betrachten lange das kostbare Bild.
Schließlich wendet der Mann sich zu seiner Frau um: „Siehst du, so sind die Christen! Seit Jahrhunderten erzählen sie den Leuten, Maria und Josef seien so arm gewesen, dass Maria ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen musste. Aber um sich von Rubens malen zu lassen - dafür hatten sie immerhin Geld genug…!"
Alle diesjährigen Weihnachtspredigten können Sie auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.2.2012):
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