05.12.2011

"Legen Sie für uns auch Hostien in die Schüssel!" - Eine Erfahrung mit Hostienschalen am Kircheneingang

(Fortsetzung)

Als ich mich in Anbetracht der knappen Zeit bis zum Beginn der Heiligen Messe schließlich zögernd entschloss, für meine Person ebenfalls diesen Hostien-Kurz-
transport zu starten, wurde ich von einem älteren Ehepaar leicht ange-
rempelt: „Legen Sie doch bitte für uns auch zwei Hostien in die Schüssel!“ – Klar, man hilft doch gerne, wo man kann. Mit leicht gestörter Aufmerksamkeit feierte ich diese Heilige Messe mit, ab und zu
in Gedanken an den Sinn der Übung am Eingang, da ich dies bisher nur vom Hörensagen kannte.
Wozu hat man Internet? – Wieder daheim angekommen, verschaffte ich mir erst mal etwas Überblick. Es sind doch eine Vielzahl von Gemeinden, die dieses Verfahren praktizieren. Die Idee ist offenbar ausbaufähig: Auf einer offiziellen Liturgie-Seite lese ich einen begeisterten Bericht, wie alle Mitfeiernden jeder für sich eine Hostie zum Altar tragen. „Jede und jeder kann etwas von sich in mit in die Gabenbereitung hineinlegen. Wir stellen unsere Welt vor Gottes Angesicht hin.“
Damit sind
wir auch schon bei der Begründung für die Basis-Version dieser Praxis. Die Internetseiten einiger Pfarr-
gemeinden erklären diese Regelung eigentlich alle so, dass man damit symbolisiere, unser ganzes Leben mit seinen Sorgen, Bitten, Dank usw. in die Schale hineinzulegen und vor Gott zu tragen. - Ich stutze ein wenig: Und was machen wir z.B. bei den Fürbitten…?
Sogar die „Allgemeine Einführung in das Messbuch" wird gerne dabei als Begründung zitiert, in der es unter Nr. 49 heißt: „Sinnvoll und wünschenswert ist es, wenn die Gläubigen Brot und Wein herbeibringen…“
Hoppla, denke ich da: Kann es sein, dass ich den Weinvorrat zum Umfüllen im Eingangsbereich glatt übersehen habe?
Nein, natürlich nicht, denn so wörtlich nimmt man das denn doch nicht. Für mich ist es naheliegend, dass die Formulierung im Messbuch auf die Messdiener bezogen ist, denn die sind schließlich in ihrem vielfältigen Dienst rund um den Altar ausdrücklich die Vertreter der Gemeinde und tun auch genau dies: Brot und Wein herbeibringen.
Man wolle mit diesem Verfahren erreichen, dass die Gläubigen „noch bewusster zur heiligen Kommunion gehen“. Es werde damit „deutlicher, dass es unsere Schöpfungsgaben sind – unsere Welt“, die da von der Gemeinde bereitgestellt und vom Besucher umgeladen werden.
Meine erste Reaktion darauf: Und was ist dann mit der Kollekte? – Wäre es dann nicht auch logisch, statt Geld von daheim mitzubringen, ebenso einen Vorrat an Münzen anzubieten und
von einer Schale in die andere zu verfrachten?
Und so ganz fromm lief das Umladen nach meiner Beobachtung auch nicht ab, von der Frage, was jeder sich dabei dachte, ganz zu schweigen... - Ach, ich gerate immer mehr ins Grübeln. Sollen sie es ruhig so machen. Mein Ding ist das wohl nicht
.
- Beispiel einer Pfarrei >> BITTE KLICKEN !
- Allgemeine Einführung Messbuch >> BITTE KLICKEN !
- Jeder bringt eine Hostie zum Altar >> BITTE KLICKEN !
- Gut gemeint ist nicht immer gut: Tatort Priesterkommunion
>> BITTE KLICKEN !

- Quelle des Messdiener-Fotos >> BITTE KLICKEN !

zurück zur Predigtgarten-Hauptseite
>> BITTE KLICKEN !

5 Kommentare:

Stefan hat gesagt…

Für mich war diese Tradition auch neu, als ich in ein anderes Bistum zog. Mittlerweile finde ich es sehr schön, eben wegen den genannten Begründungen - ich bringe mich bewußt mit. Früher hatte das Kirchenvolk das Brot zur Eucharistie doch zuhause selbst gebacken und mitgebracht.

Dass spirituelle Aspekte mehrfach in der Messe auftauchen ist doch kein Grund. Schließlich bitten wir in den Fürbitten UND im Hochgebet für die Kirche und die Welt. Man soll den Herrn doch bestürmen, ER will es doch so.

Mein persönliches Gebet beim Einlegen der Hostie: Nimm mich an Herr und wandle mich. Wie Du dieses Brot wandelst in Deinen Leib, wandle auch mich in Deiner Barmherzigkeit.

Anonym hat gesagt…

Man kann es so oder anders machen. Wir haben wirklich ganz andere, größere Probleme in und mit der Kirche. Ansonsten habe ich mehrfach ähnliche Beobachtungen gemacht wie Sie.

Anonym hat gesagt…

Also, bei Papstmessen habe ich das noch nie gesehen. Warum wohl?

Hildegard hat gesagt…

Wenn dies als unsere Gabe verstanden wird, dann müsste doch eigentlich die Kollekte genau gleichzeitig sein, um das zu unterstreichen?! - Für mich wirkt es abschreckend. Habe ich keine Hostie eingelegt, kann ich auch nicht die Heilige Kommunion empfangen, oder?

P. Gregor hat gesagt…

Gut beobachtet, lieber Predigtgärtner!
Hildegard kann ich beruhigen: Wo dies praktiziert wird, sind auch immer schon einige zusätzliche Hostien in der Schale, also ganz locker bleiben!

Kommentar veröffentlichen

Zur Zeit keine Kommentare möglich.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.