21.12.2011

Am Heiligen Abend 2011

(Fortsetzung)

Und nun – vor dem Erscheinen des Engels – hatte Maria ihrem Verlobten anver-
traut: Ich bin schwanger durch das Wirken des Heiligen Geistes. - Josef war geschockt. Sein Traum vom trauten Heim schien wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Was war nur los mit Maria? Er kannte sie doch schon lange und gut genug, um seiner frommen Verlobten absolut vertrauen zu können. Sollte er sich derart getäuscht haben?
Hatte sie einen anderen Mann kennengelernt?
Jeder, der einmal heftigen Liebeskummer erlebt hat, kann Josef nachfühlen, in welchem Zustand er jetzt war. Das war wie ein kleiner Weltuntergang! Die Erklärung Marias konnte er beim besten Willen nicht verstehen.
Aber was tun? - Josef wollte Maria vor allem nicht bloßstellen. „Josef, ihr Mann, der gerecht war“ heißt es im Evangelium.
Ja, Josef war im besten Wortsinne fromm und bemühte sich um ein gerechtes Leben, wie Gott es erwartete. Aber was war jetzt in dieser vertrackten Situation gerecht?
So beschloss er, „sich in aller Stille von ihr zu trennen“.
Er wollte also jedes Aufsehen vermeiden. Nicht Wut oder Enttäuschung bestimmte sein Denken, sondern seine große Liebe zu Maria, die er auf diese Weise schützen wollte, denn wenn er sich von ihr trennte und vielleicht in einen anderen Ort zog, sah es nach außen so aus, als läge die Schuld bei ihm.
Eine verlassene Braut – und dann noch schwanger!
Schlimm, dieser Mann! - Josef war also bereit, sich die Hände schmutzig zu machen, um seine geliebte Maria von allen Schuldzuweisungen zu verschonen.
Doch dann kam das, was in einer bekannten Redewendung so klingt: Der Mensch denkt, und Gott lenkt. - Gott griff energisch in das Geschehen ein: Er schickte einen Boten, einen Engel, der Josef zum Traum-Mann machte.
Im Traum wurden ihm die Augen ge-
öffnet, und er bekam sogar den Auftrag, die juristische Vaterstelle anzunehmen. Die Namensgebung war damals eine ehrenvolle Aufgabe, die immer nur dem Vater zufiel.
Der Engel hielt sich nicht mit langen Reden auf: „Sie wird einen Sohn ge-
bären; ihm sollst du den Namen Jesus geben.“
- Das war eine klare Ansage!
Und Josef?
Maria hatte, als der Engel ihr erschienen war, gleich nachgefragt: Wie soll das geschehen? - Nicht so Josef! Er hatte keine Frage, und er ant-
wortete auch nicht, zumindest nicht mit Worten. Der Engel im Traum war für ihn dennoch so real wie eine Engel-Begegnung am hellichten Tag. Josef tat den Traum nicht als Träumerei ab, sondern er wusste, dass Gott auch über Träume mit uns in Verbindung tritt. Josef ist ein Mann der Tat. Er gehorchte, auch wenn er nicht alles verstand. Heute ist es genau anders: heute will man alles verstehen, aber nicht gehorchen.
Josef gibt uns mit seinem Verhalten einiges zum Nachdenken. Er übernahm die Verantwortung, die ihm der Engel zugedacht hatte. Für ihn ist es typisch, dass er weder fragte noch antwortete. Seine Rolle war eher die hinter Jesus und Maria, und nicht an vorderer Stelle. Josef, der Traum-Mann war ein Mann mit Güte, mit Geduld, mit Herz. Mehrmals noch wird in der Bibel davon erzählt, wie er ohne Wenn und Aber dem Ruf Gottes folgte.
So ist der heilige Josef auch für uns heute ein wirkliches Beispiel: Gott gehorchen und dienen kann man auch in der zweiten Reihe. Nicht jeder kann und will im Vordergrund stehen. Es kommt für Gott auch nicht darauf an, was wir sagen; es kommt darauf an, was wir tun. Gott findet wie bei Josef immer einen Weg zum Ziel.
Auch wenn manche Situation im Leben eher zum Davonrennen ist – denken wir an Josef, der seine zugedachte Rolle im Plan Gottes liebend angenommen hat. - Vielleicht denken wir auch daran, wenn wir im Vaterunser beten: „Dein Wille geschehe!“ - Wenn nämlich Gottes Wille auf Erden geschieht, dann ist wirklich Weihnachten!


