schneidend dies im konkreten Fall für die vor Ort Betroffenen ist, konnte man erst kürzlich in Duis-
burg erleben. Dort gab es nach einer Schließungs-Ankündigung des Bistums Essen eine Demo und sogar eine nächtliche Besetzung der Kirche; ich berichtete darüber.
Nach meinem Eindruck gehört dieses Bistum zu denen, die da nicht allzu lange zögern. Das Zukunftskonzept des Bistums geht davon aus, dass dort etwa 25 % aller Kirchen geschlossen werden müssen – eine geradezu katastrophale Entwicklung.
Ganz anders verfährt man dagegen im Erzbistum Köln.
Von Kardinal Meisner stammt die Mahnung: „Nur Blinde ver-kaufen ihre Leuchttürme“,
und dies bedeutet
in der Praxis, dass man dort vorschnelle Schließungen unter dem Eindruck der derzeitigen Finanzsituation unbedingt vermeiden will. Vielmehr plädiert man hier, von Aus-
nahmen abgesehen, seitens der Kirchenführung für eine Politik der „Atempause“. Damit soll vermieden werden, dass jetzt folgenreiche Schritte getan werden, die später unumkehrbar sind.
Vielleicht spielen da Erfahrungen aus anderen Ländern auch eine Rolle. In den Niederlanden etwa gibt es ehemalige Kirchen jetzt als Diskotheken, Fitness-Studios, Restaurants, Kaufhäuser und ähnliches. Sogar eine ehemalige Kirche, in welcher der Altar jetzt als Fleischertheke genutzt wird, gehört zu den traurigen Folgen.
Kirchen sind nicht irgendwelche Gebäude. Sie sind Glaubenszeugnis, Gebetsraum und Räume der Stille, wichtiger Orien-tierungspunkt im Ort und Träger unserer abendländisch-christlichen Identität.
Macht die Kirche im Wohnort dicht, dann werden die Menschen eines wesentlichen persönlichen Bezugspunktes beraubt.
Hier haben sie und ihre Familie viele Glaubensfeiern miterlebt, von Taufen bis hin zu Requien für die Verstorbenen. Da geht mehr als nur ein Treffpunkt verloren. Hier hat man sich engagiert, zeitlich und finanziell. Hier war ein wesentliches Stück der see-
lischen Heimat. Kurz: Für viele bricht da eine Welt zusammen.
So verständlich es auf den ersten Blick ist, dass die Kirchen-
leitungen drückende finanzielle Lasten abschütteln wollen –
die Folgen wiegen schwer, für die einzelnen Christen wie für
die ganze Pfarrgemeinde.
Eine Auswirkung solcher Schließungen ist z.B., dass die Kirche im Bewusstsein der Allgemeinheit allmählich einfach nicht mehr vorhanden ist. Sie spielt keine Rolle mehr, ein für allemal.
Sie hat ausgedient, und das kaufmännische Denken hat auch in der Kirche gesiegt. Kein Wunder also, wenn die Betroffenen sich mancherorts verzweifelt gegen Schließungsabsichten wehren. Da werden z.B. Fördervereine gegründet, da engagieren sich ganze Ortsgemeinden, um das Unglück doch noch abwenden
zu können. Unter Umständen kann die Notlösung auch darin bestehen, weitere Nutzungen („Nutzungspartnerschaften“) möglich zu machen, wie sie auch die Bischofskonferenz in
ihren „Entscheidungshilfen“ benennt.
Man sollte die Kirche im Dorf lassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Was vor allem gefragt ist: Rechtzeitige und gründliche Information aller Beteiligten, also auch der Christen vor Ort, bevor „das Kind in den Brunnen gefallen“ ist. Dann gibt es hoffentlich eine Chance, dass das Licht eben nicht ausgeknipst werden muss…
- Grundsätzliches: „Kirchen als Spekulationsobjekte?“
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- „DIE ZEIT“: Bistum Essen: „Sag beim Abschied leise Amen“
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- Netzwerk der Kirchen-Fördervereine
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- Leere Kirchen – „Eine gesellschaftliche Herausforderung“
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- Deutsche Bischofskonferenz: „Umnutzung von Kirchen – Beurteilungskriterien und Entscheidungshilfen“ (29 S. pdf)
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- Tagung im Erzbistum Köln: „Altlast Kirche?“
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- Evangelisch in Westfalen: „Kirchen umbauen, neu nutzen…
(62 S. pdf) >> BITTE KLICKEN !
- Blog „Kirchenschwinden“ über Kirchenschließungen usw.
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- Bürgeraktion „Rettet Bochumer Kirchen!“
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- Kirche in Hannover wird Urnen-Begräbnisstätte
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- Restaurant „Die Kirche“
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- Restaurant „Glück und Seligkeit“
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- Kulturkirche Hamburg-Altona
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- Umnutzung Kloster und Kirche St. Alfons, Aachen
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- Abriss Herz-Jesu-Kirche Frintrop
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3 Kommentare:
Predigtgarten und andere schauen einem Zug hinterher, der längst abgefahren ist. Die katholische Herrlichkeit ist beendet.
Ihnen ist wohl die muslimische Herrlichkeit lieber?
Als alter Ruhri mit Freunden und Verwandten in diversen Städten des Ruhrbistums weiß ich nur zu gut, welche Wunden dieser Kahlschlag gerade bei den praktizierenden Katholiken gerissen hat. Sie fühlen sich von ihrer Kirchnleitung allein gelassen. Es wurde schlicht nach McKinsey "wegsaniert", wo man nach alten kirchlichen Maßstäben eigentlich hätte missionarisch "investieren" müssen. Köln geht da ganz scher einen besseren Weg.
Und rein architektonisch oder städtebaulich betrachtet ist jede geschlossenen und abgerissene Kirche ein Verlust!
Außerdem: solange sie da ist und die offene Tür zum Betreten einlädt, gibt es noch eine Chance auf eine Begegnung mit dem völlig anderen...
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