22.12.2011

In der Heiligen Nacht 2011

Die meisten kennen die Fernsehsendung, die traditionell seit vielen Jahren an Silvester in den dritten Programmen aus-
gestrahlt wird: „Dinner for One“ oder „Der 90. Geburtstag“ mit Miss Sophie und ihrem Butler James. Einfach unbeschreiblich, dieser Sketch! James fragt mehrmals, in der verzweifelten Hoffnung, dem Alkohol entgehen zu können: „The same procedure as last year, Miss Sophie?” (Die gleiche Prozedur wie vergangenes Jahr), was sie stets bestätigt mit: “The same procedure as every year, James!”
(wie jedes Jahr). - Wie es dabei dem armen James ergeht,
das trainiert unsere Lachmuskeln…
Das Fest der Geburt Jesu steht in der Gefahr, dass es ihm auch so ergeht – also wie jedes Jahr, die gleiche Prozedur, das immer gleiche Fest. Natürlich wird es immer Menschen geben, die lediglich wegen der schönen Stimmung die Christmette in der vollen Kirche in Anspruch nehmen und anschließend das Christentum wieder für ein Jahr an den Haken hängen.

Darum geht es hier aber nicht. Das heutige Evangelium will uns Gläubige alle wachrütteln und uns das unfassbare Geschenk der Weihnacht noch einmal ganz deutlich machen. Die Geburt Christi soll nicht vorschnell „alle Jahre wieder“ gefeiert werden, weil es eben so Tradition ist. Weihnachten - das ist viel, viel mehr. Es ist die schönste Liebeserklärung, die Liebeserklärung Gottes an jeden von uns.

Der Evangelist Lukas schildert zuerst, wie mühsam der Weg von Josef und Maria ist – von Nazareth bis nach Bethlehem sind es über 100 Kilometer Fußweg! Aber Josef fügt sich bereit-
willig dem Befehl des Kaisers Augustus zur Volkszählung; so kommen sie in seine Vaterstadt Bethlehem. Der Befehl des damals mächtigsten Herren der Welt fügt sich aber genau in den Plan Gottes, denn nur so kommt Jesus ausgerechnet in der Königsstadt Davids zur Welt, ein besonderer Hinweis auf sein eigenes Königtum!

Doch nur eine kümmerliche Krippe in einem zugigen Stall steht für dieses Königskind zur Verfügung. Er nimmt sich keinerlei Sonderrechte heraus – ganz im Gegenteil! Da kann jeder sehen: Wenn Gott zu uns kommt, macht er sich ganz klein, armselig und hilflos – so unendlich groß ist seine Liebe!

Und wer erfährt zuerst vom weihnachtlichen Geschehen im Stall? Nicht König oder Bürgermeister, nicht Lehrer oder Priester!
Es sind Hirten, die draußen auf dem Feld bei ihrer Herde Nachtwache hielten. Auf sie richtet der Evangelist Lukas seine und unsere Aufmerksamkeit.
Hirten – das waren damals rau(h)e Gesellen, die bei Wind und Wetter bei den Schafen waren. Die aller-
meisten von ihnen waren bezahlte Knechte, bewachten also nur die Herden anderer. Sie waren im Volk nicht gerne gesehen, denn sie waren schmutzig, ungepflegt und wanderten jahrein jahraus mit den Herden zu den Futter-
plätzen, ohne am Gemeinschaftsleben oder an religiösen Feiern teilnehmen zu können. Sie waren Außen-Seiter im wahrsten Sinne des Wortes, für die sich wirklich niemand interessierte,
und sie waren alles andere als fromm.
Ausgerechnet zu diesen hartgesottenen Burschen schickt Gott seinen Engel mit der Botschaft von der großen Freude der Geburt des Messias – das muss man erst einmal verdauen!
Wie man sieht, ist Gott immer für eine Überraschung gut und beteiligt sich offensichtlich nicht an unserem Einsortierungs-
system von Menschen in Gute und Böse.

Was könnte die Hirten für Gott so interessant gemacht haben? Sicher zuerst einmal die Tatsache, dass Hirten eine Fähigkeit haben, die anderen fast verloren gegangen ist: Hirten können
gut hören! Das klingt so harmlos, ist es aber nicht: Der Beruf
des Hirten war gefährlich, besonders in der Nacht. Es gab lebensbedrohliche Überfälle und vor allem wilde Tiere, die die Herden angriffen. Hirten lebten ganz mit der Natur, und sie verließen sich nachts nur auf ihr trainiertes Gehör, denn sehen konnte man in der freien Wildnis nichts.
Hirten waren Hörende, und Hirten waren Menschen, die wachten, wenn andere schliefen. Hirten wussten um die Gefahr – sie waren stets in Alarmbereitschaft. Nicht umsonst bezeichnete Jesus sich selbst gerne als den guten Hirten, der seine Schafe beschützt. Wenn es heißt, das die doch so hartgesottenen Hirten sich über die Engel-Erscheinung sehr fürchteten, können wir erahnen, wie ungeheuer mächtig diese Erscheinung wohl war.

So nähern wir uns dem, was Gott uns hier durch Lukas sagen will: Die Engel sind da, um die große Freude der Weihnacht zu verkünden, die im Himmel so großen Jubel auslöst. Die Engel sind da. Jesus ist da. Dein Retter ist da. Dein Ansehen, dein Schmutz – alles spielt keine Rolle: Höre nur – und öffne dich – komm in den Stall, schau ihn dir an und schenke ihm dein Herz! Dann ist Weihnachten wirklich bei dir angekommen.
…………………………………………………………………........ Angelus Silesius (Johannes Scheffler, gest. 1677), Mystiker, Priester und Dichter: „Wäre Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du bleibst doch ewiglich verloren.“
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Mehrere Weihnachtspredigten von Pfr. Dr. Jörg Sieger
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Predigt P. Dr. Jakob Mitterhöfer SVD (pdf)
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Predigt Pfr. Andreas Erstling: „Das Rettungspaket“
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Hier findet man die Kalender-Daten von katholischen Sonntagen, Fest- und Feiertagen von 1970 – 2100. Für sehr langfristige Pläne… >> BITTE KLICKEN !
Infoseite des NDR: Alle Infos rund um die Kult-Sendung an Silvester - „Dinner for One“ (Der 90.Geburtstag)
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Der Wert von Statistiken: „Wenn Sie mit den Füßen im kalten Eiswasser stehen und mit dem nackten Hintern auf der heißen Herdplatte sitzen, dann haben Sie im statistischen Durchschnitt eine angenehme Körpertemperatur.“ (Peter Paterna)

Ein Fallschirmspringer macht seinen ersten Absprung aus
5000 m Höhe – erst mal alles prima. Bei 3000 m will er den Fallschirm öffnen: nichts! Notfallschirm: nichts! – Er versucht es immer wieder: nichts! Auf 400 m Höhe saust ihm von unten einer raketenartig entgegen. Der Springer fragt: „Können Sie mir helfen?“ – Die kurze Antwort: „Tut mir leid, ich kann nur Gasleitungen reparieren!....“

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Die Predigt zu "Weihnachten Am Tag" folgt am Freitag.
Eine Kurzfassung ist diesmal nicht erhältlich.

Alle diesjährigen Weihnachtspredigten können Sie auch selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.2.2012):
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