Josef von Nazareth
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Dr. Jörg Sieger: Josef, Mann der Tat
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Predigt Andreas Wendt: “Kanarische Inseln...”
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Predigt Pfr. Peter Brändle: „Ich bin dann mal weg…“ (pdf)
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Materialien „Alles um die Kinderkirche“ (15 S. pdf)
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Ansprache: Josef gehorcht
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Der heilige Josef – Gottes Mann auf Erden
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Hörpredigt Pfr. Liebig, ca. 11 min.
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Pfarrei Rechtenbach: Predigt „Echte Männlichkeit“
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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pdf-Datei: Der hl. Josef, skizziert nach den Evangelien
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Ein großer Tag im örtlichen Zisterzienserkloster: Ein Pater wird als ältester Priester des ganzen Bistums gebührend gefeiert, und natürlich ist auch die Presse mit dabei. Der Reporter will unbe-
dingt wissen, wie er es angestellt habe, mit seinen 94 Jahren noch so rüstig zu sein. Da hören alle natürlich gespannt hin.
Der Jubilar verkündet: „Mein Geheimnis heißt Knoblauch!“ -
Aus dem Hintergrund hört man einen Mitbruder aufstöhnen:
„Ein Geheimnis ist das leider wirklich nicht…!“

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2.Vorschlag: Am Heiligen Abend

Bitte umsteigen!

