Als die Zeit nach Gottes Ratschluss dafür ge-
kommen ist, schickt Gott einen Engel. Es ist aber nicht irgendein Engel, sondern einer von Gottes Thron-
engeln und Führer der Cherubim, der Erzengel Gabriel, also eine hochrangige Beset-
zung für diesen ganz besonderen Botendienst.
Auch ohne Navigationssystem findet dieser präzise das Ziel seines Auftrages: ein Städtchen in Galiläa namens Nazaret, damals mit weniger als 200 Einwohnern ein verschlafenes Nest und so unbedeutend, dass es nirgendwo im Alten Testament erwähnt ist. Wir würden heute vielleicht dazu sagen: dunkelste Provinz.
Nazaret ist etwa 100 km und damit vier Tagesreisen von der Hauptstadt Jerusalem entfernt. Durch eine ausgeprägte Hang-
lage bestand die Mehrzahl der dortigen Wohnhäuser damals
aus ausgebauten Höhlen, die es dort zahlreich gab. Der Name „Nazaret“ macht dennoch stutzig, denn der aramäische Ausdruck bedeutet „Fürst“ oder „Krone“.
Und in der Tat lebten damals in Nazaret Nachkommen einer entmachteten Linie von Nachkommen des Königs David, wozu auch Josef und durch ihn auch seine Verlobte Maria zählte. Genau so steht es auch im heutigen Evangelium.Vom Engel Gabriel heißt es ausdrücklich, dass er von Gott hierher gesandt wurde. Alles, was er tut und sagt, ist purer Auftrag und Dienst. Wir Menschen erstaunen einmal mehr über Gottes Entscheidung für ein Mädchen aus Nazareth. Er wählt keine aus der Hauptstadt, er wählt keine Studierte, er wählt
keine besonders Redegewandte, er wählt keine in den Augen
der Mitmenschen besonders herausragende Jungfrau.
Wir kennen nicht alle Gründe Gottes, warum er gerade sie ausgesucht hat, im doppelten Sinne eine tragende Rolle zu übernehmen. Doch einiges wissen wir schon über die Voraus-setzungen der jungen Maria für Gottes Casting.
Schon ihre Eltern Joachim und Anna waren besonders gottesfürchtige Leute und werden in der Kirche als Heilige verehrt. In den vier Evangelien erfahren wir nichts über sie, doch andere Quellen erzählen, dass sie kaum 100 Meter vom Jerusalemer Tempel entfernt wohnten und dass Joachim
ein Tempelpriester war.
20 Jahre litten sie unter dem Makel ihrer Kinderlosigkeit, bis
sie nach Ankündigung eines Engels endlich ein Kind bekamen, Maria. Es wird erzählt, dass sie ihre Tochter voll Freude dem Tempel weihten und Maria intensiv im Glaubensleben erzogen wurde.
Nun steht er also vor der Jungfrau Maria, der Erzengel Gabriel. Schon sein Gruß beim Eintreten in das Haus ist bemerkenswert: „Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ - Er spricht sie also zuerst an, er grüßt zuerst. Doch er spricht sie erst einmal nicht mit ihrem Namen an, son-
dern mit „du Begnadete“.
Dem Engel ist diese Einleitung ins Gespräch besonders wichtig. Nicht der Name ist Ausgangspunkt, sondern eine Eigenschaft Marias, die ihr von Gott verliehen worden ist. Sie ist „begnadet“ – da denken wir schnell an begnadete Künstler, die mit einem Riesentalent gesegnet sind. Doch dieses „du Begnadete“ meint mehr als das. Leider gibt es keine genaue Übersetzungs-
möglichkeit für den Begriff aus dem Urtext, aber sinngemäß ist damit gemeint „du mit Huld beglückte“ .
Gott, der allmächtige Herrscher aller Welt, hat diesem auser-wählten Mädchen seine göttliche Huld geschenkt. Er schenkt ihr das wahre und einzig wirkliche Glück. - Weiter sagt der Engel: „Der Herr ist mit dir“,
wie wir es auch im Gegrüßet-seist-du-Maria beten. Gabriel sagt kein Wort einfach nur so, wie man sich denken kann. Jedes seiner Worte ist genau bedacht. „Der Herr ist mit dir“ - das heißt, er macht Maria hiermit eine feste Zusage. Ja, Maria, du kannst dich darauf verlassen, dass Gott selbst bei dir ist, dass er in deiner Nähe ist, dass er dich nicht alleine lässt. Du lebst ganz in seiner Gegenwart, du Glückliche!
Doch die Freudenluftsprünge Marias bleiben erst einmal aus.
Sie reagiert mit Erschrecken, aber interessanterweise nicht über das Erscheinen des mächtigen Engels, wie das anderen Men-
schen passiert, sondern, wie es ausdrücklich heißt, über diese feierliche Anrede.