Wer mit der Bundesbahn, oder mit U-Bahn, Straßenbahn oder Linienbus fährt, der kennt das: Um an ein weiter entferntes Ziel zu gelangen, muss man oft mehrmals umsteigen. Das kann nicht nur sehr anstrengend und verwirrend sein, sondern man muss auch noch zusehen, dass man die passende Anschluss-
verbindung in der oft knappen Zeit noch rechtzeitig erwischt.
Ein davon gefahrener Zug bedeutet auf jeden Fall Zeitverlust. Manchmal kann man bei Fernverbindungen durch Irrtum oder Verspätung sein Ziel an diesem Tag überhaupt nicht mehr erreichen. Das schafft zusätzliche Kosten und Ärger.
Die richtige Verbindung zu bekommen – das ist heutzutage ein ganz allgemeines Problem. An jeder Ecke, in jeder Talkshow, in jeder Werbung findet sich jemand, der es angeblich doch so gut mit mir meint und ganz genau weiß, was er oder sie mir emp-
fehlen kann, damit es mir besser geht, damit ich rundum glücklich bin. Tag für Tag werden wir zugedröhnt mit bunt schillernden Versprechungen. Jedes Waschmittel ist natürlich das wirksamste der Welt, jede Creme ist die hautfreundlichste und macht um Jahre jünger, und alle Verkäufer überschlagen sich mit Sonder-
angeboten für ihr tolles Produkt.
Offensichtlich leben wir also im Paradies oder im Gelobten Land. Wir sind satt und wir haben von allem satt genug, zumindest im Vergleich mit den meisten Ländern dieser Erde. Auch wenn es in der Wirtschaft jetzt heftig kriselt und viele um ihren Arbeitsplatz und Wohlstand bangen müssen: Bitte keine Panik auf der Titanic!
A
lles im grünen Bereich!
Und Gott? - Der scheint sowieso ganz weit weg zu sein, jeden-
falls nach Meinung der meisten Leute. Ob er vielleicht ein längeres Nickerchen hält, ob er sich im Streik befindet oder ob er vielleicht ganz außer Betrieb ist?
Die vielen zum Teil himmelschreienden Ungerechtigkeiten auf dieser Erde verführen viele Menschen dazu, das alles einem angeblich untätigen Gott in die Schuhe zu schieben. Immer, wenn etwas Schreckliches passiert, privat oder bei einer großen Katastrophe, sind schnell die Schlagzeilen formuliert: Gott, wo warst du? Warum lässt du das zu?
Eine solche Katastrophe hat auch den Josef im heutigen Evan-
gelium erwischt. Seine Verlobte bekommt ein Kind, und das ist ganz sicher nicht von ihm. Auch Josef mag gedacht haben: Gott, was machst du da mit mir?
Habe ich dir nicht immer treu gedient?
Und jetzt diese entsetzliche Blamage – ausgerechnet mir muss das passieren!
Lieber Gott, ich habe es mir nicht leicht gemacht im Leben. Immer habe ich zu dir gestanden und alle deine Gebote erfüllt,
so gut es ging. Ist das jetzt der Dank dafür?
Josef bleibt jedoch nicht beim Jammern stehen. Er sucht nach einem Ausweg. Er liebt seine Maria so sehr, wie man nur lieben kann. Er fragt sich also nicht nur,
wie er aus dieser Nummer wieder rauskommt, sondern vor allem, wie seine Verlobte da raus kommt. Für Ehebruch drohte ihr nämlich die Strafe der Steinigung.
Josef bleibt nicht beim Jammern stehen. Josef will tun, was er tun kann, um Maria zu schonen. Er sucht dafür nach verschie-
denen Wegen. Schließlich beschließt er, Maria in aller Stille zu verlassen und damit in den Augen der Mitmenschen als der böse Bräutigam dazustehen, der die werdende Mutter einfach im Stich lässt. So wäre Maria jedenfalls gerettet.
Josef könnte nun in dieser Situation auch verärgert seinen Glauben an Gott an den Nagel hängen. Josef, der Zimmermann, gibt aber so schnell nicht auf, und seinen Glauben auch nicht. Zwar hat ihn eine heftige Krise erwischt, die sicher auch eine Glaubenskrise ist, aber Josef bleibt in Verbindung. Er bleibt in Verbindung mit Gott. Vielleicht hat Maria ja recht mit dem Hinweis auf den Heiligen Geist, den Josef nicht verstehen kann.
Josef weiß jedenfalls : Das, was für uns Menschen gleich das Naheliegende ist, das ist manchmal eben gar nicht so nahe liegend, sondern von ganz weit hergeholt.
Josef macht jetzt nicht dicht. Er belässt es nicht beim ersten Eindruck. Er bleibt weiterhin offen für Gott, im Gegensatz zu den vielen heute, die sofort ihre Rolläden herunterlassen und nicht mehr hinhören wollen, was Gott ihnen zu sagen hat, sobald im Leben etwas querläuft.
Ich weiß nicht, wie
es Ihnen geht, aber gehören Sie etwa auch zu den Leuten, die beim Einkauf und bei Geschenken vor allem auf die Ver-
packung achten?
Schöne, raffinierte Verpackungen werden uns präsentiert und locken zum Kauf. Was nicht schön verpackt ist, findet gleich weniger Interesse. Aber wenn Sie ein Weihnachtsgeschenk bekommen, das wenig einladend verpackt ist, werfen Sie das dann deswegen gleich unausgepackt fort?
Mit unserem Leben machen wir das jedenfalls gerne so. Was uns äußerlich abstößt, was uns irritiert, was nicht schön ist, was uns weh tut, das wollen wir wegwerfen. Weg mit dir, du störst mein Bild, mein Ideal von einem schönen Leben!
Josef, der seine Rolläden nicht heruntergelassen hat, sondern offen für Gott bleibt, erlebt dagegen eine Überraschung: im Traum bestätigt ihm ein Engel, was Maria ihm zu erklären ver-
suchte. Josef versteht jetzt: So unfassbar es ist, Gott hat in seiner unendlichen Liebe Mittel und Wege gefunden, der Welt seinen Sohn zu schenken, um uns alle zu erlösen.
Wie gut, dass Josef sich nicht von der Verpackung blenden ließ, die ihm nur Ärger versprach! - Er achtete stattdessen auf seinen Traum, auf das Zeichen Gottes, und er nahm es dankbar an. So konnte er treu bei Maria bleiben und für Jesus ein vorbildlicher Vater werden.
Liebe Mitchristen!
Die Festtags-
stimmung von Weihnachten wird auch bei Ihnen schnell wieder vorbei sein. Manche bauen schon in wenigen Tagen die Weihnachtsbäume wieder ab.
Aus und vorbei!
Wirklich aus und vorbei? An Gott jedenfalls liegt das nicht. Gottes Weihnachtsgeschenk bleibt. Das Gnadengeschenk seiner barm-
herzigen Liebe, sein Geschenk an jeden von uns. Es liegt also
an uns!
Lassen wir uns von bunten Verpackungen und Verlockungen blenden? - Fallen wir auf geistige Mogelpackungen heutiger Marktschreier herein?- Oder nutzen wir das Geschenk der Weihnacht, um uns neu zu orientieren, um uns im Fahrplan unseres Lebens die besten Verbindungen zu Gott heraus-
zusuchen?
Suchen wir sie, die Verbindungen zu Gott, und dann aber bitte auch umsteigen! - Sie wissen ja: Wer im Zug nach München sitzt, obwohl er eigentlich nach Hamburg will, der kann so schnell fahren wie er will – es ändert nichts, er hat sein Ziel eindeutig verpasst!
Ihnen allen gesegnete Weihnachten - …und umsteigen bitte!

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Die Predigt zu "In der Heiligen Nacht" folgt am Donnerstag,
die Predigt zu "Weihnachten Am Tag" dann am Freitag.
Eine Kurzfassung ist diesmal nicht erhältlich.

Alle diesjährigen Weihnachtspredigten können Sie auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.2.2012):
- als pdf-Datei >> BITTE HIER KLICKEN !
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