Während Maria über die ihr wohl in ihrer Tragweite nicht erkennbare Bedeutung dieses seltsamen Grußes nachdenkt, geht der Erzengel schon zum nächsten Schritt über, zur dringend nötigen Erläuterung. Punkt für Punkt gibt er Maria zu verstehen, was an ihr und mit ihr geschehen soll. Die Gnade, die Gott ihr schenkt, ist Gabriel offenbar besonders wichtig, denn nachdem
er Maria nun mit ihrem Namen angesprochen hat, wiederholt er seine Anrede mit anderen Worten: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden.“
Alles, was gesche-hen wird und wie es geschehen wird, ist also ganz ausdrück-
lich ein Werk der Gnade Gottes. Nicht durch menschliches Handeln, sondern durch einen Schritt Gottes, durch sein Erbarmen kommt das Heil in unsere Welt!
Doch Gabriel erklärt auch, dass Gott nicht ohne die Einwilligung und Mithilfe Marias handeln möchte. In der reinen Jungfrau Maria hat Gott denjenigen Menschen gefunden, der sein Leben schon immer ganz auf ihn ausgerichtet hat, schon von Kind an. Maria ist also ganz besonders empfänglich für Gott, und nun darf sie sogar ein Kind empfangen.
Maria hat ganz aufmerksam zugehört. Was ihr der Engel Gabriel da alles erklärt hat, ist so unfassbar, so unerhört, dass auch die gottesfürchtige Maria von heftigen Zweifeln geplagt wird.
Kann das denn wahr sein? Das geht doch gar nicht, weil ich doch mit keinem Mann zusammen war! Mein Verlobter hat mich doch überhaupt nicht angerührt. Wie soll denn da ein Kind entstehen? Wie hat Gott sich das denn bloß gedacht?
Auch Maria hat also Fragen, weil sie nicht alles versteht.
Das wird ihr in ihrem Leben mit ihrem Sohn Jesus noch öfter passieren, wie wir heute wissen. Das Bemerkenswerte ist jedoch, dass Gabriel vollstes Verständnis dafür hat. Er weiß, dass Gott Fragen und Zweifel akzeptiert. Gott ist ja kein Handelsvertreter, der einen überrumpeln will. Gott möchte ein überzeugtes JA,
das aus dem Herzen kommt, und nicht ein jämmerliches Na-gut-wenn-es-denn-sein-muss.
So lässt der Engel seiner Gesprächspartnerin Maria Zeit für Nachfragen und Bedenken: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ - Maria nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie sagt, was sie denkt. Wie soll das also geschehen?
Gabriel antwortet ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“Was für ein herrliches Bild für etwas, was unserem naturwissenschaftlich orientierten Verstand widerstrebt, der immer nur 1 und 1 zusammenzählen will und so tut, als müsse sich Gott gefälligst genau dem unterordnen, was wir kleinen Menschen bisher an Naturgesetzen erkannt haben wollen.
Dem Gott, der aus dem Nichts alles im ganzen Universum so wunderbar erschuf, dem trauen viele trotz des Hinweises von Gabriel offenbar noch nicht einmal eine Geburt aus einer Jungfrau zu.
Doch der Heilige Geist lässt sich nicht so klein machen wie der menschliche Verstand. Wie ein Schatten wird er über Maria kommen, heißt es.
Als wir Kinder waren, haben wir alle gerne Schattenspiele gemacht. Wenn wir genau in den Schatten eines Größeren getreten sind, war unser eigener Schatten plötzlich einfach
nicht mehr sichtbar, unsere eigene Statur überhaupt nicht mehr zu erkennen. Unser Schatten war vereint mit dem größeren Schatten. Im heißen Israel wusste man zudem: was überschattet ist, das kann beschützt leben, das muss nicht in sengender Sommersonne verbrennen. So deutet das schöne Bild des Engels nur an: Der große Gott ist Schattenspender und Lebens-
spender, ohne dass dafür auch nur eine einzige Berührung erforderlich wäre.
Freilich, um Missver-ständnissen vorzu-
beugen: Wir feiern an Weihnachten nicht irgendwelche bio-
logischen Tricks von Gott. Die hat Gott nun wirklich nicht nötig. Wir feiern das unfassbar große Geschenk der Gnade und Liebe Gottes, unseres Herrn.
Für die Gottessohnschaft Jesu ist ohnehin letztlich gar nicht entscheidend, dass Jesus weder Josef noch einen anderen Mann als Vater hatte. „Die Lehre vom Gottsein Jesu würde nicht angetastet, wenn Jesus aus einer normalen menschlichen Ehe hervorgegangen wäre“, schreibt Papst Benedikt XVI. daher in seinem Buch „Einführung in das Christentum“ (S.22). Die Emp-
fängnis Jesu bedeute eben nicht, schreibt er weiter, dass in Jesus ein neuer Gott-Sohn in Maria entstehe, denn der dreieinige Gott ist schon in Ewigkeit Vater, Sohn und Geist. Vielmehr ziehe „Gott als Sohn in dem Menschen Jesus das Geschöpf Mensch an sich“. Jesus ist also wahrer Gott und wahrer Mensch, wie wir es im Großen Glaubensbekenntnis („Gotteslob“ Nr. 356) auch aussprechen.
Doch zurück zu der Szene im heutigen Evangelium. Um Maria das Verständnis und die Entscheidung zu erleichtern, verrät der Erzengel Gabriel ihr noch ein Geheim-nis: ihre schon recht alte Tante Elisabeth, die seit Jahrzehnten
als unfruchtbar galt, erwartet jetzt ein Kind und ist bereits im sechsten Monat. Und Gabriel fügt erklärend hinzu: „Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ - Dieses beeindruckende Zeichen Gottes räumt bei Maria die letzten Zweifel und Ängste aus dem Weg.
Was also nach menschlicher Erkenntnis eigentlich gar nicht passieren kann, was keine Frucht mehr hervorbringen kann,
das kann Frucht tragen, wenn Gott es nur will. - Maria weiß nun genug, um eine Entscheidung treffen zu können. Sie ist sich nun der Größe dieses Gottesgeschenkes bewusst. Voller Demut vor dem Herrn gibt sie dem Engel ihr JA-Wort: „Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.“
Auch hier ist unsere Bibel-Übersetzung leider etwas ungenau. Wörtlich heißt es eigentlich nicht „Magd“, sondern sogar „Sklavin“. Damit will Maria zum Ausdruck bringen, dass sie nun
in absolutem Vertrauen in Gottes Ratschluss eingewilligt hat und stets das tun will, was seinem heiligen Willen entspricht.
Ihr beherztes JA-Wort macht den Weg frei für Gottes Pläne, für Weih-nachten für uns alle, damals und heute.
Das große Vorbild der Jungfrau Maria, die ihre eigenen Lebenspläne und Wünsche zurückgestellt hat, kann uns eine große Hilfe für unser eigenes Leben sein. Ihr großes Gottvertrauen kann auch uns Mut machen, vor Gott zu JA-Sagern zu werden.
Gerade in den letzten Tagen der Adventszeit, unmittelbar vor dem großen Fest der Geburt Christi, sollten wir innehalten.
Wir haben das Fest vorbereitet. Aber haben wir es wirklich vor-
bereitet? Haben wir uns wirklich vorbereitet? Können auch wir schon JA sagen, wenn Gott uns braucht ?
Johanna Domek: „Wie soll das geschehen?“>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Dr. Robert Nandkisore: „Vorbereitung“ (pdf)
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Lk 1,26-38: „Ein gutes Gespräch“
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Predigt Pfr. Karl Sendker
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Predigt Monika Dittmann: „Um Himmels willen“
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Historische Kurz-Info über Nazareth
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Joachim und Anna, die Eltern Mariens
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Die letzte Adventswoche ist angebrochen, und Familie Müller sitzt mit ihren beiden Kindern beim Abendessen. Es ist unver-meidlich, dass es jetzt auch immer mal wieder um das Thema Weihnachten geht. Auf einmal bemerkt die fünfjährige Chantal: „Mami, Papi, was wünscht ihr euch eigentlich zu Weihnachten?“
Die Eltern sind natürlich gerührt. Wie sich das gehört, winkt die Mama lächelnd ab: „Ach, eigentlich nichts. Oder doch: Wir wün-
schen uns zwei liebe Kinder!“
„Prima!“, ruft Chantal, „dann haben wir endlich zwei Spielkameraden!“
Ein Jugendlicher liest während einer Ferienfreizeit in der Bibel. Dabei ruft er immer wieder „Halleluja"! - Er wird vom Pastoral-
referenten gefragt, warum er ständig „Halleluja" rufen würde.
„Ich habe gerade gelesen, wie Gott die Israeliten rettete.
Durch das Meer hindurch. Halleluja! Ein Wunder!“-
Da wird er vom Bibelfachmann aufgeklärt: „Das ist doch kein Wunder! Dort war einfach eine Furt mit nur 20 cm Wassertiefe!" -
Der Rufer schweigt nachdenklich. Er liest weiter, und plötzlich legt er wieder los: „Halleluja, Halleluja!“ Schon leicht verärgert kommt der kluge Mann zurück: „Ich habe dir doch eben schon gesagt: Alles ist ganz natürlich zu erklären. Das war kein Wunder von Gott."
– „Ja, ja", meint der Jugendliche da , „ich habe aber in der Bibel weitergelesen. Dort steht, dass Gott danach die Verfolger in dem Wasser ertrinken ließ. Und das bei nur 20 cm Wassertiefe! Also, wenn das kein Wunder ist! Halleluja!"
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